Angesichts der Größe der Wiener Stadtverwaltung und ihrer Unternehmen ist die präzise und innovationsorientierte Betrachtung von Prozessen notwendig, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung haben. Da Stadtentwicklung eine Querschnittsmaterie ist, die in viele Aufgabenbereiche hineinwirkt, sind für die effiziente und korrekte Durchführung komplexer Aufgaben der Stadtentwicklung neue bzw. adaptierte Vorgehensweisen innerhalb der Stadtverwaltung nötig, die in diesem Abschnitt verankert werden.
Mit den neuen Anforderungen an den öffentlichen Raum umgehen
- Weiterentwicklung des Infrastrukturmanagements für die Klimaanpassung und die Energiewende im öffentlichen Raum: Mit der Weiterentwicklung des übergeordneten Infrastrukturmanagements werden räumliche und zeitliche Synergien zwischen dem Ausbau technischer Infrastruktur (z. B. Fernwärme, ÖV-Ausbau) und der grünen und blauen Infrastruktur zur Aufwertung des öffentlichen Raums standardmäßig sichergestellt. Dafür werden in stadtinterner, interdisziplinärer Zusammenarbeit Maßnahmen zur Umgestaltung des öffentlichen Raums systematisch erfasst, verbunden und weiterentwickelt.
- Weiterentwicklung der Vorgehensweisen für die Transformation des öffentlichen Raums: Die große Herausforderung, den öffentlichen Raum in den nächsten Jahren klimafit zu gestalten, und die umfangreichen Anforderungen aufgrund der erforderlichen Mobilitäts- und Energiewende machen eine Weiterentwicklung der bestehenden Planungsinstrumente für den öffentlichen Raum erforderlich.
Die Weiterentwicklung urbaner Zentren Wiens aktiv unterstützen
- Frühzeitige Identifikation von Leerstandstendenzen in Zentren: Um Leerstandstendenzen in den Erdgeschoßzonen von Zentren frühzeitig zu identifizieren, wird der regelmäßige Wissensaustausch zwischen Wirtschaftsagentur Wien, Wirtschaftskammer Wien, lokalen Akteur*innen und der Stadtplanung weiter intensiviert. Wird in einem Zentrum eine starke Dynamik im Bereich des Leerstands bzw. des Betreiber*innenwechsels beobachtet und ein akuter Handlungsbedarf identifiziert, sollen in Folge geeignete finanzielle, organisatorische oder strukturelle Unterstützungsmaßnahmen erarbeitet werden.
- Lokale Koordinationsstrukturen für Zentren mit Erneuerungsbedarf: Zur Unterstützung der Aufwertung bestehender Zentren sind lokale Koordinationsstrukturen erforderlich. Diese übernehmen Aufgaben wie Mobilisierung lokaler Stakeholder*innen in enger Partnerschaft mit den Bezirken und der Stadt, Erarbeitung eines Zentrenentwicklungsleitbilds, Umsetzung von Aufwertungsmaßnahmen, Beteiligungsprozesse, Öffentlichkeitsarbeit, Initiierung von Umsetzungspartnerschaften, Unterstützung von innovativen Immobilienprojekten und Entwicklung von Anreiz- und Förderinstrumenten für die Aktivierung und gemeinsame Verwaltung zusammenhängender Sockelzonenbereiche etc. In sechs Haupt- und Quartierszentren mit Erneuerungsbedarf wurden dafür bereits sogenannte „Geschäftsquartiere“ (im Rahmen eines Projekts der Wirtschaftsagentur Wien mit einer Laufzeit von drei Jahren) etabliert. Nach der Evaluierung dieser ersten Phase soll das Modell ggf. adaptiert und weitergeführt werden. Mittelfristig sollen derartige Koordinationsstrukturen in weiteren bestehenden Zentren mit Erneuerungsbedarf (aktuell 10 Hauptzentren und 8 Quartierszentren) etabliert werden. Auch für neue Zentren werden solche Modelle angestrebt.
- Synergien zur Stärkung der Wiener Zentren sicherstellen: Die Aktivitäten von Magistratsdienststellen und weiteren Institutionen der Stadt Wien werden noch stärker auf die Unterstützung der Entwicklung bestehender und neuer Zentren ausgerichtet. Im Fokus stehen die Koordination von Infrastruktur- und Gestaltungsmaßnahmen zur Nutzung von Synergien, die Begleitung der Planungs- und Umsetzungsphase sowie eine enge Abstimmung zwischen Stadtplanungsprozessen und der Förderpolitik der Stadt Wien. Ziel ist auch die Begleitung der Einhaltung von vereinbarten Qualitäten, insbesondere an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Planungs- bzw. Entwicklungsphasen (z. B. Qualitätenkatalog, städtebaulicher Wettbewerb, Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, städtebauliche Verträge, Bauträger*innenwettbewerb etc.).
Die Nutzung von Flächen und Gebäuden optimieren
- Weiterentwicklung des Aufgabenbereichs Mehrfachnutzung: Die Mehrfachnutzung u. a. von öffentlichen Bildungs- und Freizeitinfrastrukturen soll weiter ausgeweitet und so das (Frei-)Raumangebot bei vergleichsweise geringem Ressourcenaufwand erhöht werden. Potenziale für Mehrfachnutzung werden bereits in städtebaulichen Planungsprozessen berücksichtigt. Insbesondere für Einrichtungen der sozialen und kulturellen Infrastruktur ist die weitere Verbesserung der organisatorischen und räumlichen Rahmenbedingungen durch die zuständigen Dienststellen entscheidend. Auch in anderen Bereichen, wie etwa der Logistik, könnten durch die Mehrfachnutzung von Flächen (etwa Parkplätzen) wertvolle Synergien gehoben werden.
- Weiterentwicklung von Vor-, Zwischen- und Nachnutzungsmodellen: Die Kreative Räume Wien GmbH unterstützt im Auftrag der Stadt Wien die Kreativwirtschaft, Kunst- und Kulturinitiativen sowie gemeinnützige Initiativen bei der temporären Vor-, Zwischen- und Nachnutzung von Räumen. Dabei übernimmt sie die Vermittlungs-, Beratungs- und Vernetzungsrolle. Die Aktivitäten der Kreativen Räume Wien sollen weitergeführt und weiterentwickelt werden. Ein Maßnahmenpaket, um die rasche Aktivierung von Leerstand zu unterstützen, soll umgesetzt werden.
- Verfügbarkeit von Räumen für soziale und kulturelle Initiativen verbessern: Die Möglichkeit, verstärkt Räume im Eigentum der Stadt Wien für kulturelle und gemeinnützige Initiativen (z. B. Aufführungsstätten, Ateliers, Proberäume) zur Verfügung zu stellen, wird geprüft. Die Stadt Wien wird des Weiteren bestehende Hürden (z. B. Haftung, Versicherungsfragen, steuerliche Aspekte) für die Aktivierung von Leerständen für die soziale Infrastruktur, gemeinwohlorientierte Initiativen und kulturelle Einrichtungen identifizieren, geeignete Instrumente bzw. Maßnahmen prüfen und insbesondere im eigenen Wirkungsbereich umsetzen. Damit diese Maßnahmen bedarfsorientiert entwickelt und umgesetzt werden, erfolgt ein systematischer Aufbau von Know-how über qualitative und quantitative Raumbedarfe von gemeinwohlorientierten, nicht-kommerziellen Initiativen („Gemeinwohlwirtschaft“).
Auf die Kooperation in der Stadtregion fokussieren
- Zusammenarbeit in der Metropolregion für ressourcenschonende Siedlungsentwicklung und Mobilität: Zahlreiche Herausforderungen sind auf regionaler Ebene zu lösen, insbesondere in den Themenbereichen Bodenverbrauch, Mobilität, erneuerbare Energien, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Wien strebt daher die verstärkte Orientierung von Planungen an einem gemeinsamen Verständnis der regionalen Siedlungsentwicklung und Aufgabenteilung an. Dafür sollen der fachliche Austausch und die Zusammenarbeit der Landesverwaltungen verstärkt werden. Wien wird dafür neue Formate und Arbeitsweisen auf Verwaltungsebene entwickeln und die Partner*innen im Metropolraum zur Mitwirkung einladen. Im Bereich Mobilität werden sektorale Zielvorgaben, Maßnahmen zur Reduktion der Verkehrsstärke an der Stadtgrenze sowie Pilot- und Leitprojekte mit Partner*innen in der Metropolregion entwickelt und umgesetzt. Regionale Handlungsfelder sind der Personenverkehr (Pendel- und Freizeitverkehr, Durchzugsverkehr), das betriebliche Mobilitätsmanagement sowie Wirtschaftsverkehr und Logistik, etwa nach dem Vorbild des Kooperationsprojekts „Logistik 2030+“. Stadtgrenzenüberschreitende Umsetzungsprojekte wie Stadtregionalbahnen und Radlangstrecken sollen durch die gemeinsame Erarbeitung zwischen Wien, Niederösterreich und den Nachbargemeinden Bedienungsstandards, Planung und Durchführung sicherstellen. Es sollen weiterhin grenzüberschreitende Mobilitätskonzepte entwickelt werden, z. B. im Einzugsbereich neuer und bestehender U-Bahn-Endstationen.
- Erarbeitung der strategischen Leitlinie für die Wirtschaftskooperation in der Metropolregion: Die Stadtplanung und das Wirtschaftsressort der Stadt Wien erarbeiten eine strategische Leitlinie für die Wirtschaftskooperation in der Metropolregion. Sie soll aufzeigen, wie Synergiepotenziale für den Wirtschaftsstandort gehoben werden können und welche Schritte die Stadt Wien diesbezüglich plant bzw. vorschlägt. Dabei können u. a. folgende Themen und Fragestellungen adressiert werden: gemeinsame Absicherung der Logistikfunktionen für die Region, bundesländerübergreifende Entwicklung von Betriebsgebieten, Infrastrukturen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft etc.