4.1 Endometriose
Projektleitung: Sabine Hofireck und Christina Bässler
Endometriose, das „Chamäleon der Medizin“, zählt aufgrund ihrer unspezifischen, vielfältigen und wechselnden Symptome zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Frauen im reproduktiven Alter. Dennoch besteht sowohl in der medizinischen Fachwelt als auch in der Bevölkerung weiterhin ein erhebliches Wissensdefizit. Dies führt dazu, dass Betroffene die Diagnose – und damit adäquate Behandlungen – im Durchschnitt erst nach sieben Jahren erhalten. Bis dahin führen unbehandelte Beschwerden bei Betroffenen häufig zu Arbeitszeitreduktion, wiederkehrenden kurzfristigen Krankenständen oder dazu, dass Betroffene trotz Beschwerden und mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit arbeiten bzw. ihren Alltag bewältigen.
Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat sich diesem Thema daher bereits 2024 angenommen und im Rahmen einer Enquete mit Expert*innen Handlungsempfehlungen erarbeitet (siehe Jahresbericht 2024). Dabei wurden drei zentrale Handlungsstränge definiert:
„Bewusstseinsbildung“ für Mediziner*innen, Fachpersonal und potenziell Betroffene,
Versorgung – Ausbau von Strukturen – sowie
Forschung zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten.
Das Wiener Programm für Frauengesundheit initiierte im nächsten Schritt 2025 einen Strategieprozess, der vom Innovationsfonds der Stadt Wien unterstützt wurde. Der Prozess folgte einem partizipativen Ansatz, bei dem relevante fachliche Expert*innen unterschiedlicher Disziplinen sowie Organisationen und Institutionen aus dem Gesundheitsbereich einbezogen wurden. Ein Großteil dieser Akteur*innen war bereits im Rahmen der Enquete sowie an der Entwicklung der Handlungsempfehlungen beteiligt.
Ziele:
- Die relevanten Projektpartner*innen von der Zusammenarbeit an diesem Projekt zu überzeugen.
- Eine produktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Projektpartner*innen zu etablieren und im Sinne der Patientinnen tätig zu werden.
- Bei allen Projektpartner*innen das Bewusstsein für Endometriose zu stärken.
- Wissen zu generieren und dieses auch zu kommunizieren.
- Gemeinsam entsprechende medizinische Aus- und Fortbildungen zu konzipieren.
- Gemeinschaftlich eine strategische sowie operative Vorgehensweise zum Thema Endometriose zu erarbeiten, an die sich die Projektpartner*innen auch gebunden fühlen.
Damit wurden übergeordnete Ziele verfolgt:
- Bereitstellung qualitätsgesicherter, niederschwelliger Informationen für Betroffene und Zuweiser*innen
- Verbesserung der Orientierung im Versorgungssystem
- Vermeidung nicht zielführender diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen
- Verkürzung der Diagnosezeit (derzeit 7 bis 9 Jahre) durch rasche Abklärung und reduzierte „Andockzeiten“ im System
- Sicherstellung einer krankheitskonformen, qualitätsgesicherten Versorgung
- Aufbau eines strukturierten Versorgungsnetzwerks unter Einbindung bestehender Expertise und zertifizierter Endometriose-Ambulanzen/ Kliniken
- Qualifizierung von Fachpersonal durch Aus- und Fortbildungsangebote sowie Konzeption einer spezialisierten Ausbildung
- Sichtbarmachung qualifizierter Anlaufstellen (z. B. über eine elektronische Plattform)
- Stärkung und Vernetzung der Projektpartner*innen
Das Projektteam des Wiener Programms für Frauengesundheit übernahm die operative Projektsteuerung und erstellte gemeinsam mit den Teilnehmer*innen Arbeitspakete für jeweils ein Jahr. Die Strategieberaterin Ingrid Preissegger von Trigon Entwicklungsberatung begleitete und moderierte den Prozess bzw. die Workshops mit den Projektbeteiligten.
Im Fokus des 1. Workshops im September 2025 standen die Einführung in den Strategieprozess und dessen Ablauf, das Erarbeiten von Zielen, die Vorstellung und Kurzpräsentation der teilnehmenden Organisationen sowie der Austausch in Arbeitsgruppen zu konkreten Fragestellungen im World Café Format. Der Workshop fand in der Planungswerkstatt Wien statt, alle relevanten Organisationen/Expert*innen wirkten mit.
Die Ergebnisse des Workshops wurden an die Teilnehmer*innen übermittelt sowie für die Vorbereitung des 2. Workshops verdichtet und zu Handlungsfeldern geclustert. Auf dieser Grundlage wurde im zweiten Workshop im November 2025 weitergearbeitet. Dabei wurden die Handlungsfelder konkretisiert sowie zu jedem Handlungsfeld 2 bis 3 Ziele und dazu jeweils konkrete Meilensteine für 2026 erarbeitet. Zudem wurden die nächsten Schritte für den 3. Workshop im Jänner 2026 vereinbart.

Informationsmaterial
Aufgrund der unspezifischen Symptome wird Endometriose oft spät erkannt und diagnostiziert. Das Wissen dazu ist in der Bevölkerung, aber auch bei Ärzt*innen gering. Es gibt im niedergelassenen Bereich, insbesondere im Rahmen der Krankenversicherung, kaum Beratungs- und Abklärungsangebote.
Um die Situation in Wien zu verbessern, hat das Wiener Programm für Frauengesundheit niederschwelliges Informationsmaterial zur Awareness-Schaffung erstellt. Mit zwei Produkten sollen sowohl betroffene Frauen als auch die Allgemeinbevölkerung auf das Thema Endometriose aufmerksam gemacht werden.
So wurde einerseits ein kurzer Informationsfolder (Leaflet) mit den wesentlichen Informationen zu Endometriose erstellt. Andererseits wurden zwei Postkarten-Sujets – zur Auflage in diversen Lokalen und Einrichtungen – entworfen, um niederschwellig auf das Thema aufmerksam machen zu können und auf die weiterführende Website wien.gv.at/endometriose zu leiten.
