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Landtag, 12. Sitzung vom 21.09.2007, Wörtliches Protokoll  -  Seite 20 von 71

 

das können Sie dann weitergeben im Haus. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Die Missachtung des Hauses und seiner Angehörigen zeigt sich auch in den Ausschüssen. Denn wenn es nicht möglich ist, im zuständigen … (Abg Barbara Novak: Haben Sie nichts zum Thema zu sagen?) Warten Sie, jetzt rede ich fertig, dann können Sie ruhig eine Zwischenfrage stellen. (Abg Barbara Novak: Bildung ist das Thema!) Ja, richtig, Bildung. Ist das kein Thema für Sie, ist das kein Thema für die Frau Stadtschulrätin, um da zu sein? Ja, die sollen sich das anhören und nichts anderes. So, jetzt bin ich am Wort und Sie dürfen nachher reden, Frau Kollegin.

 

Das zeigt ganz deutlich, wie sich die SPÖ in dieser Situation zeigt. Und wenn wir so weit sind, dass die Abgeordneten missachtet werden, dann bringe ich das nächste Beispiel: Der Herr Bürgermeister hat ja die Frage von Kollegen Schock dann ohnedies nicht beantwortet, wie er zum Inhalt der Schulbücher steht, und ob dort etwas drinnen steht, was nicht in Ordnung ist, weil er es selber nicht weiß, weil er es auch selber nicht kennt und weil er Angst hat, ja, weil er Angst hat, dass dort wirklich wiederum solche Texte in den Bereichen vorhanden sind, die auch von der SPÖ zu verantworten sind.

 

Wo sind wir denn, bitte, wenn Angehörige eines Ausschusses nicht einmal die Bücher bekommen können für jene Bereiche, wo sie mit Einsicht nehmen sollen, wo sie demokratische Kontrolle ausüben sollen! Mich wundert es ja, dass die GRÜNEN da nicht auch einmal aufspringen, aber vielleicht haben sie ebenfalls Angst, dass da Sachen drinnen stehen könnten, die nicht in Ordnung sind und die sich nicht mit unserer Wertordnung vertragen.

 

Das ist die Realität, das ist einmal die Grundsatzdebatte, die überhaupt geführt werden müsste, bevor wir jetzt über die Inhalte selbst debattieren. Und wenn wir bei denen sind, so hat diese ganze Problematik zwei große Grundzüge. Der eine Grundzug ist, ich kann nur lernen, wenn ich den, der lehrt, verstehe. Ich kann in einem Land nur lernen, wenn ich die Sprache verstehe. Und vorher gibt’s kein Lernen, und deswegen unser Grundsatz: Erst Deutsch und dann Schule, ohne das geht es einmal grundsätzlich nicht.

 

Der zweite Hauptpunkt ist der, das ist die ewige Gleichmacherei. Wir haben alle verschiedene Fähigkeiten und auch verschiedene Schwächen in unterschiedlichen Bereichen und wir sind nicht gleich und wir können auch nicht alle über einen Kamm scheren. Das hat nichts mit dem persönlichen Wert eines Menschen zu tun, aber wir können nicht, wie der Herr Gusenbauer meint, jetzt alle zur Matura bringen, außer wir werten die Matura hinunter auf den Teppich. Dann bringt es aber auch nichts, denn dann werden die Lehrherren und die zukünftigen Firmen, die die Leute anstellen, fragen, wo haben sie die Matura gemacht, im Akademischen Gymnasium oder wo sonst.

 

Diese Situation können wir nicht verhindern, und es ist notwendig und auch ein Ansporn, hier verschiedene Leistungsstufen zu haben, gegen die Sie sich aber mit Gewalt wehren. Ich weiß nicht, warum Sie das tun, Ihre eigenen Kinder schicken Sie dann ins Akademische Gymnasium oder ins Lycée Francaise, aber sonst wird gleich gemacht, weil es vielleicht draußen populär ist. Das ist der falsche Weg.

 

Und der dritte große Punkt, der jetzt zunehmend erkannt wird, ist das völlige Verschwinden der Autorität bei Lehrern. Das hat auch damit zu tun - und jetzt werden sich wahrscheinlich die Grünen am meisten aufregen -, dass die Sanktionen verschwunden sind. Auch Sanktionen sind notwendig. Da herinnen beschließen wir jetzt gerade ihre Müllpolizei und alles Mögliche. Was ist denn das, wenn nicht Sanktionen, weil es anders nicht funktioniert, und bei den Schulen soll es nicht so sein? Es ist aber dort ganz genau so.

 

Ich gebe Frau Kollegin Jerusalem recht, wenn Sie sagt, die Schule soll Spaß machen. Das ist richtig, wenn es gut möglich ist, sollte man das tun, aber in erster Linie soll sie Wissen vermitteln, soll sie Fertigkeiten vermitteln und soll sie Bildung vermitteln. Das ist das Wichtige, und die Kinder müssen lernen, dass man etwas tun muss, auch wenn es nicht Spaß macht. So ist es im Leben. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Präsident Heinz Hufnagl: Zum Wort gemeldet hat sich Frau Mag Vassilakou. Ich erteile es ihr.

 

Abg Mag Maria Vassilakou (Grüner Klub im Rathaus): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus!

 

Ich meine, ich finde es schon spannend an dieser Schuldebatte, dass wir hier im Haus im Großen und Ganzen drei Regierungsfraktionen haben, weil zwei sind aktuell in der Regierung und eine ist schon mehrere Jahre lang in der Regierung gesessen, und sie alle tun allerdings so, wie wenn das Schulsystem, wie wir es haben, einfach vom Himmel gefallen wäre, wie wenn man nicht die Chance gehabt hätte, die Dinge zu verändern, wie wenn man nicht selber schon auch einen Teil der Verantwortung, und zwar einen wesentlichen, dafür zu tragen hat, wie es derzeit aussieht.

 

Und ich finde es auch spannend, wenn Frau Cortolezis-Schlager uns hier ausrichtet, dass das Problem, über das wir diskutieren, in erster Linie ein Wiener Problem ist. Ja, vielen Dank, Frau Stadträtin, genau das haben wir seit Jahren hier gesagt, genau darauf haben wir ständig hingewiesen. Und ich meine, ich finde es auch sehr gut, muss ich sagen, und es freut mich, dass sie das auch endlich verstanden haben, denn es war Ihre Bildungsministerin, Frau Gehrer, die in erster Linie sich stark dafür gemacht hat, dass man ausgerechnet in Wien Lehrerinnen und Lehrer eingespart. Und es war auch ihr Werk, dass mehr als 1 000 Lehrerinnen und Lehrer in Summe seit dem Jahr 2000 allein in Wien eingespart wurden, (StRin Mag Katharina Cortolezis-Schlager: Das war der Landeshauptmann!) dort, wo mehr Personal am allermeisten und am allerdringendsten benötigt würde.

 

Und ja, sie war nicht alleine, nein, ich habe das ja auch nicht behauptet, sie war nicht allein. Ich wollte Ihnen nur zunächst einmal ausrichten, wer im Glashaus sitzt, sollte ein bisschen vorsichtig sein mit den Steinen, die er wirft. (StRin Mag Katharina Cortolezis-Schlager:

 

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