Naturschutzbericht 2024 Startseite wien.gv.at
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3.3 Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb

3. Biodiversität und Artenschutz

Besucherzählung Lainzer Tiergarten

Um sich einen Überblick über aktuelle Besucherzahlen im Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten machen zu können, findet seit September 2024 im Bereich des Lainzer Tores täglich eine automatisierte Besucherzählung statt. Das verwendete System funktioniert als optisches intelligentes System, das Daten wie die Anzahl an Personen, Fahrzeugklassen und Richtungserkennung verarbeitet. Datenschutzrechtlich stellt das System kein Problem dar, da keine Bilder gespeichert werden. Das System übermittelt lediglich die gewonnen Informationen. Die Besucherzahlen bei den übrigen Eingängen des Lainzer Tiergartens werden anhand früherer Zählungen hochgerechnet

Bewirtschaftungsplan Wiesen und Weiden im Lainzer Tiergarten

Mit Beginn der neuen Förderperiode der Ländlichen Entwicklung wurde ein zukunftsweisendes Projekt zur Erhaltung und Verbesserung der Wiesen im Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten begonnen. Durch Stickstoffeintrag aus der Luft und wärmere Winter hat sich der Aufwuchs der Wiesen im Jahresverlauf deutlich verschoben, nach trockenen Wintern ist oft bis in den Sommer kaum Biomasse vorhanden, während die Gräser im Herbst bis in den Winter hinein stark wachsen. Die traditionellen Mähzeitpunkte aus dem mittlerweile 27 Jahre alten „Wiesenoperat“ sind für die Erhaltung der Biodiversität der Wiesen nur mehr teilweise anwendbar, eine Neukonzipierung der Wiesennutzung und -pflege ist daher dringend notwendig. Im Ländliche Entwicklung (LE)-geförderten Projekt „Bewirtschaftungsplan Wiesen und Weiden im Lainzer Tiergarten“ sollen bis 2027 alle Wiesen und Weiden im Lainzer Tiergarten detailliert kartiert und aus den neuen Daten Empfehlungen erstellt werden. Als neue Managementmaßnahme soll – analog zur Praxis in wintermilden südeuropäischen Ländern – eine Beweidung im Herbst bzw. Winter zur Reduktion des Grasaufwuchses geprüft und logistisch konzipiert werden, um den raschen Temperaturanstieg der letzten Jahre zu berücksichtigen.

Beweidung mit Schafen

Schafe rasten im Schatten eines Baums und im Hintergrund auf einer Wiese unter einer Planenüberdachten Einhegung

Schafbeweidung, © Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) Canninger

Einige Wiesen in Verwaltung der Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) sind entweder steil, sehr nass oder haben keine traktortaugliche Zufahrt, sodass Mahd und Abtransport des Mähgutes nur aufwändig händisch erfolgen können. Extensive Beweidung ist eine biodiversitäts- und klimafreundliche, kostengünstige Alternative zur Mahd dieser Wiesen, da hier keine Maschineneinsatz mit fossilen Treibstoffen erfolgt und kein Mähgut anfällt. In den letzten Jahren konnte in Kooperation mit einer Landwirtin aus dem Wienerwald auf einigen dieser Wiesen eine erfolgreiche Beweidung mit Schafen etabliert werden. Von der Bevölkerung werden die Weidetiere großteils positiv gesehen. Herausforderung sind weniger die beweidungstechnischen Notwendigkeiten als vielmehr Probleme mit freilaufenden Hunden oder die Fütterung der Tiere mit ungeeigneten Lebensmitteln durch einzelne Besucher*innen. Durch intensive Aufklärung vor Ort wird versucht, die Akzeptanz der Beweidung und der notwendigen Regeln zu verbessern.

Biodiversitätsvergleich Mähwiese – extensive Rinderweide

Seit Jahrzehnten werden die meisten Offenlandflächen im Lainzer Tiergarten ein bis zweimal jährlich gemäht und nicht gedüngt, lediglich etwa 45 Hektar werden als extensive Ganzjahresweide mit Rindern beweidet. In einem Vorprojekt wurde die hohe Bedeutung der Ganzjahresweide für eine in Österreich einzigartige Biodiversität (Dungkäfer, Dungpilze) nachgewiesen und empfohlen, extensive Beweidungsflächen im Schutzgebiet zu vergrößern. Um sowohl die Auswirkungen von extensiver Beweidung auf relevante Schutzgüter, insbesondere Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Lebensräume, beurteilen zu können, als auch um festzustellen, ob der positive Effekt der Beweidung auch bei anderen, als Zeigerarten für Offenland relevanten Artengruppen wie Tagfaltern, Zikaden, Schnecken und Heuschrecken sowie der Vegetation zutrifft, wurde das LE-geförderte Projekt „Biodiversitätsvergleich Mähwiese – extensive Rinderweide“ durchgeführt. Das Ergebnis ist, dass die meisten untersuchten Artengruppen auf der extensiven Weide mit höherer Artenvielfalt und Individuenzahl vorhanden sind, was u. a. auf die durch Beweidung strukturreichere Vegetation zurückzuführen ist. Bei den Tagfaltern wurden hingegen großteils unterschiedliche Arten auf Wiese und Weide gefunden.

Park der Artenvielfalt und Wald der Jungen WienerInnen

Der frisch angelegt noch unbewachsene Landschaftspark umgeben von Wald im Vordergrund und Siedlungsgebiet im Hintergrund, ganz im Hintergrund die Hochhäuser der Donauplatte und der Wienerwald

Park der Artenvielfalt, © Christian Fürthner

Auf einer Fläche von elf Hektar entsteht der neue Landschaftspark südlich von Breitenlee. Er wird in etwa so groß wie der Wiener Stadtpark sein. Der neue Park wird damit die drittgrößte Grünfläche der Donaustadt – nach dem Donaupark und dem Hirschstettner Badeteich. Durch die Geländemodellierung und die Aufforstungsaktion „Wald der Jungen Wienerinnen“ im Herbst 2024 wurden die wesentlichen Landschaftselemente in diesem Grünareal bereits gestaltet. DieArtenvielfalt wird als immens wichtiger Teil der Lebensqualität in unserer Stadt hier einen besonderen Platz erhalten. Hier soll sich ein Park für Mensch und Natur entwickeln.

Waldaktiv 2024

Schüler*innengruppe mit einer Frau als Begleitperson tragen belaubte Ästen in einer grauen Folie.

Naturschutz mit Schüler*innen am Bisamberg, © Landschaftspflegeverein Thermenlinie

Schülerinnen und Schüler aus ganz Wien pflanzten im Zuge dieser Aktion gemeinsam mit den Försterinnen und Förstern einen neuen Wald in der Stadt. Die junge Aufforstungsfläche mit 7000 m2 befindet sich im 21. Bezirk, Draugasse/Gerasdorfer Straße und ist ein weiterer Trittstein im geplanten Grünzug Donaufeld, der als Grüne Achse, quer durch den 21. Bezirk, die Alte Donau mit dem Grünraum am Bisamberg verbinden soll.

Ankauf 40 Hektar Quellschutzwald.

Die Sicherung des Einzugsgebietes der Wiener Hochquellwasserleitungen sind ein prioritäres Ziel im Flächenmanagement des Forstbetriebs der Stadt Wien. Gemeinsam mit Stadt Wien – Wiener Wasser (MA 31) konnten 2024 mehr als 40 Hektar Waldflächen im Bereich Rax/Schneeeberg angekauft werden, die durch das schonenden Waldmanagement des Stadtforstbetriebs künftig für noch mehr Sicherheit bei der Trinkwasserqualität sorgen.

Wiener Wäldchen wachsen weiter

Mitarbeiter*innen und Kinder beim Pflanzen der Bäume, im Hintergrund Häuser, kahle Bäume ud Hochhäuser

Wiener Wäldchen, © Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) Anninger

2024 wurden neue Standorte gefunden, mit dabei waren die Bezirke 1, 11, 19, und 21.

Wiener Wäldchen ist ein Gemeinschaftsprojekt der Magistratsdirektion Bauten und Technik - Stadt Wien (MD BD), mehrerer Abteilungen, der Stadt Wien – Umweltschutz (MA 22), Wiener Stadtgärten (MA 42), Straßenverwaltung und Straßenbau (MA 28) und Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49), der Bezirksvorstehungen und der Baudirektion der Stadt Wien. Pflanzenauswahl, die Pflanzung, Organisation Schulklasse gemeinsam mit Bezirk obliegt der MA 49. Förster*innen und Gärtner*innen pflanzen gemeinsam mit den Schulkindern einen Mini-Wald und schaffen mit über 400 jungen Bäumen und Sträuchern Artenvielfalt und neuen Lebensraum für Tiere.

Weitere Infos: https://www.wien.gv.at/umwelt/wald/wiener-waeldchen.html

Nationalparkgebiet Lobau – Miteinanderwochen: neue Maßnahmen zu Besuchermanagement und -Lenkung

Aufgrund der gestiegenen Belastungen der Natur durch Freizeitnutzung wurden in der Lobau Kommunikations-und Lenkungsmaßnahmen gesetzt, mit dem Ziel eine bessere Einhaltung der Nationalpark konformen Verhaltensregeln und damit einen besseren Schutz für dieses Einzigartige Naturjuwel zu erreichen. Um Verständnis für die Verhaltensregeln im Nationalpark zu verbessern hat die Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) die Schwerpunktaktion „Lobau Miteinander“ gestartet. Die Kombination aus hochwertigen, kostenfreien Angeboten der Naturvermittlung, konzentrierter Vor-Ort-Nationalpark-Information und Nationalparkaufsicht führte zu besserem Besucherverhalten in der Lobau. Die Durchführung erfolgte je eine Woche im Frühling und Frühsommer gemeinsam mit zahlreichen freiwilligen Expert*innen, Partnerorganisationen und mit tatkräftiger Unterstützung durch die Polizei. Zur Förderung des Einhaltens der freigegebenen Radwege wurden Adaptierungen zum Radwegenetz umgesetzt. Die Erreichbarkeit der Badepätze mit dem Rad wurde verbessert. Am Eurovelo 6 – Donau-Radweg wurden Radabstellplätze eingerichtet und die Korrektur der Open Street Map Daten durchgeführt. Die digitale Wegekarte wurde erneuert und aktualisierte Übersichtskarten an den Wegkreuzungen montiert. Weitere Maßnahmen, die gestartet wurden, sind die Überarbeitung der Übersichtskarten, neue Wegweiser, Kooperationen mit Outdoorapps und insbesondere ein zielgerichteter regelmäßiger Austausch zum Thema mit relevanten Akteuren der Nationalpark-Donau-Auen Verwaltung, Stadt Wien und z. B. der Radcommunity.

Monitoring und Umsetzung AgriNatur

Habitatwall auf Acker mit zartem Grünbewuchs

Habitatwall strukturiert die Offenlandschaft, © Team NeNa

Die Biofelder in der Lobau eignen sich besonders zur Erforschung von z. B. nachhaltiger Landnutzung und lokaler Artenvielfalt über längere Zeiträume: Sie werden seit 100 Jahren vorwiegend extensiv und biologisch genutzt. Seit Jahrzehnten findet begleitende Forschung statt, aktuell über die Besiedelung der dauerhaften Kleinstrukturen, die seit 2022 in der Oberen Lobau neu angelegt wurden. 2024 wurden 19 dauerhafte Feldstrukturen angelegt, und zwar 17 Streifen mit Wall- und Grabenstrukturen und 2 Wiesenflächen, die gesamt 1 Hektar Fläche auf den Feldern Franzosenfriedhof, Kronwörth, Birkenspitz, Wolfsboden II und Beim Lager einnehmen. Die Anlage 2024 wurde gemeinsam mit dem Wiener Netzwerk Natur (NeNa) umgesetzt. Es sind kleinsträumige Renaturierungen. Für neue Wiesenflächen wurde nationalparkeigenes Saatgut verwendet. Die Strukturstreifen bieten Verstecke, Nistplätze und Futterquellen, sie passen in die Aulandschaft und liegen in der Feldflur wie Inseln, die vielen Arten plötzlich attraktive Habitate in erreichbarer Nähe bieten, wie es auf kleinen Feldern wäre.

Wie die jungen Feldstrukturen mit Insektenwällen, Wildbienenböschungen und Blühstreifen am ehemals mit 28 Hektar größten Feld Wolfsboden wirken und wie sie seit der Anlage 2022 besiedelt werden, wird dokumentiert und ist Beitrag zum für das globale Handlungsfeld Biodiversität und Landwirtschaft

Für Vergleichszwecke findet das Monitoring nach dem Schema BINATS (Erfassung der Biodiversität in den österreichischen Ackerbaugebieten anhand der Indikatoren Landschaftsstruktur, Gefäßpflanzen, Heuschrecken, Tagfalter und Wildbienen nach PASCHER et al. 2009) statt, das auch im laufenden Österreichischen Biodiversitätsmonitoring (vgl. Umweltbundesamt REP-0635, Wien 2017) verwendet wird. 2024 wurde die Besiedelung durch Heuschrecken, Laufkäfer und Pflanzen erhoben. Bereits 34 Laufkäferarten wurden beobachtet. Vier von ihnen gelten als gefährdet (Calosoma auropunctatum, Harpalus albanicus, Harpalus smaragdinus und Parophonus dejeani), und 6 als potenziell gefährdet (Amara eurynota, Harpalus calceatus, Harpalus caspius, Microlestes fissuralis, Notiophilus aestuans und Poecilus punctulatus). An nur zwei Begehungstagen jeweils Ende August wurde eine bemerkenswerte Gesamtliste von 22 Heuschreckenarten erhoben, z. B. Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus fuscus), Kleine Beißschrecke (Tessellana veyeseli), Langfühler-Dornschrecke (Tetrix tenuicornis) und Warzenbeißer (Decticus verrucivorus). Bei der Vegetation wurden 2024 98 Arten erfasst, wobei Wärmekeimer überwiegen. Beispiele für bereits Rote Liste Artenfunde sind Gelber Günsel (Ajuga chamaepitys, VU), Schlangenäuglein (Asperugo procumbens, VU), Acker-Krummhals (Lycopsis arvensis s.str., VU), Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata subsp. ustulata, VU), Frühlings-Nabelnüsschen (Omphalodes verna, VU), Dolden-Milchstern Ornithogalum kochii subagg. (VU), Österreich-Quendel (Thymus glabrescens, VU) und Niederliegender Ehrenpreis, (Veronica prostrata, VU).

Die Ergebnisse der untersuchten Transekte unterstreichen die Bedeutung von unterschiedlichen Habitatstrukturen für die flächenübergreifende Diversität.

Highlights 2024 waren die „Zufallsfunde“ Schlingnatter und Zauneidechse.

Das Nationalparkhaus wien-lobAU wurde im Mai 2007 eröffnet. Seit der Eröffnung konnten 405.140 Personen im Nationalparkhaus begrüßt werden.

Im Jahr 2024 wurden 5.358 Personen von Mitarbeiter*innen des Nationalparkhauses bei unterschiedlichen Exkursion in den Nationalpark geführt. Die Einrichtungen des Gebäudes und des Gartens nutzten weitere 20.249 Gäste für Information, Wissensaustausch und Erholung.

Die Ausstellung „Fliegende Schönheiten – PHOTO:graphics“ wurde mit einer spannenden Podiumsdiskussion eröffnet. Sie zeigte Schmetterlinge in einer Gegenüberstellung der künstlerischen Bildgattungen Fotografie und der zeichnenden Kunst – der Grafik, daher kurz „PHOTO:graphics“. Ein angeschlossener kurzer Steckbrief der Arten informierte über ihren Lebensraum und Schutzstatus.

1.188 Gäste besuchten am 15.06. das Sommerfest. Unter dem Motto „Fliegende Schönheiten des Tierreichs“ standen allen voran die Schmetterlinge im Fokus des bunten Programms. Im weitläufigen Garten wurden viele Mitmachangebote und Infostände aufgebaut, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen spielerisch Wissenswertes über die Tiere und Pflanzen des Nationalparks zu vermitteln.

Der Umbau der Beleuchtungskörper der Wegebeleuchtung am Zugangsweg und Vorplatz des Naitonalparkhauses auf umweltfreundliche LED-Beleuchtung mit intelligenter Steuerung wurde umgesetzt. Das Licht leuchtet nach Bewegungs- oder Zeitmuster, Streulicht in den Wald wurde abgedämmt, so kann ein wertvoller Beitrag gegen Lichtverschmutzung am Rande der Lobau geleistet werden

Donaufeld – Flächenankauf und vertragliche Vereinbarungen zur Neophytenbekämpfung

Grüne Wiese und Grasweg von Büschen und Bäumen umsäumt, ein Gebäude im Bau mit Baukran, im Hintergrund der Donauturm und Hochhäuser der Donauplatte

Ankauf Donaufeldflächen, © Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) Rauch

Im zentralen Donaufeld konnten 2024 weitere 4.000 m2 Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel (SWW) angekauft und zur Ausgestaltung ab Winter 2024/25 vorbereitet werden. Für weitere 13.600 m2 Grünflächen wurden Nutzungsverträge zwischen der Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) und Bauträgern abgeschlossen, um eine rasche Ausgestaltung als Natur- und Erholungsgebiet zu ermöglichen. Auf den Eigentumsflächen wurde als Vorbereitung auf die „Renaturierung“ auf ca. 3.000m2 der dichte Bestand von invasiven Götterbäumen im Frühjahr unter Einsatz des Pilzpräparates Ailantex bekämpft und im Herbst entfernt.

Hohes grünes Gras im Vordergrund, im Hintergund eine große Baustelle mit halbfertigen Gebäuden und Baukränen

Ankauf Donaufeldflächen, © Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) Rauch

Biosphärenpark Tag der Artenvielfalt Maurer Wald

Am 7. Und 8. Juni 2024 fand in Kooperation von Biosphärenpark Wienerwald Management, Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) und Stadt Wien – Umweltschutz (MA 22) der Tag der Artenvielfalt im Maurer Wald statt. Im Vorfeld gab es für 62 Schulklassen aus dem Bezirk Naturführungen im Gebiet. Bei der Nachtführung nützen über 200 Besucher*innen die Gelegenheit, seltene Tiere der Nacht wie Fledermäuse und Nachtfalter zu beobachten, die sonst nicht leicht zu Gesicht zu bekommen sind. Am Samstag konnten Interessierte Expert*innen bei ihrer Arbeit zuschauen und sich Spannendes über gefundene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten erzählen lassen. Dazu gab es Exkursionen für Groß und Klein in die Natur und ein buntes Familienprogramm mit Bastelstation, Rätselrallye und Spielen. Partnerorganisationen gaben praktische Tipps, die Artenvielfalt auf dem eigenen Balkon oder im Garten zu erhalten bzw. zu fördern. Das Mikrotheater des Naturhistorischen Museums Wien machte winzige Tiere groß auf der Leinwand erlebbar. Zur Stärkung gab es nachhaltige, kulinarische Köstlichkeiten von Partnerbetrieben aus dem Biosphärenpark Wienerwald.

Hands on Naturschutz mit Schüler*innen und Pfadfinder*innen

Im Rahmen von zwei geförderten Projekten wurde Kindern und Jugendlichen vermittelt, dass jede und jeder einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten kann und soll. Bei einem Hands-on-Pflegetermin werden Schutzgebiete mit Wiesen und Trockenrasen entbuscht. Im Rahmen der gemeinsamen Landschaftspflegeaktivität lernen sie Teamarbeit und festigen das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das stärkt die Klassengemeinschaft und die einzelnen Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung. Bei der Natur-Exkursion im darauffolgenden Frühjahr entdecken die Schüler*innen unter Anleitung von Naturpädagog*innen die wunderbare und erhaltenswerte Natur vor ihrer Haustür. Sie sehen die Wirkung ihrer Pflegemaßnahmen hautnah und entdecken die spannende Welt der Pflanzen und Tiere. 2024 fanden die Aktionen gemeinsam mit dem Biosphärenpark Wienerwald für 99 Schulklassen im 13., 17. und 23. Bezirk und für 53 Schulklassen und 8 Pfadfinder*innengruppen in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverein (www.landschaftspflegeverein.at) im 21. und 22. Bezirk statt.

Mitarbeiter der Waldschule betreut zwei Kinder an der Holzsägestation, die zu zweit mit eine Handsäge ein rundes Holz sägen.

Waldschule Ottakring, © Stadt Wien – Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) Zollitsch

Die Waldschule Ottakring erfreute sich auch im Jahr 2024 größter Beliebtheit. Im gesamten Jahr wurden rund 140 Waldschultage abgehalten, die von rund 3000 Schüler*innen besucht wurden. Die Schüler*innen werden dabei seit der Eröffnung im Mai 1998 als erste waldpädagogische Einrichtung Österreichs, von Förster*innen des Forst- und Landwirtschaftsbetriebes der Stadt Wien durch den Waldschultag geführt. Dadurch erfahren die Kinder mehr über den Arbeitsalltag der Förster*innen in der Stadt Wien. Alle Förster*innen haben den Zertifikatslehrgang zur geschulten Waldpädagog*in absolviert, wodurch die Qualität der Führungen gewährleistet wird. Die Zielsetzung der Waldschultage besteht darin, die Kinder durch aktives Erfahren, Entdecken und Erleben im Wald eine persönliche Beziehung zu diesem aufzubauen zu lassen. Es findet ein Lernen mit allen Sinnen statt: Riechen, Tasten, Schmecken und Hören. Dadurch gelangen sie über das Beobachten und Erforschen zum Erkennen und Handeln. Die Wissensvermittlung über die Nutzung des natürlichen, nachwachsenden Rohstoffes Holz und die damit einhergehende Notwendigkeit der forstlichen Bewirtschaftung stellt ein wichtiges Lernziel dar. Des Weiteren werden die Kinder für den Lebensraum der Wildtiere sensibilisiert und bekommen aufgezeigt, warum die Jagd eine Notwendigkeit für die Erhaltung des Ökosystems unserer Wälder darstellt.

Indikator Biotopholz

Mit gezielten aktiven Waldbewirtschaftungsmaßnahmen werden die Waldbestände der Stadt Wien in ihrer Stabilität unterstützt und damit kann auch die Biodiversität im Wald gefördert werden. Hier zeigt ein wichtiger Indikator einen positiven Trend – der stehende Totholzvorrat im Verwaltungsbereich des Wienerwaldes steigt weiter an und liegt derzeit bei 16 Vorratsfestmeter je Hektar (Vfm/Hektar) und damit deutlich über den vergleichbaren Daten von 10,5 Vfm/Hektar im österreichischen Wald, laut aktueller österreichischen Waldinventur.