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4.3 Demografischer Kontext

4. Chronische Wunden international und in Wien

Grafik mit Text: Bedingt durch den demografischen Wandel muss zukünftig mit einer Zunahme chronischer Wunden gerechnet werden.

Die steigende Bedeutung chronischer Wunden und ihrer Versorgung ist eine Folge vielfältiger gesellschaftlicher Entwicklungen, die natürlich auch Wien betreffen. Neben Änderungen im Lebensstil, z. B. hinsichtlich der Formen des Zusammenlebens (vgl. Kapitel 5.1), betrifft dies insbesondere den sich vollziehenden und noch zu erwartenden demografischen Wandel.

Wie z. B. im letzten Allgemeinen Gesundheitsbericht (2024) dargelegt, ist Wien mittlerweile auf über zwei Millionen Einwohner*innen angewachsen. Somit ist die Bevölkerungszahl in den vergangenen zwanzig Jahren um circa ein Drittel angestiegen. Bei gleichzeitig relativer Stabilität der Prävalenz von Krankheiten, die mit chronischen Wunden assoziiert sind, wie Diabetes mellitus, ist davon auszugehen, dass es seither allein wegen des Bevölkerungswachstums zu einem Anstieg der absoluten Zahl der Betroffenen gekommen ist.

Einen anderen demografischen Risikofaktor stellt die Altersstruktur der Bevölkerung dar. Diese blieb im vergangenen Jahrzehnt in Wien jedoch sehr stabil: Personen ab 60 Jahren machten knapp über ein Fünftel der Wiener*innen aus, das Verhältnis Älterer zu Personen im erwerbsfähigen Alter blieb dabei gleich. Der Grund dafür besteht darin, dass die Zuwanderung vorwiegend durch Personen jüngeren und mittleren Alters erfolgte. Die Alterung der Bestandsbevölkerung wurde dadurch ausgeglichen. Sie wird nun aber spürbar voranschreiten: Laut Hauptvariante der Bevölkerungsprognose der Statistik Austria wird im Jahr 2050 der Anteil von Personen ab 60 Jahren 28 Prozent betragen – dieser Wert könnte durch stärkere Zuwanderung noch etwas gedämpft werden. In jedem Fall ist bis dahin mit über 600.000 Personen ab 60 Jahren in Wien zu rechnen – um mindestens 50 Prozent mehr als derzeit. Zum bereits realisierten Altersstruktur-Wandel (2010 bis 2025) und dem prognostizierten (2025 bis 2040) siehe Abbildung 5 und Abbildung 6.

Ein Vergleich der beiden Bevölkerungspyramiden verdeutlicht, dass sich die Altersstruktur Wiens in den kommenden 15 Jahren (rechts) anders wandeln wird als in den vergangenen 15 Jahren (links). Die dunklen Teile der Balken zeigen jeweils Zuwächse an Personen in verschiedenen Altersgruppen von Beginn bis zum Ende der dargestellten Periode an (Rückgänge sind dabei nicht erkennbar). Abbildung 5 zeigt die tatsächlich erfolgten Zuwächse seit dem Jahr 2010, Abbildung 6 jene, die bis 2040 prognostiziert werden.

Abbildung 5: Bevölkerungspyramide für Wien, Alters- und Geschlechterstruktur 2010 und Veränderung bis 2025, absolut
Abbildung 6: Bevölkerungspyramide für Wien, Alters- und Geschlechterstruktur 2025 und Veränderung bis 2040 (prognostiziert), absolut

Während in Abbildung 5 in fast allen Altersgruppen – auch in der unteren Pyramiden-Hälfte bis zu den Altersgruppen über 40 – Zuwächse ersichtlich sind, ist dies in Abbildung 6 anders: Hier beschränken sich die Zuwächse weitestgehend auf die obere Hälfte der Pyramide. Ein altersmäßig relativ gleichmäßiger bzw. differenzierter Wandel wird also abgelöst durch eine Verschiebung in der Altersstruktur hinauf zu den oberen Altersgruppen. Laut Prognose wird die Bevölkerung Wiens also insgesamt älter.

Dies gilt gleichermaßen für den weiblichen und den männlichen Teil der Bevölkerung. Ein Unterschied besteht aber darin, dass die Balkenlängen auf der „weiblichen“ Seite der Pyramide jene auf der „männlichen“ Seite etwas übertreffen: In den Altersgruppen ab 50 und mehr Jahren gibt es also in absoluten Zahlen jeweils mehr Frauen als Männer. Die Population, die sich im Risikoalter für chronische Wunden befindet, ist also bei den Frauen etwas größer.

Krankheiten, die auch zu chronischen Wunden führen können, sind in den oberen Altersgruppen eindeutig am weitesten verbreitet: So ist jeweils circa ein Sechstel davon von Diabetes mellitus oder ischämischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Gehen die Prävalenzen in Zukunft nicht zurück, wird auch die Zahl dieser Erkrankten absolut steigen und damit die Zahl jener, die irgendwann von chronischen Wunden betroffen sein könnten.