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Gemeinderat, 40. Sitzung vom 25.06.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 63 von 81

 

Wirtschaftsuniversität vorgenommen, und es ist dies vor allem eine quantitative Bewertung.

 

Diese hat vor allem ein Ergebnis gezeitigt, dass nämlich – wie Isabella Leeb bereits erwähnt hat – tatsächlich die kleineren und mittleren Bühnen und die freien Gruppen eine unglaublich tolle und sehr effiziente Arbeit auch im Vergleich zum Mitteleinsatz leisten. Ich meine, dafür muss man sie auch einmal würdigen und loben!

 

Etwas anderes ist auch sehr eindeutig herausgekommen, dass sich nämlich der Bund aus der Wiener Kulturfinanzierung zunehmend zurückzieht, und das ist für uns natürlich ein großes Problem. Es ist ein großes Problem, dass in Wien immer mehr Bereiche bei der Finanzierung allein gelassen werden. Das betrifft natürlich vor allem die ehemals oder auch heute noch kofinanzierten Bühnen. Ein Beispiel, wo sich der Bund völlig zurückgezogen hat, ist die Kammeroper, das gilt aber auch für die größeren Bühnen wie Volkstheater, Josefstadt und so weiter. Es wird immer schwieriger. Wien ist nun einmal die wichtigste Kulturstadt Österreichs, und es wäre sicherlich einzufordern, dass auch der Bund hier wieder mehr in die Verantwortung tritt.

 

Ich bin einer von den wenigen Optimisten, die immer noch sagen, dass nach dem 29. September Rot-Grün auch im Bund möglich ist. Das wäre natürlich, weil Rot-Grün immer bewiesen hat, dass wir eine progressive Kulturpolitik betreiben, sehr gut für die Kultur, und es wäre natürlich auch für die finanzielle Situation der Kommunen besser, weil dann auch zu erwarten ist, dass endlich die Reichen besteuert werden und somit mehr Geld für Kultur und Bildung, für Kinder, für Wissenschaft und so weiter vorhanden ist. Das ist auch ein Grund dafür, dass wir uns Rot-Grün wünschen. Ich weiß, es wird schwierig, aber ich bin einer der Optimisten, die glauben, dass das immer noch möglich ist.

 

Wir haben in diesem Jahr nicht nur gezeigt, dass Rot-Grün es trotz der finanziellen Nöte schafft, dieses Angebot aufrechtzuerhalten, sondern wir haben auch einige neue Akzente gesetzt. Ich möchte mich auf zwei Bereiche konzentrieren, die uns besonders am Herzen liegen. Der eine Bereich ist der gesamte Bereich der Vergangenheitskultur. Wien stellt sich endlich kritisch und auch selbstkritisch der eigenen Vergangenheit, der Vergangenheit Wiens und der Vergangenheit Österreichs. Wir hatten voriges Jahr zum Beispiel bereits eine große Diskussion betreffend den Umgang mit Leuten wie Karl Lueger, was letztlich zur Umbenennung des Karl-Lueger-Rings in Universitätsring führte. Es gibt da auf der symbolischen Ebene viel zu tun. Es gab eine vom Stadtrat beauftragte kritische Untersuchung all dieser personenbezogenen Straßennamen, und diese wird demnächst sicherlich an die Öffentlichkeit gehen.

 

Außerdem haben wir es auf den Weg gebracht, dass auf einem sehr prominenten Platz in Wien, dem Ballhausplatz, endlich einmal der Helden gedacht wird, die sich im nationalsozialistischen Terrorregime dem Wehrdienst entzogen haben. Es wurde ein Deserteurdenkmal errichtet, das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Und ein ganz wesentlicher Punkt ist auch, dass die jüdischen Kultureinrichtungen, das Jüdische Museum ... (GR Mag Dietbert Kowarik: Das ist so wesentlich, dass von Ihrer Fraktion kaum jemand da ist!) Ja, ich weiß, dass es Ihnen nicht taugt, dass die Deserteure geehrt werden!

 

Ein ganz wesentlicher Punkt ist auch die Pflege der jüdischen Kultureinrichtungen, aber auch der jüdischen Friedhöfe, etwa die Sanierung des jüdischen Friedhofes in Währing, in der Seegasse und so weiter.

 

Außerdem freut es uns auch sehr, dass es heuer gelungen ist, endlich einmal am Tag der Befreiung Österreichs, am 8. Mai, der für die Rechten ein Trauertag ist, während dieser Tag für uns immer ein Freudentag war, endlich einmal zu sagen: Wir feiern dieses Fest gemeinsam auf dem Heldenplatz. Das ist vor allem den Wiener Symphonikern zu verdanken, die dafür gesorgt haben, dass das ein wirkliches Fest der Freude ist und dieser Platz nicht jenen überlassen wird, die um das Ende des Dritten Reichs trauern. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Das war ja wirklich in diesem Zusammenhang eine Schande auf diesem Platz, und diese Schande ist nun getilgt, und ich hoffe, dass das auch in den künftigen Jahren so sein wird!

 

Ein zweiter Bereich, der uns besonders am Herzen liegt, ist, dass wir auch wahrnehmen, dass Wien eine diverse Stadt ist. Wien ist eine Zuwanderungsstadt. Laut offizieller Statistik haben 49 Prozent der Wienerinnen und Wiener einen sogenannten Migrationshintergrund, das heißt, dass entweder sie selbst oder ihre Eltern oder ein Elternteil zugewandert sind. Diese Menschen sind in der Vergangenheit angesichts der Bevölkerungsstärke in öffentlichen Einrichtungen und natürlich auch im Kulturleben weniger repräsentiert worden. In dieser Hinsicht konnten wir sehr viele Initiativen gemeinsam setzen. Es hat voriges Jahr ein großes Projekt namens „Pimp My Integration“ gegeben.

 

Eine Folge dieses Projektes war, dass man sich darüber Gedanken gemacht hat, wie es mehr Repräsentanz von Zuwanderern und Zuwanderinnen, von Migranten und Migrantinnen in den Kultureinrichtungen geben kann. Dafür gibt es mehrere Initiativen, eine davon ist, dass ab 2014 eines der erfolgreichsten Theater, nämlich die Garage X, in ein größeres Haus, nämlich ins Kabelwerk übersiedeln wird. Das ist ein Theater, das ein eigenes Diversity Casting, also Schauspieler und Schauspielerinnen hat, die selbst zugewandert sind und sehr viel von den spezifischen Eigenheiten von Menschen mit Migrationserfahrung in Wien verstehen.

 

Asli Kislal, die sich in diesem Bereich sehr verdient gemacht hat, führt jetzt bereits ein sogenanntes „Diversity Labor“ durch, das derzeit im Kabelwerk beheimatet ist. Dieses wird dann wahrscheinlich auf den Petersplatz übersiedeln. Das ist eine Ausbildungsstätte, denn man hat gesehen, dass es vor allem beim Sprechtheater einen sehr großen Nachholbedarf betreffend die Ausbildung von Schauspielern und Schauspielerinnen gibt.

 

Das heißt, es gibt hier wahnsinnig viel. Es gibt selbstverständlich noch andere Initiativen, die niederschwellig mit unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen Theater und soziokulturelle Projekte machen. Manche Initiativen wie zum Beispiel die Brunnenpassage, machen das schon sehr lange, am Hundsturm im 5. Bezirk

 

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