Leitfaden Fassadenbegrünung Startseite wien.gv.at
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2.7 Fünfzehn häufig gestellte Fragen

2. Einleitung

1 Sind Fassadenbegrünungen kostenaufwändig?

NEIN. Die Errichtungskosten von Begrünungen liegen meist bei unter 2 % der Gesamtbaukosten. Besonders kostengünstig sind bodengebundene Begrünungen mit selbstklimmenden Kletterpflanzen, da sich die Investitionskosten hauptsächlich auf den Preis der Pflanze beziehen.

2 Ist die Pflege von Fassadenbegrünungen teuer?

DIES IST ABHÄNGIG VON DER BEGRÜNUNGSART. Bei Selbstklimmern entstehen eher geringe Pflegekosten. Die Kosten für die Pflege am Beispiel der Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark betragen rund 10 €/m² im Jahr. Generell sinken die Kosten pro Quadratmeter mit steigender Fläche.

3 Wie viel Pflege benötigen Kletterpflanzen?

DURCH PLANUNG BEEINFLUSSBAR. Je nach Begrünungsart sind ein bis zwei Pflegedurchgänge pro Jahr
notwendig. Bei Selbstklimmern wie Efeu und Wildem Wein muss grundsätzlich nur eine Sichtkontrolle auf

Gefahrenpotenzial, gegebenenfalls ein Rückschnitt durchgeführt und die Bepflanzung von toten Pflanzenteilen befreit werden. Sensible Bereiche wie Fenster, Dachstühle, Dachrinnen, Abflussrohre müssen von der Bepflanzung freigehalten werden. Gerüstkletterpflanzen benötigen meist weniger Rückschnitt.

4 Benötige ich eine*n Planer*in für eine Fassadenbegrünung?

DIES IST SITUATIONSABHÄNGIG. Je nach System ist Unterstützung durch Expert*innen ratsam, da auf diese Weise grobe Fehler vermieden werden können. Der Verband für Bauwerksbegrünung (VfB) steht in Österreich als erste Anlaufstelle zur Verfügung, wenn es um Beratung und die Vermittlung von Kontakten geht.

5 Führen Fassadenbegrünungen zu Verunreinigungen?

NEIN, IM GEGENTEIL. Begrünungen reinigen die Luft und produzieren Sauerstoff. Der Laubwurf ist rasch und in einem Arbeitsgang zu entfernen, ähnlich wie bei Bäumen.

6 Verursachen Fassadenbegrünungen Feuchtigkeit am Mauerwerk?

NEIN. Im Gegenteil, Pflanzen halten das Wasser ab bzw. nehmen Wasser auf. Einzige Ausnahme ist eine alte, ungepflegte Efeu-Bepflanzung. Das Totlaub an der Fassade kann hierbei zu Humusbildung führen, die der Pflanze zu neuem Nährboden an der Wand verhilft. Fassadengebundene Systeme sind vorgehängt hinterlüftet und durch eine wasserdichte Rückplatte somit vom Gebäude feuchtetechnisch entkoppelt. Eine Studie der TU Wien (KORJENIC et al., 2020 zeigt, dass Mauern hinter Fassadenbegrünungen nicht feucht, sondern trocken sind.

7 Zieht eine Fassadenbegrünung einen bürokratischen Mehraufwand mit sich?

DIES IST SITUATIONSABHÄNGIG. Für den Planungsprozess wird seitens der Stadt Wien – Umweltschutz ein „Behörden-Guide“ sowie Unterstützung bei der Einholung von Bewilligungen angeboten. Fachexpert*innen können zur Einschätzung des notwendigen Planungs- und Genehmigungsausmaßes herangezogen werden.

8 Verursachen Fassadenbegrünungen hohe Wasser- oder Stromkosten?

ES KOMMT AUF DIE PRIORITÄTENSETZUNG AN. Das Wasser wird in Verdunstungskälte umgewandelt und bewirkt somit eine Verbesserung des Stadtklimas. Der Wasserbedarf für fassadengebundene Begrünungssysteme beträgt 1–4 l/m² an einem heißen Sommertag. Für die Bewässerung von Rasenflächen sind an Sommertagen ähnliche Bewässerungsmengen erforderlich. Ein übermäßiger Verbrauch von Wasser kann verhindert werden, indem Bewässerungsanlagen mit einer witterungs- und standortabhängigen Steuerung eingesetzt werden. Bodengebundene Begrünungen bedürfen bei ausreichend Niederschlag nur in der Anwuchsphase einer Bewässerung.

9 Ziehen Fassadenbegrünungen Wespen oder Bienen an?

KEINE WESPEN. Begrünungen werden von Wespen praktisch nicht besucht. Wildbienen wie Hummeln und auch Honigbienen kommen hingegen gerne, diese sind jedoch ungefährlich. Vorsicht gilt bei Allergien!

10 Sind Reinigungsfirmen für die Pflege von Fassadenbegrünungen qualifiziert?

REINIGUNGSFIRMEN SIND NICHT AUF FASSADEN SPEZIALISIERT. Die Pflege von Fassadenbegrünungen sollte von fachlich qualifizierten Unternehmen mit Erfahrung, z. B. Gartenbautechniker*innen für Gebäudebegrünung, durchgeführt werden.

11 Haben Kletterpflanzen ein hohes Gewicht?

JE NACH PFLANZENART. Das Holzgewicht (Gesamtgewicht) von ausgewachsenen Kletterpflanzen variiert je nach Pflanze von 10–30 kg (z. B. Waldrebe) bis 814 kg (Blauregen), siehe auch Technische Grundlagen.

12 Altert die Fassade beim Einsatz von Selbstklimmern schneller?

NEIN. Durch Haftorgane werden keinerlei Mineralstoffe entzogen. Im Gegenteil: Putzfassaden halten länger, da sie von den Blättern vor Schlagregen und direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.

13 Sehen Fassadenbegrünungen im Winter unattraktiv aus?

ÄSTHETIK IST EINE SACHE DES GESCHMACKS. Je nach Wahl der Begrünungsart entstehen auch im Winter interessante Erscheinungen z. B. durch Samenstände von Clematis-Arten oder Beerenbehang bei Wein. Für die Begrünung kann zwischen immergrünen oder laubabwerfenden Pflanzen gewählt werden, wobei zweitere den jahreszeitlichen Wandel der Natur widerspiegeln.

14 Kann Wilder Wein Gebäude zerstören?

NEIN. Wilder Wein richtet bei technisch intakten Gebäudeteilen in der Regel keine Schäden an. Mauerteile mit offenen Fugen, Ritzen oder Dachrinnen sollten jedoch von Kletterpflanzen freigehalten werden. Die Haftscheiben des Wilden Weins verursachen bei der Entfernung der Pflanze unter Umständen visuelle Beeinträchtigungen, die bauphysikalisch aber keinen Nachteil oder Schaden mit sich ziehen.

15 Können Fassadenbegrünungen brennen?

JA. Bei Brandversuchen wurde festgestellt, dass alle getesteten Pflanzen brennbar sind. Insbesondere eine Brandweiterleitung über die Fassade stellt eine Gefahr dar und ist einzuschränken. Wie für alle anderen Fassadensysteme wurden auch für Fassadenbegrünungen brandschutztechnische Untersuchungen durchgeführt. Für die Gebäudeklassen 1–3 bestehen meist keine Anforderungen, darüber hinaus wurden bewilligungsfreie Begrünungsvarianten festgelegt – siehe Kapitel Brandschutz.