«  1  »

 

Gemeinderat, 21. Sitzung vom 30.03.2022, Wörtliches Protokoll  -  Seite 60 von 94

 

durch Männerhand auf Grund ihres Geschlechtes, beziehungsweise um es zu spezifizieren, und ich sag‘ das jetzt unter Anführungszeichen: auf Grund von Verstößen gegen traditionelle, soziale und patriarchale Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden, getötet wurden. Ganz besonders schlimm ist es, dass ganz vielen nicht bewusst ist, dass das nicht einfach ein Mord ist. Und da möchte ich einen sehr traurigen und abscheulichen Trend in diesem Zusammenhang erwähnen, nämlich, vielleicht haben das einige von Ihnen mitbekommen, auf Tiktok gab es erst vor Kurzem einen sehr, sehr abscheulichen Trend junger Männer, die sich auf der Plattform über Frauenmorde lustig machen, indem sie beschreiben, wie sie bei ersten Dates Frauenmorde begehen würden, als wären Femizide etwas, das man einfach mal bei der ersten Verabredung so macht. Abgesehen von der wirklich schrecklichen Verharmlosung von Mord und einer Straftat wird dabei traurigerweise auch ersichtlich, dass die strukturelle Komponente von patriarchal motivierten Tötungen von Frauen durch Männer einfach nicht verstanden wurde, dass Femizide und ihr Hintergrund einfach nicht verstanden wurden. Genau da anzusetzen, zu sensibilisieren, das ist ganz essenziell.

 

Da möchte ich im Zusammenhang mit den Vereinen, die wir hier heute auch verhandeln, zwei Beispiele nennen. Ein Fokus in der Öffentlichkeitsarbeit von Women Against Violence Europe wird zum Beispiel auf der Kampagne Youth Ambassador liegen, die zum Ziel hat, das Bewusstsein für das Thema Gewalt gegen Frauen bei jungen Menschen zu stärken, ganz wichtig vor allen Dingen vor dem Hintergrund, was ich gerade gesagt habe.

 

In diesem Kontext möchte ich aber auch die Schwarze Frauen Community hervorheben, die etwa auch eine Bubengruppe und Intensivbetreuung gewaltgefährdeter Burschen vorsieht, denen positive Role Models oftmals fehlen und die durch intensive Begegnungen mit Sozialpädagogen und -pädagoginnen im Programm des Vereins emotional stabilisiert und gestärkt werden, damit diese zu verantwortungsvollen Männern heranwachsen, die weder im öffentlichen Raum noch innerhalb der eigenen vier Wände Gewalt anwenden. Aber es ist klar, alle diese Vereinsangebote, ich habe jetzt nur zwei hervorgehoben, es gibt noch viele, viele weitere, benötigen Mittel. Für uns in Wien ist klar, Gewaltschutz funktioniert nur dann, wenn diese Mittel auch tatsächlich zur Verfügung gestellt werden. Dieser Verantwortung kommen wir hier nach, und das zeigt sich nun an den ersten Akten, die nun zusätzliches Budget erhalten. Danke.

 

Vorsitzende GRin Gabriele Mörk: Also Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Aslan, und ich erteile es ihr. Bitte, Frau Gemeinderätin.

 

15.48.48

GRin Mag. Aygül Berivan Aslan (GRÜNE)|: Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Der 8. März ist für uns Frauen kein Feiertag. Er ist und bleibt ein Kampftag, bis die letzte Frau auf diesem Planeten ein menschenwürdiges, geschlechtergerechtes und gewaltfreies Leben hat, weil wir Frauen brauchen auch zum Frauentag keine Blumen oder Pralinenschachteln. Was wir Frauen brauchen, sind gut budgetierte Frauen- und Mädchenvereine, die vielen benachteiligten Frauen und Mädchen Halt im Leben bieten. Was wir Frauen brauchen, sind auch sichere Fluchtwege für schutzsuchende Frauen und Mädchen. Was wir Frauen auch brauchen, ist auf allen Ebenen ein gewaltfreies Leben. Und das nicht nur am Frauentag, sondern jeden Tag und überall sind unsere Bedürfnisse ständig gefragt, auch in Afghanistan.

 

Ja, Afghanistan, viele haben sich von dem Land schon verabschiedet, nachdem es von der Taliban übernommen wurde, aber wir geben nicht auf, weil es werden immer noch tagtäglich Menschen, vor allem Frauenrechtsaktivistinnen, willkürlich misshandelt, verhaftet, verschleppt und gefoltert. Sehen wir uns mal die derzeitige Lage in Afghanistan an. Allein im Jahr 2021 wurden etwa 600.000 Afghanen beziehungsweise Afghaninnen zu Binnenvertriebenen im eigenen Land. 80 Prozent von denen, die ihre Heimat verlassen mussten, sind Frauen und Kinder. Ja, die Zahl ist erschreckend. Umso schrecklicher ist die Situation der Frauen, die im Moment gegen das Taliban-Regime kämpfen. Frauen und Mädchen leiden nicht nur unter extrem patriarchalen Strukturen, Misshandlungen, Zwangsverheiratungen und struktureller Gewalt, sondern sie werden auch daran gehindert, an ihren Arbeitsplatz, an Universitäten und Schulen zurückzukehren. Alleinstehende Mütter können ihre Kinder nicht ernähren, weil sie nicht arbeiten dürfen. Bewohnerinnen von Frauenhäusern werden wieder zurück zu jenen gewalttätigen Männern geschickt, vor denen sie im Frauenhaus Schutz suchten. Frauen, die sich die Unterdrückung nicht gefallen lassen wollen und protestieren, werden von Taliban-Kämpfern bedroht, angegriffen und verschleppt.

 

Ja, das ist unfassbar und das ist nicht erträglich, schon gar nicht im Jahr 2022, denn jeder Angriff auf eine Frauenrechtsaktivistin ist ein Angriff auf unsere demokratischen und grundrechtlichen Werte. Jede mutige Frauenrechtsaktivistin, die gegen demokratiefeindliche und faschistische Strukturen aufsteht und ihre Stimme erhebt, erhebt sie für uns alle. Als Menschenrechtsstadt Wien müssen wir allen Menschen, die Schutz suchen, auch Schutz bieten. Es darf nicht zwischen Schutzsuchenden der einen und der anderen Herkunftsländer, so wie es heute die FPÖ immer wieder macht, unterschieden werden. Umso mehr freut es mich, dass wir uns heute gemeinsam parteiübergreifend mit Frauen und Mädchen aus Afghanistan solidarisch zeigen und uns auch bereiterklären, hier afghanische Frauenrechtsaktivistinnen und ihre Familien in unserer Menschenrechtsstadt Wien aufzunehmen.

 

Wir stellen den Antrag, ich und meine Kolleginnen Viktoria Spielmann, Julia Malle, Barbara Huemer, Marina Hanke, Dolores Bakos, Safak Akcay und Bettina Emmerling. Umso mehr freut es mich, dass es natürlich ein Frauenantrag ist, und zwar: Der Gemeinderat der Stadt Wien fordert die Bundesregierung dazu auf, die Situation, die spezifischen Bedürfnisse von afghanischen Frauen und Mädchen, die sich auf der Flucht befinden, in den Fokus zu nehmen und dabei insbesonders zu berücksichtigen, dass diese Personengruppen einem hohen

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular