wien.at-TV - Aktuelle Sendung vom 27. April 2012

Produktionsdatum:

2012


Erstausstrahlung:

27.04.2012


Copyright:

Stadt Wien


Folgende Themen erwarten Sie in dieser Sendung: Die Wiener Vorlesungen feiern ihr 25-jähriges Jubiläum. Dem amerikanischen Kulturhistoriker Carl E. Schorske wurde die Ehrenbürgerschaft verliehen und das Sonderpädagogische Zentrum Leopoldsgasse geht neue Wege bei der Integration von SchülerInnen mit Behinderung.

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Mona Müller, wien.at-TV: "Hallo bei einer neuen Ausgabe von wien.at TV - dem Programm direkt aus der Stadt. Ich freue mich, dass Sie zusehen und präsentiere gleich die Themen dieser Woche:"

Wien hat einen neuen Ehrenbürger
Neue Schulen - Integration von Schülern einmal anders
Und gleich jetzt ein kurzer Überblick zu Wiens Baustellen

Baustellen

Wie in jedem Jahr stellen die Baustellen Wiens AutofahrerInnen auch heuer wieder vor neue Situationen. Dieses Jahr stehen 225 Projekte auf dem Programm, die auf den Verkehr Auswirkungen haben. Die Großprojekte im kurzen Überblick betreffen die Ottakringer Straße, die Hanssonkurven-Sanierung sowie die Verlängerung der Straßenbahnlinie 26 in der Donaustadt. Auch verschiedene Gürtelabschnitte sind von Baustellen betroffen.

So etwa der Wiedner Gürten, die Straße zwischen Prinz-Eugen-Straße und Südtiroler Platz wird auf 60 Meter verbreitert. Bis zur Teilinbetriebnahme des Bahnhofs am 9. Dezember sollen die Fahrbahnen fertig sein. Ein Stückchen weiter geht es um die Umgestaltung der Tangentenauffahrt im Bereich des Landstraßer Gürtels. Die Kreuzung dort wird untertunnelt, damit soll der Verkehr in diesem Bereich entlastet werden. Diesen Sommer sind vor allem die Hauptfahrbahnen des Landstraßer Gürtels und der Landstraßer Hauptstraße betroffen. Fertigstellung dieses Großprojektes ist Ende 2013.

Für einen möglichst reibungslosen Ablauf sorgt, wie bereits im Vorjahr, Baustellenkoordinator Peter Lux. Insgesamt 111 Millionen Euro fließen von Seiten der Stadt in die Erneuerungen. Die Asfinag legt noch etwa 96 Millionen drauf.

Areal Semmelweis-Klinik

Babies, die in der Semmelweis-Klinik zur Welt kommen, dürfen sich künftig gleich von klassischer Musik berieseln lassen - sofern die SchülerInnen aus aller Welt auch laut genug musizieren. Wo bis 2016 noch Spitalsbetrieb ist, entsteht auf dem Areal der Semmelweis-Klinik eine internationale Musikschule, die eine Brücke zwischen Asien und Wien schlagen will.

Jürgen Kremb, Amadeus Vienna: "Wir nennen uns 'Amadeus - International School of Music Vienna'. Das 'Vienna' ist uns ganz wichtig, denn dieses Projekt kann nur in Vienna passieren."

Michael Häupl, Bürgermeister: "Wien als Stadt der Kultur ist weltweit eine Trademark, im Besonderen natürlich der Bereich der Musik."

Jürgen Kremb, Amadeus Vienna: "Wir wollen den Kindern ermöglichen, die eine Vorliebe für Musik haben, hier in Wien das Gespür, das Gefühl, das Herz für klassische Musik zu kriegen."

Michael Häupl, Bürgermeister: "Und hier haben wir ein Zusatzprojekt, das diese internationale Vernetzung - gerade in diesem Kernkompetenzbereich der Stadt, der Musik - entsprechend verdeutlicht."

Im September geht es los, zunächst mit 60 Schülern aus Wien und aller Welt. Das Areal der Semmelweis-Klinik bleibt der Öffentlichkeit zugänglich und der Grünraum wird bewahrt. Außerdem:

Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin: "Es ist mir ein besonderes Anliegen: Es sind und werden die AnrainerInnen in die Gestaltung und in die Nutzungsmöglichkeiten der Grünräume eingebunden."

Wiener Vorlesungen

Mona Müller, wien.at-TV: "Seit 25 Jahren gibt es sie, die Wiener Vorlesungen. Sie sind Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit und seit 1987 sind auch Sie eingeladen, Ihren Horizont in den unterschiedlichsten Bereichen zu erweitern."

Seit 25 Jahren werden im Festsaal des Wiener Rathauses brisante Themen der Gesellschaft zur Diskussion gestellt. Nicht zwangsläufig von Politikern - denn bei den Wiener Vorlesungen referieren prominente DenkerInnen aus allen Bereichen des Lebens und stellen sich den Fragen der Zuhörerschaft.

Hubert Christian Ehalt, Wissenschaftsreferent der Stadt Wien: "Sehr, sehr oft waren über 1.000 BesucherInnen da. Und dann vibriert der Saal: also bei Gorbatschow oder bei Pierre Bourdieu oder bei Ernst Gombrich."

Die Wiener Vorlesungen sind öffentlich und frei zugänglich. Die Besucherinnen und Besucher kommen aus allen Segmenten der Bevölkerung.

Hubert Christian Ehalt, Wissenschaftsreferent der Stadt Wien: "Das Schöne ist, dass es immer sehr präzise Fragen von Leuten gibt, die sich sehr gut auskennen, aber die Themen sind so wichtig, dass sich dann auch ganz einfache Menschen, die zum ersten Mal mit dieser Frage konfrontiert sind, trauen sich zu Wort zu melden. Das heißt, das Rathaus präsentiert sich dann auch als ein Haus, wo guter Rat zu Themen gegeben wird."

Hubert Christian Ehalt, Erfinder und Masermind der Wiener Vorlesungen, möchte mit dem Dialogforum zur Aufklärung und Differenzierung beitragen. Auseinandersetzung statt Belehrung, Analyse statt Infotainment gilt für seine Veranstaltungen.

Hubert Christian Ehalt, Wissenschaftsreferent der Stadt Wien: "Mein Programm: die wichtigen Fragen, mit denen die Welt konfrontiert ist. Das sind die aktuellen Finanzkrisen gewesen, die Vereinigung oder der Integrationsprozess in Europa. Auch alle Fragen, die aus der Globalisierung resultieren, alle Fragen, die sich nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums gestellt haben. Also, die wichtigen Zeitfragen werden hier zur Diskussion gestellt. Und zwar nicht in einem elfenbeinernen Turm, sondern immer so, dass den Menschen bewusst wird, es geht auch um ihre Fragen und um ihr Leben."

Die Wiener Vorlesungen feiern den Erfolg der nachhaltigsten offenen Exzellenzuniversität der Welt - bei freiem Eintritt - mit einer Vortragsfolge am 2., 3. und 4. Mai, die sich mit den komplexen Zusammenhängen in Natur und Kultur auseinandersetzt. Unter den prominente Referenten werden der Experimentalphysiker Anton Zeilinger und die Wissenschaftlerin des Jahres 2012 Sabine Ladstätter sein.

Ehrenbürger

Mona Müller, wien.at-TV: "Wir bleiben im Rathaus, hier wurde nämlich vergangene Woche der amerikanische Kulturhistoriker Carl Emil Schorske zum Ehrenbürger dieser Stadt ernannt. Er hat Geist und Gesellschaft Wiens um die Jahrhundertwende durchleuchtet und damit einen entscheidenden Beitrag zum Selbstverständnis dieser Stadt geleistet."

Ehrenbürger von Wien wird man nicht alle Tage - und vor allem: nicht jeder. Ende April ist die Liste der Ehrenbürger dieser Stadt um einen Namen länger geworden: Carl Emil Schorske hat die Ehrennadel überreicht bekommen.

wien.at-TV "Was muss man denn eigentlich sein, um ein Ehrenbürger zu sein?"

Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft: "Man muss Großes und Wichtiges und Nachhaltiges geleistet haben für die Stadt."

Michael Häupl, Bürgermeister: "Erstens berühmt und zweitens: etwas getan haben für Wien, um das sehr salopp so zu sagen. Unser heutiger Ehrenbürger - wie mit Sicherheit auch alle vor ihm - ist eine wirklich glückliche Mischung."

Der 97-jährige Schorske hat mit dem Buch "Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siecle." die Geschichte von Wien völlig neu aufgerollt und damit die Eigenwahrnehmung der Stadt nachhaltig beeinflusst.

Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft: "Er hat eigentlich dieses sehr klischeehafte Wienbild zerstört, das es ja auch in der Nachkriegszeit wieder gegeben hat: von einer guten, alten Zeit, die sozusagen sehr stark höfisch, sehr stark monarchisch, sehr stark katholisch geprägt war. Und hat eigentlich nachgewiesen, dass es in der Zeit des ausgehenden Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts in Wien eine sehr lebendige, eine sehr kritische, sehr aufklärerische, sehr ausdifferenzierte Geistes- und Kulturszene gegeben hat."

Michael Häupl, Bürgermeister: "Damals natürlich allesamt von der Bevölkerung nicht goutiert, eher verfemt - Schiele ist sogar eingesperrt worden. Natürlich gibt es eine andere Seite der Stadt damals auch: die Situation der Ziegelarbeiter in Favoriten, der Gründerzeitviertel außerhalb des Gürtels - es war auch eine Stadt, in der Elend und Not geherrscht haben."

wien.at-TV: "Ist Wien heute immer noch so lebendig wie damals? Was würde Herr Schorske heute schreiben?"

Michael Häupl, Bürgermeister: "Das weiß ich nicht, aber der Aderlass der Nationalsozialisten - gerade bei den Intellektuellen - das war ein Wahnsinn. Die Schoah ist unübertrefflich und soll durch nichts irgendwie relativiert werden. Wir haben sicher viele Jahrzehnte gebraucht um das einigermaßen wieder aufzuholen. Heute ist Wien natürlich eine glänzende Kulturmetropole, eine Musik-Hauptstadt, nicht nur in der klassischen Musik."

Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft: "Beispielsweise die elektronischen Musiker mit Kruder und Dorfmeister haben weltweit Maßstäbe gesetzt. Es gibt wunderbare bildende Künstler von Franz West über Maria Lassnig, um da nur einige zu nennen. Und ich glaube, es ist kein Zufall, dass der Nobelpreis, der in der jüngeren Vergangenheit an jemanden vergeben wurde, der in Wien lebt und eigentlich, wenn man so will, österreichische Literatur auch schreibt, mit Elfriede Jelinek gegeben ist. Also da gibt es schon einige Namen und Persönlichkeiten, die nachhaltig wirksam sein werden."

162 Ehrenbürger hat Wien bereits. Unter ihnen finden sich Namen wie Joseph Haydn, Johann Josef Wenzel Radetzky, Franz Grillparzer, Billy Wilder oder Helmut Zilk. Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung der Stadt Wien

Mona Müller, wien.at-TV: "Noch einmal zum Mitschreiben Das Buch 'Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle' erschienen im Piper Verlag gibt es im Fachhandel zu kaufen."

Sonderpädagogisches Zentrum

Mona Müller, wien.at-TV: "Um Integration und Schule geht es im folgenden Beitrag. Das Sonderpädagogische Zentrum Leopoldsgasse inspiriert die neuen Schulstandorte Wiens mit seinem Angebot. Wie dieses Angebot aussieht, das sehen Sie jetzt."

Schülerin: "Du kennst ihn noch nicht."

wien.at-TV: "Nein, den kenn ich nicht."

Schülerin: "Das ist einer vom Pferd reiten…"

wien.at-TV: "Du gehst auch reiten, oder wie?"

Schülerin: "Ja, ich starte als Turnier."

wien.at-TV: "Super."

Schülerin: "Soll ich das zeigen?"

wien.at-TV: "Ja."

Das Sonderpädagogische Zentrum in der Leopoldsgasse 3 ist derzeit der Pionier, wenn es um schulische Integration geht. Eigene Integrationsklassen laufen hier umgekehrt.

Monika Kink, Sonderpädagogisches Zentrum Leopoldsgasse: "Das heißt, wir haben schwerstbehinderte Kinder in Integrationsklassen mit Volksschulkindern gemeinsam und in Spezialklassen. Wir haben besondere Räume, besondere Therapeuten und das Besondere daran ist, dass alle Kinder das ganze Haus nutzen können - mit den Angeboten, mit den Räumen."

Monika Kink, Sonderpädagogisches Zentrum Leopoldsgasse: "Das ist einer unserer Räume mit musisch-kreativem Schwerpunkt: das Malatelier. Mit dem angeschlossenen Gatschraum, wo die Kinder auf Spiegelflächen mit Fingerfarben, mit Rasierschaum malen können. Dann gibt es noch diese höhenverstellbaren Tische, wo man auch mit dem Rollstuhl drunter fahren kann."

Kreativräume, Gatschräume, Kochräume oder auch Musikräume gehören hier zum Schulalltag der Kinder, der auch Erwachsenen Spaß machen kann.

Christian Oxonitsch, Bildungsstadtrat: "Man spürt die Vibrationen tatsächlich, wenn man drauf sitzt. Und je näher man sich kommt, umso stärker und das ist wahrscheinlich eine nicht uninteressante Erfahrung in dem Bereich, weil auf einer Trommel bin ich noch nie gesessen."

wien.at-TV: "Das heißt - ich hab nämlich nicht mitbekommen, wofür das gut ist?"

Christian Oxonitsch, Bildungsstadtrat: "Wird letztendlich für die Kinder eingesetzt, um eben im Bereich des Musikunterrichts zu merken, dass Schall auch Wellen produziert. Und da spürt man sie auch wirklich."

Monika Kink, Sonderpädagogisches Zentrum Leopoldsgasse: "Hier gehen sie hinein, wenn die Lehrer oder die Hortpädagogen das Gefühl haben: Die brauchen eine Auszeit. Jetzt ist einfach eine Pause angesagt. Und dann gehen sie da für eine halbe Stunde, Stunde hinein mit den Kindern."

Astrid Kaltenböck, Sonderpädagogisches Zentrum Leopoldsgasse: "Also ich denke, dass die Kinder einfach von den 'normalen' Kindern sehr profitieren, weil sie ganz einfach sehen, was die machen, wie sie es machen. Und die anderen Kinder, denk ich mir, also die Volksschulkinder, lernen ganz einfach Rücksicht zu nehmen, sozialer zu sein, sich immer wieder auch als Team zu verstehen."

Erfahrungen aus Schulen wie der Leopoldsgasse prägen auch die Wiener Schule der Zukunft.

Christian Oxonitsch, Bildungsstadtrat: "Wir haben uns ja ein ehrgeiziges Programm für die nächsten zehn Jahre mit der Schaffung von elf Campus-Standorten gesetzt. Und vier Standorte sollen ganz besonders natürlich auch auf Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen adaptiert werden, hier ein wirklich neues Modell erarbeitet werden. Und da sind die Erfahrungen der Leopoldsgasse sicher ganz, ganz wichtig."

Margarete Dietrich, Mutter eines Schülers: "Wir beobachten hier, dass die Kinder auch so liebevoll miteinander umgehen und sie begrüßen sich in der Früh und umarmen sich, kommen gerne und sind fröhlich."

wien.at-TV: "Toll Petra, das ist super."

Mona Müller, wien.at-TV: "Damit haben wir das Ende der Sendung erreicht. Ich bedanke mich fürs Zusehen und freue mich, wenn Sie auch kommenden Freitag wieder einschalten, dann melden wir uns mit neuen Themen aus der Stadt wieder. Bis dahin eine angenehme Woche."