Maßnahmenkatalog gegen Homophobie an Schulen

Produktionsdatum:

2012


Erstausstrahlung:

25.05.2012


Copyright:

Stadt Wien


Beleidigung, Ausgrenzung und Ablehnung von homosexuellen Menschen kommt oft auch im schulischen Bereich vor. Ein Maßnahmenkatalog soll hier die Aufklärung unterstützen.

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Mona Müller, wien.at-TV: "Beleidigung, Ausgrenzung und Ablehnung von homosexuellen Menschen kommt oft auch im schulischen Bereich vor. Daher nutzt die Stadt Wien den Internationalen Tag gegen Homophobie um gegen homophobes Bullying an Wiens Schulen vorzugehen. Unter dem Motto 'Mach deine Schule sicherer und verbessere das Lernklima für alle' setzt diese Maßnahme bereits bei der jüngeren Generation an. Sehen Sie Außenreporter Georg Widerin im Gespräch mit Angela Schwarz von der Antidiskriminierungsstelle."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Die Stadt Wien setzt nun Maßnahmen gegen homophobes Bullying. Was ist denn Bullying?"

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "Bullying ist ein Oberbegriff für Gewalt in der Schule - für psychische, physische, aber auch verbale Attacken gegen Einzelpersonen, einzelne SchülerInnen oder aber auch Gruppen, wegen eines bestimmten Merkmals, das sie entweder haben oder auch nicht haben. Das ist eine organisierte Ausgrenzung, zum Teil Beschimpfung."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Wie schaut denn dieser Maßnahmenkatalog nun aus?"

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "Da wird Schulen Informationsmaterial und Schulungsmaterial zur Verfügung gestellt, wo Lehrerinnen und Lehrer besser auf Bullying oder homophob motiviertes Bullying reagieren können. Das sind zum Beispiel drei Broschüren, die im Rahmen eines EU-Projekts erstellt wurden. Und Handlungsbedarf besteht insofern, dass die meisten gesagt haben, sie haben nichts getan oder nicht gesehen, dass aktiv eingegriffen worden wäre."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Heißt das, salopp formuliert, es herrscht ein Mangel an Zivilcourage vor, an den Schulen?"

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "Salopp gesagt könnte man sagen: ja. Es ist so, dass Bullying-Attacken oft dort stattfinden… Nicht im Unterricht, sondern im unterrichtsfreien Raum - auf den Gängen, in Pausenhallen, wenn es so etwas gibt. Da ist es manchmal schwierig für Mitschülerinnen und Mitschüler einzugreifen. Lehrerinnen und Lehrer bemerken es vielleicht auch nicht so leicht. Aber es geht darum, Sensibilität zu erzeugen und Maßnahmen zu entwickeln: Wie kann es gar nicht soweit kommen?"

Georg Widerin, wien.at-TV: "Wenn wir jetzt von homophoben Bullying sprechen, welche Altersgruppen betrifft das vor allem?"

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "Wenn man Homophobie, homophobes Bullying hernimmt - das Schimpfwort 'Schwuler', 'Schwuchtel', 'Lesberl' ist eines der beliebtesten in der Schule und realistischer Weise fängt es in der Volksschule an. Das ist jetzt nicht auf eine bestimmte Altersgruppe bezogen. Lehrerinnen und Lehrer können selbstverständlich sexuelle Orientierungen benennen - Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität - also Platz geben, die Dinge besprechbar machen. Das ist so der erste Schritt gegen Diskriminierung und Bullying. Wenn ich mehr Informationen habe, ist es schwieriger die Klischees und Vorurteile aufrecht zu erhalten."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Wir haben jetzt von verbalen Übergriffen gesprochen, aber es gibt ja nicht nur verbale Übergriffe."

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "Die Bullies, das sind die, die diese Gewalt ausüben, gehen davon aus, dass sie im Recht sind. Diese Person benimmt sich so, deswegen darf ich sie ausgrenzen und wenn sie sich weiterhin so benimmt, kann ich sie auch irgendwann schlagen. Das ist Gott sei Dank seltener als verbale Übergriffe, aber 16 Prozent haben körperliche Übergriffe gesehen oder erlebt."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Kommen wir noch einmal zurück zur Zivilcourage. Wie soll oder wie kann sich jeder Einzelne verhalten, wenn er Zeuge einer derartigen Aktion, sei es verbal oder im schlimmsten Fall auch körperlich, eines derartigen Übergriffes wird?"

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "Für Schülerinnen und Schüler würde ich sagen: Lehrpersonal informieren, wenn es in dem Raum passiert, wo kein Lehrpersonal da ist. Versuchen, auf die Aggressorinnen, Aggressoren einzuwirken. Sagen, dass es nicht in Ordnung ist. Sagen, dass das nicht lustig ist, dass Hänseleien - lesbisch, schwule, homophobe, transphobe Witze nicht in Ordnung sind."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Wohin können sich denn die Betroffenen wenden?"

Angela Schwarz, Wiener Antidiskriminierungsstelle: "In der Schule würde ich sagen: VertrauenslehrerInnen, Klassenvorstand. Natürlich auch Beratungsstellen, die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, die Beratungsstelle Courage, die Rosa-Lila-Villa, die Hosi Wien macht auch sehr viel Arbeit in Schulen. All diese Vereine haben auch Kontakt zu Schulen und versuchen Information anzubieten, weil oft ist es Informationsmangel, der diese ganzen Attacken auch bewirkt beziehungsweise fördert."

Georg Widerin, wien.at-TV: "Vielen Dank für das Gespräch."