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Die Wiener Ringstraße feiert 2015 ihr 150-jähriges Jubiläum. Der Straßenzug markiert den Beginn des bürgerlichen Zeitalters und gehört heute zum Weltkulturerbe Historisches Stadtzentrum von Wien. Für den Bau brauchte es allerdings viele Arbeitskräfte.

Lilli Bauer,  Waschsalon Karl-Marx-Hof: "Errichtet wurde die Wiener Ringstraße natürlich auch mithilfe der sogenannten Ziegelböhm. Das waren jene Zuwanderer, die Ziegel hergestellt haben, die selbst aber in katastrophalen Bedingungen gehaust haben. 50 Personen, Männer, Frauen, Kinder übereinander, untereinander in Baracken. Insofern hat diese junge, sozialdemokratische Arbeiterpartei gewusst, dass sie genau hier ansetzen muss. Diesen Menschen, den arbeitenden Menschen dieser Stadt leistbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum zu Verfügung zu stellen."

Nachdem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei 1919 die absolute Mehrheit errungen hatte, wurde 1923 ein erstes Wohnbauprogramm beschlossen. Insgesamt wurden bis 1933 rund 65.000 Wohnungen geschaffen. Einer dieser 380 kommunalen Wohnbauten ist der Reumannhof im 5. Bezirk.

Werner Bauer, Waschsalon Karl-Marx-Hof: "Also, benannt wurde der Reumannhof nach Jakob Reumann. Jakob Reumann war ab 1919 bis 1923 der erste sozialdemokratische Bürgermeister einer Millionenstadt weltweit. Und was bemerkenswert ist an diesem Bau ist: Wenn man sich diesen Mitteltrakt ansieht, das sollte ursprünglich ein 40 Meter hohes Hochhaus werden. Das erste Hochhaus Wiens und es gab damals schon erregte Diskussionen um dieses Vorhaben. Und schließlich wurde es aus praktischen Gründen abgeblasen."

Vor allem der Einbau eines Liftes erwies sich als zu kostenaufwendig. An stillvollen Details wurde dennoch nicht gespart.

Werner Bauer, Waschsalon Karl-Marx-Hof: "Also, gemäß dem Motto Otto Wagners, dass Architektur zweckmäßig und schön zu sein habe, hat auch sein Schüler Hubert Gessner, der Architekt dieser Anlage, das Recht der Arbeiter auf Schönheit immer wieder in den Vordergrund gerückt und deswegen nicht nur unter Anführungszeichen diesen Wohnbau geplant, sondern auch alle Details. Das heißt die Gitter, die Lampen, den Bauschmuck und auch diese wundervolle Bautafel hier. Und was hier zu sehen ist, das sind die Symbole der Berufe, die mit der Bautätigkeit zusammenhängen, also angefangen vom Architekten bis zum Maurer und Polier."

Die Wohnungen wurden nach dem Prinzip Luft, Licht und Sonne errichtet. Nur 30 bis maximal 45 Prozent der Grundfläche wurden verbaut und eine Reihe von Infrastrukturmaßnahmen wurde eingeplant.

Lilli Bauer,  Waschsalon Karl-Marx-Hof: "Es gab ja hier alles, was man zu einem besseren Leben braucht. Angefangen bei einem Kinderfreibad über eine Arbeiterbücherei, es gab ein Kino, es gab eine Tuberkulosen-Fürsorgestelle, es gab Kindergärten. Denn damals sollte eben nicht nur an die Sicherung des Obdachs gedacht werden, sondern auch an den kulturellen Aufstieg der Arbeiterschaft."

Dem Margaretengürtel, der "Ringstraße des Proletariats" widmet sich nun eine Ausstellung. Zu sehen von 21. Mai bis Ende Dezember 2015 im Waschsalon Nr. 2 im Karl-Marx-Hof.

Ringstraße des Proletariats

Die Wiener Ringstraße feiert 2015 ihr 150-jähriges Jubiläum. Für die Errichtung der Prachtbauten brauchte es viele Arbeitskräfte. Viele fanden in kommunalen Wohnbauten ihr neues Zuhause. Unterwegs beim Margaretengürtel erfahren wir mehr über den Reumannhof.

Länge: 3 Min. 22 Sek.
Produktionsdatum: 2015
Erstausstrahlung: 04.05.2015
Copyright: Stadt Wien/Bohmann

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