9. Gesundheitliche Chancengerechtigkeit

9.1 Rote Box gegen Periodenarmut

Laut Menstruationsbericht der Gesundheit Österreich (2024) haben 20 % der Mädchen und Frauen Probleme, sich Menstruationsartikel zu leisten: 15 % gelegentlich und 5 % jeden Monat.

Auch eine 2023 durchgeführte Online-Befragung von der Kinderrechtsorganisation Plan International untersuchte, wie Mädchen und Frauen mit finanziellen Schwierigkeiten umgehen, die es ihnen erschweren, sich Hygieneartikel leisten zu können:

  • 23 % der Mädchen und Frauen versuchen, möglichst wenig Tampons, Binden oder Slipeinlagen zu verbrauchen.

  • 17 % zögern den Wechsel von Tampons, Binden oder Slipeinlagen bewusst hinaus, um länger damit auszukommen.

  • 53 % der Befragten würden sich besser mit Hygieneartikeln versorgen, wären diese günstiger. In der jüngsten Gruppe der 16- bis 24-Jährigen sagten das sogar 68 %.

Die Zahlen belegen, dass sich nicht jede Frau oder menstruierende Person die monatlichen Kosten für Binden und Tampons leisten kann. Manche greifen dann auf ungesunde oder unhygienische Mittel wie WC-Papier, Zeitungspapier, Plastiksäcke, Stoffreste etc. zurück. Dieses Phänomen wird als Periodenarmut bezeichnet.

Rote Box in ganz Wien

Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat in Kooperation mit BIPA im Oktober 2023, aufbauend auf einem Pilotprojekt in der Brigittenau, mit der Roten Box ein wienweites Angebot gegen Periodenarmut etabliert. In jeder BIPA-Filiale können sich Mädchen und Frauen seit Oktober 2023 mit einem Quartals-Gutscheinheft kostenlos eine „Rote Box“ holen: eine Packung „Rote Box“-Binden oder eine Packung „Rote Box“-Tampons pro Monat.

Die Quartals-Gutscheine werden über rund 130 Kooperationspartner*innen des Wiener Programms für Frauengesundheit abgegeben. Das sind Sozialmärkte, Jugendeinrichtungen, Frauengesundheitszentren, Sozialberatungsstellen, Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, der Flüchtlingshilfe, der Nachbarschaftshilfe, Grätzlzentren, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und von Gewalt betroffenen Frauen und Gesundheitseinrichtungen. Die Rote Box trifft bei Einrichtungen, die mit sozioökonomisch benachteiligten Menschen zu tun haben, auf enormes Interesse, da diese den Bedarf bei ihren Klient*innen unmittelbar erleben. Im Laufe des Jahres 2024 wurde die Anzahl der Kooperationspartner*innen daher kontinuierlich ausgebaut, sodass die Gutscheine mittlerweile an rund 325 Standorten in ganz Wien abgegeben werden. Monatlich stehen 27 000 Rote Box-Gutscheine zur Verfügung.

BIPA stellt die Produkte für die Rote Box kostenlos zur Verfügung und sorgt für die Distribution in den Wiener Filialen. Die Stadt Wien ist für die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartner*innen verantwortlich.

Die „Rote Box“ wurde 2024 im Zusammenhang mit Periodenartikeln, Gutscheinen und gesundheitlichen Beratungen in Bezug auf Gesundheitsversorgung seitens der Stadt Wien österreichweit als geschützte Marke eingetragen.

Evaluation bestätigt Umsetzung

Die Rote Box wurde im Jahr 2024 evaluiert. Die Ergebnisse zeigen zusammengefasst eine hohe Zufriedenheit mit dem Projekt und seiner praktischen Umsetzung. Der Bedarf wird von allen Projektbeteiligten als hoch eingeschätzt. Die Rückmeldungen der Kooperationspartner*innen und Nutzerinnen unterstrichen die Wichtigkeit der laufenden medialen Bekanntmachung und zeigten Adaptierungsbedarf im Bereich der Informationsweitergabe auf. So wurde angeregt, bestimmte Begriffe wie Periodenarmut bei den Info-Karten und beim Plakat nicht zu verwenden, weil es als stigmatisierend erlebt werden kann. Auch durchgängig einfache Sprache wurde empfohlen. (Begleitevaluation Projekt „Rote Box gegen Periodenarmut“, queraum, S. 1).

Diese Rückmeldung wurde aufgegriffen und das Informationsmaterial überarbeitet. Der Begriff „Periodenarmut“ wird nun bei Materialien, die sich an Mädchen und Frauen richten, nicht mehr verwendet. Die Info-Karten und die Information auf der Website wien.gv.at/rote-box wurden zusätzlich in die Sprachen Englisch, Türkisch, Arabisch und Ukrainisch übersetzt.

Sponsorenprojekt Rote Box

Die Rote Box kann auch gekauft werden, 50 Cent des Verkaufspreises werden für ein Projekt gegen Periodenarmut zur Verfügung gestellt. Nach Ende eines Projektjahres entscheiden BIPA und die Stadt Wien gemeinsam, welches Projekt bzw. welche Einrichtung diese Sponsorengelder erhalten soll. Dies ist gleichzeitig eine Maßnahme, den Bezug der Roten Box jedenfalls ohne Stigmatisierung anzubieten, da bei der Kassa sowohl kostenlose als auch bezahlte Rote Boxen am Förderband liegen. Mit den im Jahr 2024 so lukrierten Geldern werden in Wiener Schulen im Jahr 2025 Menstruations-Workshops angeboten.

wien.gv.at/rote-box

Zu sehen ist eine Bindenpackung mit dem Slogan „Zusammenhalten hilft in der Regel.“
Bipa, ©