Leitfaden Fassadenbegrünung Startseite wien.gv.at
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2.6 Schutz der Bausubstanz

2. Einleitung

Grün an Gebäuden hat gleich zwei große Vorteile: Es verlängert die Lebensdauer von Baumaterialien und spart Ressourcen – etwa durch geringeren Energieverbrauch. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern reduziert auch langfristig die Kosten für Instandhaltung und Betrieb. Je nach Art und Ausführung schützen Begrünungssysteme Bauwerke vor verschiedenen Umwelteinflüssen. Die Pflanzen selbst bilden dabei eine schützende Hülle. Bei Fassadengebundenen Begrünungen kommt noch der Schutz durch das Pflanzsubstrat und die Unterkonstruktion hinzu.

begrünte Fassade zum Schutz vor mechanischen Umwelteinflüssen
© VfB

Schutz vor mechanischen Umwelteinflüssen | fassadengebundenes System | LGS Tulln © VfB

Schutz vor mechanischen Umwelteinflüssen

Ein dichter Blättervorhang schützt vor mechanischen Schäden (Hagel), solarer Strahlung sowie Wind. Die Abbildung unten zeigt, dass die Luftfeuchte hinter einer fassadengebundenen Begrünung (grüne Punktwolke) geringer ist als an Fassaden ohne Begrünung. Hingegen wurde aufgezeigt, dass Schlagregen bei unbegrünten Fassaden zu Schäden führt (KIESSL & RATH, 1989).

Feuchtigkeitsmessung im Hinterlüftungsspalt bei fassadengebundenen Systemen der Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark 
(c) MA 48

Feuchtigkeitsmessung im Hinterlüftungsspalt bei fassadengebundenen Systemen der Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark Begrünungen führen bei technisch hochwertiger Planung somit zu einem Schutz der Bausubstanz und einer Verlängerung des Lebenszyklus der Außenhaut von Gebäuden.

Vandalismus und Graffitis

Ein weiterer Effekt ist, dass Begrünungen und Graffitis nicht gleichzeitig auf Fassaden bestehen können. Kletterpflanzen können somit als wirksamer, preisgünstiger und wartungsarmer Schutz der Fassade vor ungewollten Kunstwerken eingesetzt werden. Die Verwendung von Schutzanstrichen, die die Wasserdampf-Durchlässigkeit einer Wand behindern könnten, wird ebenfalls hinfällig.

Specht und Spechtlöcher

Spechte weichen aufgrund des Mangels an toten Bäumen im städtischen Bereich gerne auf Fassaden aus und können dort Schäden verursachen. Die Spechte suchen an den Fassaden nach Insekten, neuen Revieren und Brutstätten. Mit ihren Schnäbeln hämmern sie Löcher in die Fassade und entfernen unter Umständen sogar die Wärmedämmung. Auch hier schaffen Fassadenbegrünungen, sogar bereits unbegrünte, engmaschige Ranksysteme, Abhilfe (WEBER, 2010).

Fassade mit deutlich sichtbaren Löchern, die von Spechten stammen
© VLASCHITS

Buntspechtlöcher an Fassade © VLASCHITS

Dämmfunktion

Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass vor allem fassadengebundene Systeme aufgrund des Schichtaufbaus als zusätzliche Wärmedämmung wirken und somit Begrünungen Dämmmaterial ersetzen können.

Reduktion von Wärmeverlust

Begrünte Fassaden bewirken eine Reduktion des Wärmedurchflusses bzw. eine Senkung des U-Wertes. Die Wirksamkeit der Wärmedämmung ist vom Begrünungssystem, der verwendeten Pflanzenart sowie den Eigenschaften der Fassade abhängig. Wie die Abbildung unten zeigt, kann durch den Einsatz von fassadengebundenen Systemen mit vollflächigen Vegetationsträgern der U-Wert am stärksten verbessert werden (KORJENIC et al., im Auftrag der Stadt Wien – Umweltschutz, 2021).

Diagramm zur Entwicklung des U-Wertes bei begrünten und unbegrünten Fassaden
© Stadt Wien – Umweltschutz

Begrünt dämmt besser: ein Vergleich des U-Werts bei unterschiedlichen Typen von Fassadenbegrünung lt. KORJENIC et al., 2021 © Stadt Wien – Umweltschutz

Wie die Abbildung oben zeigt, ist der Wärmedurchgang bei begrünten Oberflächen im Sommer im Vergleich zu konventionellen Putzfassaden geringer. Auch in der kalten Jahreszeit reduziert Begrünung den Wärmeverlust über die Gebäudehülle (SCHARF et al., 2012). Dieser Effekt spart nicht nur Heizkosten, sondern senkt auch die Kühlkosten im Sommer. Die Pflanzen schützen vor Sonneneinstrahlung und halten so die Innenräume kühler (PFOSER, 2015). Wer mit Fassadenbegrünung vorrangig den U-Wert verbessern möchte, sollte auf zwei Dinge achten:

  • vollflächige Vegetationsträger verwenden
  • immergrüne Pflanzenarten einsetzen

Im Winter bilden der mehrschichtige Aufbau und die dichte Blattmasse so gemeinsam eine wirksame Isolationsschicht. Die nachstehende Abbildung zeigt die Veränderung des Wärmedurchflusses W/m2 bei der begrünten Fassade (grüne Linie) und unbegrünten Fassade (rote Linie) der Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark, im Vergleich zur Lufttemperatur (blaue Linie).

Diagramm das über einen Zeitraum einer Woche demonstriert, dass der Wärmedurchfluss bei einer begrünten Fassade gleichmäßiger erfolgt als bei einer unbegrünten.
© SCHARF et al., 2012

Vergleich: Die Grafik zeigt den Wärmedurchfluss (W/m²) einer begrünten und einer unbegrünten Außenfassade der Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48-Fassade) außen in einer Sommerwoche 22.–28.8.2011 | © SCHARF et al., 2012 Volkswirtschaftliche Vorteile

Geldscheine vor einer begrünten Fassade sollen die volkswirtschaftlichen Vorteile verdeutlichen.
© GREEN4CITIES

Fassadenbegrünungen bringen volkswirtschaftliche Vorteile © GREEN4CITIES

Neben den Faktoren, die die Kosten bestimmen, lohnt es sich, auch jene Aspekte zu berücksichtigen, die kurzfristig oder laufend zu Einsparungen führen können.

Volkswirtschaftliche Vorteile von Fassadenbegrünungen:

  • Substitution von Sonnenschutzfolien/Verschattungssystemen
  • Substitution von Dämmmaterial
  • Reduktion des Heiz-/Kühlenergiebedarfs
  • Substitution von Sichtfassaden (ästhetischer Außenhaut)
  • Kühlung der Umgebung (Mikroklima)
  • geringere Fluktuationsraten, höhere Wohnzufriedenheit
  • bessere Veräußerbarkeit, Steigerung des Immobilienwertes
  • Verlängerung der Lebensdauer von Gebäude/Fassade
  • geringere Instandhaltungskosten für die Fassade
  • Kompensation von Leistungen städtischer Grünstrukturen

Investitionskosten

Die Investitionskosten für Fassadenbegrünungen sind von der gewählten Begrünungsart abhängig. Die nachstehende Abbildung zeigt, dass die Kosten je nach Größe der Begrünungsfläche, Zugänglichkeit der Flächen, Art der Bewässerung aber auch systemabhängig weit auseinanderliegen können (PFOSER, 2015). Ein Teil der Errichtungskosten sowie der Kosten für Wartung und Pflege kann eingespart werden – etwa durch den Verzicht auf Sonnenschutzfolien, Beschattungsvorrichtungen oder teure Sichtfassaden. Ein reduzierter Wartungsaufwand technischer Verschattungssysteme sowie reduzierte Reinigungsarbeiten an Glasfassaden wirken kostensenkend. Zusätzlich können Einsparungen beim Heiz- und Kühlenergiebedarf erzielt werden.

Komplexe Grafik zur Illustration von Kosten auch hinsichtlich Lebenszykluskosten von Begrünungen.
© PFOSER, 2015

Gesamtüberblick der Systeme im Kostenvergleich © PFOSER, 2015

Pflegekosten

Da die Pflegekosten von vielen Einflussfaktoren abhängig sind, müssen diese stets objektspezifisch berechnet und betrachtet werden. Die durchschnittlichen Pflegekosten variieren je nach gewählter Begrünungsart. Die Preise der Referenzbeispiele stellen einen Richtwert dar und können abhängig von der Zugänglichkeit am Standort und der Wuchshöhe stark schwanken.

Begrünungsart

Preis (brutto)/m²/Jahr

A.1

Bodengebundene Begrünung (ca. 150 m²) mit Selbstklimmern (ohne Kletterhilfe)

1–10 €

A.2

Bodengebundene Begrünung (ca. 80 m²) mit Kletterhilfen

10–20 €

B.1.1

Troggebundene Begrünung vom Boden aus mit Selbstklimmern

10–20 €

B.1.2

Fassadengebundene Begrünung mit teilflächigem Vegetationsträger

10–15 €

B.2

Fassadengebundene Begrünung mit vollflächigem Vegetationsträger

35–110 €

Kletterpflanzenkonstruktion der Messe im Wiener Prater
© GREEN4CITIES

Kletterpflanzenkonstruktion Messe Prater Wien © GREEN4CITIES

Kapitelbild: begrünte Fassade und Himmel mit wolkenförmigen Fragezeichen
Fotomontage GREEN4CITIES