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Menschenrechtsbüro der Stadt Wien

Leistungsberichte der Magistratsdienststellen

Der Wiener Gemeinderat hat am 19. Dezember 2014 die Deklaration „Wien – Stadt der Menschenrechte“ beschlossen und im September 2015 das Menschenrechtsbüro eröffnet. Im Jahr 2025 umfasste die Arbeit des Büros somit eine Dekade der praktischen Umsetzung auf lokaler Ebene. Das Menschenrechtsbüro der Stadt Wien koordiniert das Querschnittsthema Menschenrechte innerhalb der Stadtverwaltung und macht das Engagement der Stadt nach außen sichtbar. In Umsetzung der Deklaration bilden die institutionelle Verankerung und das Monitoring, die Bewusstseinsbildung und das Menschenrechtslernen, die Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie die (inter-)nationale Zusammenarbeit und Vernetzung die zentralen Handlungsfelder.

Weiterführende Informationen zum Inhalt: Zur Fachabteilung • Kontaktadressen

Projekt- und Schwerpunktüberblick

Wiener Menschenrechtsbezirke

Bisher haben sich 17 Bezirke zum Wiener Menschenrechtsbezirk deklariert. Gemeinsam mit den Kooperationspartner*innen im Bezirk werden Projekte entwickelt, die im Zusammenhang mit Menschenrechten stehen.

Im Dezember 2025 erschien die Neuauflage der Broschüre „Wiener Menschenrechtsbezirke“.

Im Jahr 2025 fanden folgende Kooperationen zwischen den Wiener Menschenrechtsbezirken und dem Wiener Menschenrechtsbüro statt:

Brunch für die Öffentlichkeitsarbeiter*innen der Wiener Menschenrechtsbezirke

In diesem Rahmen erfolgt ein Austausch zur Öffentlichkeitsarbeit über die menschenrechtlich relevanten Aktivitäten in den Bezirken.

Workshop zur Planung der künftigen gemeinsamen Zusammenarbeit, 10.12.2025

Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte ist ein Workshop für die Menschenrechtsbezirke in Zusammenarbeit mit dem LBI-GMR geplant, in dem die weitere Umsetzung der Initiative auf Basis der neuen Strategie des Menschenrechtsbüros (s. o.) im Fokus steht.

Weiterführung des Projekts „Frau* schafft Raum“

Das Projekt „Frau* schafft Raum“ wird in enger Zusammenarbeit zwischen dem Menschenrechtsbüro der Stadt Wien, der Bezirksvorstehung Alsergrund und dem Verein Nußdorfer Straße 4 im Kontext „Menschenrechtsbezirk Alsergrund“ durchgeführt.

Frau* schafft Raum ist ein Hybrid aus Erinnerungs- und Kunstort in der ehemaligen Trafik, in der im Jahr 2021 ein Femizid verübt wurde. Seit Dezember 2023 werden hier regelmäßig Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlerinnen* zu den Themen Femizid und Gewalt an Frauen* gezeigt, mit Fokus auf Solidarität und Empowerment. Die Ausstellungen sind rund um die Uhr einsehbar und leisten so einen Beitrag zur Sichtbarkeit dieser gesellschaftlich relevanten Kernthemen. Die ehemalige Trafik soll nun ein Ort des Gedenkens sein, der aber auch Platz für Diskurs und Ideen für eine faire, gewaltfreie Zukunft bietet.

Es fanden folgende Ausstellungen/Veranstaltungen statt:

  • 27.11.2024 – 28.1.2025: Ana Loureiro & Zhanina Marinova, „Immersing into the toxicity spectrum“
  • 13.2. – 20.5.2025: Verena Tscherner, „Detach. Deflate.“
  • 29.5. – 2.9.2025: Isabel Winter, „A better world”
  • 11.9. – 9.12.2025: Ana Halina Ringleb, „Speis“
  • ab 17.12.2025: Kerstin Bennier, „51.100 – the list of no return”

10 Jahre Menschenrechtsbüro der Stadt Wien

2025 beging das Menschenrechtsbüro der Stadt Wien sein zehnjähriges Bestehen, nachdem es 2015 zur institutionellen Verankerung der Deklaration „Wien – Stadt der Menschenrechte“ gegründet worden war. Dieses Jubiläum bildete einen Schwerpunkt des Berichtsjahres. Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember fand eine entsprechende Festveranstaltung statt, die den Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft in den Mittelpunkt stellte.

Zur Dokumentation der bisherigen Arbeit wurde im Berichtsjahr die Publikation „10 Jahre Menschenrechtsbüro der Stadt Wien – Eine Dekade für gelebte Menschenrechte in Wien“ herausgegeben. Die Broschüre bilanziert die Etablierung von Menschenrechten als Querschnittsmaterie in der städtischen Verwaltung. Sie beleuchtet zentrale Handlungsfelder wie die kontinuierliche Menschenrechtsbildung für städtische Bedienstete sowie die Zivilgesellschaft. Ebenso hervorgehoben werden die mittlerweile 17 deklarierten Wiener Menschenrechtsbezirke zur lokalen Umsetzung sowie die internationale Vernetzung.

Rightscities-Projekt: EU- Grundrechtecharta in Städten

Das Menschenrechtsbüro der Stadt Wien beteiligte sich am Projekt „Rightscities“, in welchem fünf europäische Städte (außer Wien auch noch Danzig, Lund, Sopot und Utrecht) gemeinsam mit dem Raoul-Wallenberg-Institut, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Grund- und Menschenrechte sowie der Universität Utrecht an der Integration der EU-Grundrechtecharta in ihre alltägliche Verwaltung arbeiten.

Das Projekt wird vom CERV-Programm der Europäischen Union kofinanziert und möchte eine effektive Umsetzung der Charta auf lokaler Ebene sicherstellen sowie das Bewusstsein für deren Bedeutung schärfen. Als methodischer Rahmen dient das von der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) entwickelte Konzept für Menschenrechtsstädte.

Zentrales Element sind verschiedene Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung, darunter Online-Lernmodule, die Ausbildung von Trainer*innen sowie die Entwicklung eines Selbstbewertungsinstruments für Städte. In Wien erfolgte diese Umsetzung in Kooperation zwischen dem Menschenrechtsbüro und dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Grund- und Menschenrechte, mit besonderem Fokus auf Gleichstellung und Nichtdiskriminierung, in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Integration und Diversität (MA 17) sowie dem Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser bzw. Häuser zum Leben.

Im Rightscities-Projekt konnte Wien auch sein Konzept der Menschenrechtsbezirke als Beispiel erfolgreicher Praktiken einbringen.

Schwerpunkt Kinder- und Jugendrechte

Wiener Charta für digitale Rechte für Kinder und Jugendliche

Die partizipative Entwicklung einer Wiener Charta für digitale Rechte für Kinder und Jugendliche ist eine von 193 Maßnahmen der Wiener Kinder- und Jugendstrategie 2020–2025 und ein wichtiges Vorhaben im aktuellen Regierungsprogramm. Mit der Entwicklung wurden das Menschenrechtsbüro und die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft leitend betraut. Um unterschiedliche Perspektiven möglichst breit abzudecken, waren weitere Abteilungen bzw. Organisationen im Projektteam an dem Entwicklungsprozess beteiligt. Die Entwicklung der Charta erfolgte aber insbesondere gemeinsam mit jungen Menschen. Beim Digital-Days-Schüler*innen-Tag am 24. Oktober 2024 wurden bereits knapp 100 Schüler*innen befragt. Zwischen 13. März und 2. April 2025 fanden – unter der Leitung von Safer Internet – fünf Workshops an drei verschiedenen Schulen statt. Von 5. Mai bis 6. Juni 2025 erfolgte ein Online-Beteiligungs-Prozess auf der Plattform Wien mitgestalten. Auf Basis der Ergebnisse sowie auf Basis der Allgemeinen Bemerkung Nr. 25 des UN-Kinderrechts-Ausschusses zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention im digitalen Raum wurde der 1. Entwurf der Wiener Charta für digitale Rechte für Kinder und Jugendliche erstellt und bei einer Konferenz am 25. Juni 2025 in der Volkshalle im Wiener Rathaus vorgestellt. In diesem Rahmen wurde das letzte Feedback der Teilnehmer*innen der Konferenz gesammelt und in den Entwurf eingearbeitet. Im Sommer erfolgte der finale Abstimmungsprozess mit der Politik und Verwaltung. Die Charta wurde im Jänner vom Gemeinderat beschlossen.

Fokusgruppe Kinder- und Jugendrechte

Die Fokusgruppe Kinder- und Jugendrechte hielt im Jahr 2025 eine Sitzung ab. Bei dieser stand die Evaluierung zur Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten in der Stadt Wien im Fokus. Diese wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Menschenrechtsbüro und der Ludwig-Boltzmann-Institut für Grund- und Menschenrechte durchgeführt und der 1. Entwurf der Fokusgruppe vorgestellt. Das Feedback der Fokusgruppe wurde im Anschluss an die Sitzung gesammelt und die Evaluierung fertiggestellt.

Bekämpfung von Menschenhandel

Im Jahr 2025 hielt die Arbeitsgruppe des Menschenrechtsbüros zur Bekämpfung von Menschenhandel eine Sitzung ab. In diesem Rahmen erfolgte die Bildung eines Redaktionsteams zur weiteren Planung der „Bundesländertagung zur Bekämpfung von Menschenhandel“, welche durch das Menschenrechtsbüro organisiert wurde und von 9.–10. September in Wien stattfand. Den ersten Programmpunkt bildetet eine Arbeitsgruppe, welche sich der Rolle der Bundesländer im Rahmen eines nationalen Verweisungsmechanismus zur Identifizierung von Opfern von Menschenhandel widmete. Am Abend widmete sich die öffentliche Abendveranstaltung der Thematik „Menschenhandel und Vulnerabilität – Formen und Hintergründe von Prekarisierung in der Wiener Urania.

Bekämpfung von Antisemitismus

Als Menschenrechtsstadt sieht sich Wien in der Verantwortung, dem Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Die Stadt setzt sich mit gezielten Maßnahmen dafür ein, sowohl die Ursachen als auch die Auswirkungen des Antisemitismus aufzuklären und zu bekämpfen. Bereits 2015 beschloss der Wiener Gemeinderat die Einsetzung eines Expert*innengremiums, das aus Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen besteht und Programme zur effektiven Bekämpfung von Antisemitismus entwickelt. Dieses Gremium setzte die Arbeit nach der Wiener Gemeinderatswahl mit einer neuen Vorsitzenden, Plänen und deren Umsetzung fort. Das Menschenrechtsbüro bereitete die Grundlagen für eine umfangreiche Wiener Strategie in diesem Jahr vor.

Mitwirkungen des Büros am Arbeitskreis – Gegen Antisemitismus der European Coalition of Cities against Racism (ECCAR) und am Nationalen Forum gegen Antisemitismus (seit 2022) wurden weiterverfolgt.

Angesichts des weltweit zunehmenden Antisemitismus veranstaltete „Combat Antisemitism Movement (CAM)“ im Oktober 2025 eine hochrangige Konferenz in Wien. Das Menschenrechtsbüro vertrat die Stadt Wien an einem Panel und diskutierte mit internationalen Expert*innen über das lokale Bewältigen dieser gesellschaftlichen Herausforderung.

Die Bekämpfung von Antisemitismus bleibt auch in Zukunft ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit des Menschenrechtsbüros der Stadt Wien.

Bürger*innenanliegen

Das Menschenrechtsbüro fungiert als Clearing-Stelle für Bürger*innenanliegen. Nach einer Prüfung des vorgebrachten Anliegens wird entschieden, an welche Stellen man es zur weiteren Abklärung und Unterstützung weiterleiten kann. Das Menschenrechtsbüro übernimmt dabei die Rolle eines Vermittlers und Koordinators zwischen den Bürger*innen und anderen Fachabteilungen, Behörden oder zivilgesellschaftlichen Organisationen. Das Case-Management des Menschenrechtsbüros hilft dabei, effiziente, zielgerichtete und nachhaltige Lösungen für die Anliegen der Bürger*innen zu finden.

Es gingen insgesamt 1.033 Anfragen beim Menschenrechtsbüro ein:

  • 930 schriftliche Anfragen
  • 83 telefonische Anfragen,
  • 20 persönliche Anfragen.

Internationaler Austausch, Delegationen, Konferenzen, Dienstreisen

  • Internationaler Austausch: 110
  • Delegationen: 12
  • Teilnahme an Konferenzen: 71
  • Dienstreisen: 6

Beauftragte Studien

Studie „Wien – Stadt der Demokratie und Menschenrechte“ (2025)

Studie „Sorgende Städte, klimafreundliche Städte und Menschenrechtsstädte“ (2025)‚