7. Gewalt und Gesundheit

7.2 Geschlechtsspezifische Gewalt in Zahlen

Jede dritte Frau zwischen 18 und 74 Jahren in Österreich hat nach ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Das sind gesamt 1,1 Millionen Frauen. 16 Prozent aller Frauen, die bereits eine intime Beziehung hatten, erfuhren körperliche und/oder sexualisierte Gewalt durch einen (Ex-)Partner. Besonders hoch ist der Anteil an Frauen, die in ihrer Partnerschaft psychischer Gewalt ausgesetzt waren, nämlich 37 Prozent. Psychische Gewalt umfasst etwa: Beschimpfungen (28,5 %), Einschüchterung (15,5 %), Isolation vom Freundeskreis (11 %), Kontrolle und Überwachung (9 %). Einer Sonderform der psychischen Gewalt, dem Stalking, waren schon 22 Prozent der 18- bis 72-jährigen Frauen ausgesetzt, davon jede Vierte länger als ein Jahr lang. Während 50 Prozent den Stalker vorher nicht kannten, erlebten 18 Prozent Stalking durch den (Ex)Partner.

Manche Gruppen von Frauen sind besonders vulnerabel und häuslicher bzw. sexualisierter Gewalt ausgesetzt wie alte oder wohnungslose Frauen. Mädchen und Frauen mit einer Lernbehinderung werden häufiger Opfer sexualisierter Gewalt, ebenso Frauen mit Fluchtgeschichte oder Frauen in der Sexarbeit. Mädchen und Frauen mit Migrationsgeschichte können von weiblicher Genitalverstümmelung oder Zwangsverheiratung betroffen sein.

6.300 Frauen in Wien von FGM betroffen

Aktuelle Zahlen über von weiblicher Genitalverstümmelung (der medizinische Fachbegriff ist FGM – Female Genital Mutilation) betroffene Frauen und Mädchen in Österreich liefert eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien (MUW): Demnach liegt die Zahl der FGM-Betroffenen bei rund 11 000 Personen, davon lebt mehr als die Hälfte, das sind 6 323 Frauen, in Wien. Die in Wien lebenden FGM-Betroffenen stammen vorwiegend aus folgenden Herkunftsländern: 54 % Ägypten, 23 % Somalia, 6 % Nigeria, 4 % Irak, 3 % Sudan und 2 % Äthiopien. Österreichweit sind laut EU-Institut für Geschlechtergleichheit (EIGE) 12–18 % der minderjährigen Mädchen aus FGM-betroffenen Ländern von Genitalverstümmelung bedroht, das sind 735 bis 1 083 Mädchen, die in einem Land mit hoher FGM-Prävalenz geboren sind. Sie stammen vor allem aus Ägypten und Somalia. Die Studie der MUW geht davon aus, dass in Österreich mindestens 1 704 und maximal 3 023 Mädchen gefährdet sind.