6. Prävention und Versorgung

6.2 Brustkrebsfrüherkennung

Das österreichische Mammographie-Screening-Programm ist ein organisiertes Früherkennungsprogramm für Brustkrebs mittels Röntgenuntersuchung. Frauen haben die Möglichkeit, alle zwei Jahre kostenlos daran teilzunehmen. Es wurde 2014 implementiert und ist nach 10 Jahren immer noch das einzige organisierte österreichweite Screeningprogramm. 2023 erkrankten österreichweit 6 902 Frauen an Brustkrebs, davon rund 1200 in Wien.

Ziel des Screenings ist es daher, Brustkrebstumore frühzeitig zu erkennen und damit in einem prognostisch günstigeren Stadium behandeln zu können. Damit erhöhen sich für betroffene Frauen die Heilungschancen. Schonendere Therapiemethoden werden möglich und erkrankungs- und therapiebedingte Leiden können vermindert werden.

Mit der Implementierung wurde auch die regelmäßige Evaluierung beschlossen, auf deren Basis entsprechende Adaptierungen in der Ausgestaltung vorgenommen werden.

Ergebnisse des vierten Evaluierungsberichtes

Wie der aktuelle vierte Evaluierungsbericht zeigt, nahmen in den Jahren 2020/2021 insgesamt 614 835 Frauen (in der Kernzielgruppe 45 bis 74 Jahre) teil. Daraus resultierten

2 584 abklärungsbedürftige BKF‐Untersuchungen in der Diagnose invasiver Brustkrebs (C50 gemäß ICD‐10‐Kodierung). Das entspricht einer Brustkrebsdetektionsrate von 421 invasiven Karzinomen je 100 000 untersuchter Frauen in der Kernzielgruppe. 403 BKF‐Untersuchungen (66 je 100 000) führten zu einer DCIS‐Diagnose (duktales In‐situ‐Karzinom, D05 gemäß ICD‐10‐Kodierung). Somit wurde insgesamt bei 2 987 Frauen aus der Kernzielgruppe der 45‐ bis 74‐Jährigen Brustkrebs entdeckt, und die gesamte Brustkrebsentdeckungsrate im Zyklus 2020/2021 liegt bei 487 Fällen je 100 000 untersuchter Frauen.

Zusätzlich wurden in den Jahren 2020/2021 in der Opt‐in‐Gruppe der 40‐ bis 44‐jährigen Frauen 116 invasive Karzinome (210 je 100 000) bzw. 30 DCIS (54 je 100 000) und in der Gruppe der Frauen ab 70 Jahren 995 invasive Karzinome (854 je 100 000) und 126 DCIS (108 je 100 000) entdeckt – in Summe also 3 695 invasive Karzinome und 560 DCIS. Betrachtet man für die Jahre 2020/2021 die einzelnen Altersgruppen genauer, zeigt sich eine um etwa 85 Prozent erhöhte Inzidenz der invasiven Karzinome innerhalb der Gruppe der 60‐ bis 69‐jährigen Frauen (555 je 100 000) im Vergleich zur Gruppe der 45‐ bis 49‐jährigen Frauen (302 je 100 000). Grundsätzlich ist eine – erwartbare – Steigerung der Entdeckungsraten mit zunehmendem Alter der Teilnehmerinnen zu erkennen.

Rund 75 Prozent der entdeckten Karzinome stellten sich ohne Lymphknotenbefall dar. Bei etwa 17 Prozent der Karzinome waren auch die Lymphknoten betroffen, in 27 Prozent der Fälle war der Status der Lymphknoten unbekannt. Bei rund 88 Prozent der im BKFP innerhalb der Kernzielgruppe detektierten invasiven Karzinome wurde keine Fernmetastasierung festgestellt.

Steuerungsgruppe BKFP

Begleitend zur Umsetzung des BKFP wurde eine interdisziplinäre Steuerungsgruppe implementiert. Das Wiener Programm für Frauengesundheit vertritt in diesem Gremium die Stadt Wien, ist mit der Umsetzung des Assessmentprozesses auf Wiener Ebene befasst und nahm an allen vier Sitzungen im Jahr 2024 teil. Dabei wurden die Evaluierungsergebnisse sowie die Weiterentwicklung der EU Guidelines thematisiert, die bei Vorliegen entsprechender Empfehlungen durch Expert*innen von der Stadt Wien unterstützt werden.