2.6 Schutz der Bausubstanz
Grün an Gebäuden hat gleich zwei große Vorteile: Es verlängert die Lebensdauer von Baumaterialien und spart Ressourcen – etwa durch geringeren Energieverbrauch. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern reduziert auch langfristig die Kosten für Instandhaltung und Betrieb. Je nach Art und Ausführung schützen Begrünungssysteme Bauwerke vor verschiedenen Umwelteinflüssen. Die Pflanzen selbst bilden dabei eine schützende Hülle. Bei Fassadengebundenen Begrünungen kommt noch der Schutz durch das Pflanzsubstrat und die Unterkonstruktion hinzu.

Schutz vor mechanischen Umwelteinflüssen
Ein dichter Blättervorhang schützt vor mechanischen Schäden (Hagel), solarer Strahlung sowie Wind. Die Abbildung unten zeigt, dass die Luftfeuchte hinter einer fassadengebundenen Begrünung (grüne Punktwolke) geringer ist als an Fassaden ohne Begrünung. Hingegen wurde aufgezeigt, dass Schlagregen bei unbegrünten Fassaden zu Schäden führt (KIESSL & RATH, 1989).

Vandalismus und Graffitis
Ein weiterer Effekt ist, dass Begrünungen und Graffitis nicht gleichzeitig auf Fassaden bestehen können. Kletterpflanzen können somit als wirksamer, preisgünstiger und wartungsarmer Schutz der Fassade vor ungewollten Kunstwerken eingesetzt werden. Die Verwendung von Schutzanstrichen, die die Wasserdampf-Durchlässigkeit einer Wand behindern könnten, wird ebenfalls hinfällig.
Specht und Spechtlöcher
Spechte weichen aufgrund des Mangels an toten Bäumen im städtischen Bereich gerne auf Fassaden aus und können dort Schäden verursachen. Die Spechte suchen an den Fassaden nach Insekten, neuen Revieren und Brutstätten. Mit ihren Schnäbeln hämmern sie Löcher in die Fassade und entfernen unter Umständen sogar die Wärmedämmung. Auch hier schaffen Fassadenbegrünungen, sogar bereits unbegrünte, engmaschige Ranksysteme, Abhilfe (WEBER, 2010).

Dämmfunktion
Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass vor allem fassadengebundene Systeme aufgrund des Schichtaufbaus als zusätzliche Wärmedämmung wirken und somit Begrünungen Dämmmaterial ersetzen können.
Reduktion von Wärmeverlust
Begrünte Fassaden bewirken eine Reduktion des Wärmedurchflusses bzw. eine Senkung des U-Wertes. Die Wirksamkeit der Wärmedämmung ist vom Begrünungssystem, der verwendeten Pflanzenart sowie den Eigenschaften der Fassade abhängig. Wie die Abbildung unten zeigt, kann durch den Einsatz von fassadengebundenen Systemen mit vollflächigen Vegetationsträgern der U-Wert am stärksten verbessert werden (KORJENIC et al., im Auftrag der Stadt Wien – Umweltschutz, 2021).

Wie die Abbildung oben zeigt, ist der Wärmedurchgang bei begrünten Oberflächen im Sommer im Vergleich zu konventionellen Putzfassaden geringer. Auch in der kalten Jahreszeit reduziert Begrünung den Wärmeverlust über die Gebäudehülle (SCHARF et al., 2012). Dieser Effekt spart nicht nur Heizkosten, sondern senkt auch die Kühlkosten im Sommer. Die Pflanzen schützen vor Sonneneinstrahlung und halten so die Innenräume kühler (PFOSER, 2015). Wer mit Fassadenbegrünung vorrangig den U-Wert verbessern möchte, sollte auf zwei Dinge achten:
- vollflächige Vegetationsträger verwenden
- immergrüne Pflanzenarten einsetzen
Im Winter bilden der mehrschichtige Aufbau und die dichte Blattmasse so gemeinsam eine wirksame Isolationsschicht. Die nachstehende Abbildung zeigt die Veränderung des Wärmedurchflusses W/m2 bei der begrünten Fassade (grüne Linie) und unbegrünten Fassade (rote Linie) der Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark, im Vergleich zur Lufttemperatur (blaue Linie).


Neben den Faktoren, die die Kosten bestimmen, lohnt es sich, auch jene Aspekte zu berücksichtigen, die kurzfristig oder laufend zu Einsparungen führen können.
Volkswirtschaftliche Vorteile von Fassadenbegrünungen:
- Substitution von Sonnenschutzfolien/Verschattungssystemen
- Substitution von Dämmmaterial
- Reduktion des Heiz-/Kühlenergiebedarfs
- Substitution von Sichtfassaden (ästhetischer Außenhaut)
- Kühlung der Umgebung (Mikroklima)
- geringere Fluktuationsraten, höhere Wohnzufriedenheit
- bessere Veräußerbarkeit, Steigerung des Immobilienwertes
- Verlängerung der Lebensdauer von Gebäude/Fassade
- geringere Instandhaltungskosten für die Fassade
- Kompensation von Leistungen städtischer Grünstrukturen
Investitionskosten
Die Investitionskosten für Fassadenbegrünungen sind von der gewählten Begrünungsart abhängig. Die nachstehende Abbildung zeigt, dass die Kosten je nach Größe der Begrünungsfläche, Zugänglichkeit der Flächen, Art der Bewässerung aber auch systemabhängig weit auseinanderliegen können (PFOSER, 2015). Ein Teil der Errichtungskosten sowie der Kosten für Wartung und Pflege kann eingespart werden – etwa durch den Verzicht auf Sonnenschutzfolien, Beschattungsvorrichtungen oder teure Sichtfassaden. Ein reduzierter Wartungsaufwand technischer Verschattungssysteme sowie reduzierte Reinigungsarbeiten an Glasfassaden wirken kostensenkend. Zusätzlich können Einsparungen beim Heiz- und Kühlenergiebedarf erzielt werden.

Pflegekosten
Da die Pflegekosten von vielen Einflussfaktoren abhängig sind, müssen diese stets objektspezifisch berechnet und betrachtet werden. Die durchschnittlichen Pflegekosten variieren je nach gewählter Begrünungsart. Die Preise der Referenzbeispiele stellen einen Richtwert dar und können abhängig von der Zugänglichkeit am Standort und der Wuchshöhe stark schwanken.
Begrünungsart | Preis (brutto)/m²/Jahr |
|---|---|
A.1 Bodengebundene Begrünung (ca. 150 m²) mit Selbstklimmern (ohne Kletterhilfe) | 1–10 € |
A.2 Bodengebundene Begrünung (ca. 80 m²) mit Kletterhilfen | 10–20 € |
B.1.1 Troggebundene Begrünung vom Boden aus mit Selbstklimmern | 10–20 € |
B.1.2 Fassadengebundene Begrünung mit teilflächigem Vegetationsträger | 10–15 € |
B.2 Fassadengebundene Begrünung mit vollflächigem Vegetationsträger | 35–110 € |

