Das Wiener Programm für Frauengesundheit
Das 1998 beschlossene Wiener Programm für Frauengesundheit ist inhaltlich mit der sozialwissenschaftlichen Frauenforschung und mit der Frauengesundheitsbewegung der 70er Jahre eng verbunden. Die Bewegung setzte sich u.a. für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ein, hinterfragte den männlichen Körper als medizinische Norm und thematisierte die Medikalisierung des Frauenkörpers.
Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat seither ein sehr breites Netzwerk mit Multiplikator*innen und Institutionen aufgebaut, ist gut im Wiener Gesundheitssystem etabliert und wird als Kooperationspartnerin geschätzt. Die Inhalte und Maßnahmen unserer Arbeit finden sowohl national als auch international großen Anklang und wirken nachhaltig. Wir leisten in vielen Bereichen Pionierarbeit und zahlreiche Maßnahmen oder Modellprojekte wurden bereits von anderen Ländern bzw. Bundesländern übernommen. Wir setzen uns mit frauenspezifischen Tabuthemen auseinander, greifen aktuelle gesellschaftsrelevante Entwicklungen auf oder setzen uns unermüdlich für Anliegen ein, die bereits damals von der Frauengesundheitsbewegung gefordert wurden.
Frauengesundheit steht immer im Zusammenhang mit verschiedenen sozioökonomischen Faktoren wie Einkommen, Beschäftigungsstatus, unbezahlte Care-Arbeit, kultureller Hintergrund etc. Die Gesundheit von sozioökonomisch benachteiligten Frauen ist besonders stark mit diesen Faktoren verknüpft. Bestimmte Rollenbilder von Frauen können ernstzunehmende Gesundheitsrisiken produzieren. Dauerbelastung und Stress, beispielsweise durch unbezahlte Care-Arbeit in der Familie und dem damit einhergehenden Mental Load, können sowohl psychische als auch physische Gesundheitsprobleme zur Folge haben.
Unsere strategische Arbeit zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass wir all diese Faktoren, aber auch Diversität, Barrierefreiheit, Niederschwelligkeit und Zugänglichkeit, Partizipation, Nachhaltigkeit oder auch Kultursensibilität immer mitdenken. Fortbildungen für Gesundheitspersonal, Leitlinien und mehrsprachige Informationsmaterialien, Vernetzungsplattformen, Konferenzen und Awareness-Kampagnen, Publikationen und wissenschaftliche Studien – das Wiener Programm für Frauengesundheit setzt auf unterschiedliche Methoden. Immer mit dem Ziel, die Gender- und Gesundheitskompetenz in den Organisationen und in der Bevölkerung zu stärken.