Anpassung an den Klimawandel in Wien

Dachbegrünung bei der MA 22

Der Klimawandel stellt auch die Städte als urbane Lebensräume vor große Herausforderungen. Risiken für die Bewohnerinnen und Bewohner, die kommunale Infrastruktur oder das Stadtgrün werden durch hochsommerliche Extremtemperaturen, starke Niederschläge, Dürreperioden und Stürme weiter steigen. Diese Fakten zeigen, dass Klimaschutz- künftig durch Anpassungsmaßnahmen ergänzt werden müssen.

Das Thema der Anpassung an den Klimawandel wurde in Wien immer als Teil der Klimaschutzpolitik und somit als notwendige und gleichwertige Ergänzung zum Klimaschutzprogramm wahrgenommen. Dies hat den Vorteil, dass Synergien zwischen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel genutzt und eventuelle gegenläufige Überschneidungen, wie zum Beispiel bei der Deckung des zukünftigen Kühlbedarfs, frühzeitig identifiziert werden können.

Folgen des Klimawandels für Wien

Der Klimawandel hat in den letzten Jahrzehnten in Wien zu einer Veränderung der klimatischen Bedingungen geführt. So hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur Wiens in den letzten vier Jahrzehnten bereits um etwa zwei Grad Celsius erhöht. Hitzewellen, Starkregenereignisse und Trockenperioden nahmen zu. Studien prognostizieren eine weitere Erwärmung von bis zu vier Grad Celsius bis zum Jahr 2100 und eine besonders deutliche Erhöhung von Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius.

Klimaszenarien

Der Klimawandel wirkt sich in vielen Bereichen durch veränderte Umweltbedingungen aus. Um Anpassungsmöglichkeiten auf eine zuverlässige Informationsgrundlage zu stellen, haben das Ministerium für ein Lebenswertes Österreich (bmlfuw) und die neun österreichischen Bundesländer gemeinsam das Projekt ÖKS15 beauftragt. Mit Hilfe modernster Klimamodelle und auf Basis neuester Erkenntnisse aus der Klimaforschung wurden Klimaszenarien für Österreich erstellt und ausgewertet.

Klimaszenarien für das Bundesland Wien bis 2100: 5 MB PDF

Studie von 2007

Die MD-Klimaschutzkoordination hat bereits 2007 die Studie "Auswirkungen des Klimawandels auf Wien unter besonderer Berücksichtigung von Klimaszenarien" bei der Universität für Bodenkultur und dem Institut für Meteorologie beauftragt. Die Studie versucht anhand von regionalen Klimamodellen, die mögliche weitere Entwicklung des Klimas in Wien einzuschätzen.

Folgende Kernaussagen sind in der Arbeit getroffen worden:

  • Die Temperatur nimmt voraussichtlich zwischen 1,3 bis 1,8 Grad Celsius im Winter und bis zu 2,5 bis 3 Grad Celsius im Herbst zu. In den 2040er-Jahren wird im Mittel jeder vierte Tag im Sommer ein Hitzetag sein.
  • Es wird zu einer saisonalen Verlagerung der Niederschläge sowie einer Zunahme der Niederschlagsintensität kommen.
  • Die Zunahme der Trockenperioden in Kombination mit dem Anstieg der Verdunstung wird zu einer signifikanten Abnahme des Bodenwassergehaltes führen.
  • Gemäß ersten Grobabschätzungen werden Heizgradtage bis 2050 um rund 20 Prozent abnehmen, Kühlgradtage um rund 117 Prozent zunehmen.
  • Höhere Temperaturen, weniger Niederschlag, geändertes Freizeitverhalten der Stadtbewohnerinnen und -bewohner sowie die zunehmende Zahl der Stadttouristen verstärken den Druck auf die Naherholungsgebiete und Grünflächen innerhalb der Stadt. Durch vermehrtes Auftreten von Extremereignissen wie beispielsweise Hitzewellen kann es zu Komforteinbußen und Betriebsstörungen des öffentlichen und privaten Verkehrs kommen.

Bisherige Projekte und Maßnahmen

Die Stadt Wien ist im Bereich Anpassung an den Klimawandel seit Jahren aktiv. Im Folgenden sind exemplarisch einzelne Beispiele für Projekte und Maßnahmen in einzelnen Sektoren aufgezählt:

  • Das Wiener Klimaschutzprogramm (KliP Wien) setzt bei der Initiative "Anpassung an den Klimawandel" auf Aufklärung und Vermittlung von Klimawissen und schließt damit direkt an die vorhergehende Initiative "Klimaschutz und Bildung" an.
  • Im Bereich Hochwasserschutz sind beispielsweise die Gefahrenzonenplanung Wienerwaldbäche sowie laufende Hochwasserschutzmaßnahmen an Donau, Liesing, Wienfluss et cetera zu nennen.
  • Das Thema Katastrophenschutz ist bei der Stadt Wien durch den Katastrophenschutzplan samt Einsatzplänen für Natur- und Umweltkatastrophen oder Versorgungskrisen gut abgedeckt.
  • Ein wichtiger Schwerpunkt im Bereich Energieversorgung war die Erstellung eines Versorgungssicherheitsplans. Im Rahmen des Plans werden - unter Berücksichtigung der absehbaren Folgen der Klimaänderung - konkrete Maßnahmen erarbeitet und in Folge umgesetzt, mit denen die Energieversorgung in Wien unter Einbeziehung von Umweltaspekten für die Zukunft sichergestellt wird.
  • Durch das für den Bereich Stadtplanung bedeutende Projekt "Urban heat islands" soll die Wirkung von Planungsmaßnahmen (beispielsweise Gründächer, Fassadenbegrünung, Alleebäume, Bebauungsstrukturen oder Materialien) wissenschaftlich nachgewiesen werden, um darauf aufbauend Planungsempfehlungen auszusprechen. Darüber hinaus forciert die Stadt Wien seit Jahren Dach- und Fassadenbegrünungen und fördert die Begrünung von Dächern im verbauten Gebiet.
  • Auch im Handlungsfeld Grün wurden zahlreiche Aktivitäten gesetzt. Beispielhaft zu nennen ist die Klimawandelfolgestudie "Wälder und Landwirtschaft der Stadt Wien im Klimawandel und internationaler Vergleich zur Situation von Stadtwäldern in Zentral-Osteuropa". Die Abteilung Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) bewirtschaftet mit dem Bio-Zentrum Lobau rund 1.000 Hektar Biofläche und ist damit auch einer der größten heimischen Bio-Betriebe.
  • Zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung wurde das Forschungsprogramm KATER in den niederösterreichisch-steirischen Kalkhochalpen durchgeführt. Ziel war, die hohen Standards der Gewinnung des Wiener Wassers zu halten und eine genauere Kenntnis der das Karstgrundwasser beeinflussenden Faktoren zu gewinnen. Zu erwähnen sind auch die insgesamt 15 Trinkwasserkraftwerke, die rund 65 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom aus Wiener Hochquellwasser erzeugen.
  • Im Gesundheitsbereich zu nennen ist der "Wiener Hitzeratgeber", welcher erstmals umfassend über alle Themen rund um "Hitze in der Stadt". Informiert. Der Hitzeratgeber ist auch eine wichtige Maßnahme im Rahmen der "Wiener Gesundheitsziele 2025". Erwähnt sei auch der Wiener Hitzewarndienst. Seit dem Jahr 2010 gibt es einen präventiven Hitze-Warndienst für die Wiener Bevölkerung, der in Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf drohende Hitzebelastungen im Ausmaß von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen hinweisen soll.
Verantwortlich für diese Seite:
Andrea S. Fellner (Magistratsdirektion Klimaschutzkoordination)
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