Projektleitung: Alexandra Münch-Beurle

Rund 16 % der Familien in Wien mit Kindern unter 15 Jahren sind Ein-Eltern-Familien. Ohne Altersbeschränkung liegt der Anteil bei 28 %. Wer alleinerziehend ist und wer nicht, ist nicht trennscharf einzugrenzen. Denn Lebens- und Familienmodelle sind vielfältig. Eines ist jedoch sicher, Alleinerziehende leisten viel und sind in den allermeisten Fällen weiblich. Sie stemmen die Versorgung des Nachwuchses, schultern den Haushalt und leisten Erwerbsarbeit. Meistens arbeiten Alleinerziehende nicht Vollzeit, im Schnitt jedoch mehr Stunden als Mütter in Paar-Familienkonstellationen. Kein Wunder, dass viele Alleinerziehende unter der starken Belastung leiden, auch gesundheitlich, denn Zeit und Möglichkeiten für Erholung sind knapp. Die Armutsgefährdung kommt als Stressor noch sehr häufig dazu. Ein-Eltern-Familien sind besonders auf ein unterstützendes politisches und soziales Umfeld angewiesen.

Vernetzungstreffen Runder Tisch „Gesundheit # Alleinerziehende“

Seit Oktober 2021 findet in Kooperation mit dem Wiener Programm für Frauengesundheit und mit JUNO – Zentrum für Getrennt- und Alleinerziehende regelmäßig der Runde Tisch „Gesundheit # Alleinerziehende“ statt. Die Vernetzungsplattform wurde im Rahmen des Projekts „Ich schau auf mich“ initiiert, das der Verein JUNO von 2021 bis 2024 mit Unterstützung des Fonds Gesundes Österreich und der Wiener Gesundheitsförderung – WiG durchgeführt hat. Der Fokus lag auf der psychosozialen Gesundheit von Alleinerziehenden in Wien. Insgesamt umfasst der Runde Tisch 17 Vertreter*innen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich:

  • Arbeitsmarktservice Wien

  • Büro für Frauengesundheit und Gesundheitsziele

  • Frauengesundheitszentrum FEM SÜD

  • FEM – Elternambulanz

  • Frühe Hilfen Wien

  • Fonds Soziales Wien Schuldenberatung

  • JUNO – Zentrum für Getrennt- und Alleinerziehende

  • Stadt Wien – Kindergärten

  • Stadt Wien – Einwanderung und Staatsbürgerschaft

  • Stadt Wien – Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht

  • Stadt Wien – Wohnbauförderung

  • Stadt Wien – Frauenservice

  • Stadt Wien – Kinder- und Jugendhilfe

  • Österreichische Gesundheitskasse

  • Österreichische Plattform für Alleinerziehende

  • waff – Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds

  • Wohnberatung Wien

Das FGÖ/WiG-Projekt „Ich schau auf mich“ für Alleinerziehende wurde im Jahr 2024 evaluiert und beendet. Die Projektziele wurden erfolgreich erreicht. Die Teilnehmerinnen am Projekt gaben an, dass die Workshops auch dazu geführt haben, dass sich Alleinerziehende weniger alleine gelassen fühlen, was als wichtiger Beitrag für die mentale Gesundheit gewertet werden kann. Auch der Runde Tisch als Vernetzungsmöglichkeit wurde sehr wertgeschätzt.

2024 wurde von den Teilnehmer*innen beschlossen, dass die Treffen des Runden Tisches nach dem Ende des Projekts „Ich schau auf mich“ weitergeführt werden sollen. Am 13. Mai 2024 fand ein erstes Treffen statt. Die Treffen werden weitergeführt.

Erstellung des Leitfadens „Arbeit mit Alleinerziehenden. Gesundheitsförderliche Aspekte und Empfehlungen“

Der Leitfaden und die darin enthaltenen Empfehlungen wurden gemeinsam mit dem Runden Tisch „Gesundheit # Alleinerziehende“ erarbeitet. 2024 wurden die Empfehlungen finalisiert. Sie sind eine Sammlung der Erkenntnisse aus den Treffen der Runden Tische. Organisationen, die im sozialen oder Gesundheitskontext Kontakt mit Alleinerziehenden haben, erhalten Anregungen, wie sie ihr Angebot für Alleinerziehende besser nutzbar machen können. Es werden Empfehlungen gelistet, die das Leben und damit auch die gesundheitliche Situation von Alleinerziehenden und ihren Kindern verbessern können, wobei der Schwerpunkt auf den strukturellen Verbesserungsmöglichkeiten liegt. Da Alleinerziehende und ihre Kinder eine strukturell benachteiligte Bevölkerungsgruppe sind, ist es wichtig, dass auf ihre speziellen Rahmenbedingungen und Bedürfnisse mit treffsicheren oder maßgeschneiderten Angeboten oder Maßnahmen reagiert wird.

Das Empfehlungspapier wird für Fortbildungen von Stadt Wien Mitarbeiter*innen als Schulungs- und als Informationsgrundlage verwendet. Auch dient das Papier als Diskussionsgrundlage mit politischen Entscheidungsträger*innen. Einige Empfehlungen werden bereits von den Mitgliedsorganisationen des Runden Tisches umgesetzt.

Download: „Arbeit mit Alleinerziehenden. Gesundheitsförderliche Aspekte und Empfehlungen“, 2024 (300 KB)

Zu sehen ist ein aufgefächerter Stapel des Leitfadens.
Leitfaden „Arbeit mit Alleinerziehenden. Gesundheitsförderliche Aspekte und Empfehlungen", © WPFG

Veranstaltungsreihe Wiener Dialog Frauengesundheit: „Alleinerziehende“

Am 18. November 2024 fand ein Wiener Dialog Frauengesundheit, dieses Mal in Kooperation mit dem Frauenservice Wien, zur gesundheitlichen Lage von Alleinerziehenden statt. Für die Dauer der Veranstaltung wurde eine Kinderbetreuung durch die Wiener Kinderfreunde, finanziert von der MA 57 – Frauenservice Wien, angeboten.

Das Programm umfasste folgende Punkte:

  • Eröffnungsrede durch Gemeinderatsabgeordnete Martina Ludwig-Faymann

  • Sarah Zeller, die Leiterin des Vereins JUNO – Verein für Getrennt- und Alleinerziehende, berichtete über die Lebenssituation von Ein-Eltern-Familien und stellte das Angebot von JUNO vor.

  • Karin Liebhart, vom Institut für Konfliktforschung, präsentierte die Studie „Alleinerziehende: Gesellschaftliche Bilder, Selbstwahrnehmungen und Wege zur Selbstermächtigung“, welche 2024 im Auftrag der Arbeiterkammer Wien und dem Frauenservice Wien vom Institut für Konfliktforschung durchgeführt wurde.

  • Alexandra Münch-Beurle präsentierte den Leitfaden „Arbeit mit Alleinerziehenden. Gesundheitsförderliche Aspekte und Empfehlungen“, der von Mitgliedern des Runden Tisches „Gesundheit # Alleinerziehende“ erstellt und vom Wiener Programm für Frauengesundheit 2024 herausgegeben worden ist.

  • Wie die gesundheitliche Situation von Alleinerziehenden verbessert werden kann, war Thema einer Podiumsdiskussion, an der Sarah Zeller, Birgit Wenty (Frühe Hilfen Wien), Monika Nigl (waff – Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds) und Laura Wimmer (Frauenservice Wien) teilgenommen haben.

Workshops „Arbeit mit Alleinerziehenden im Gesundheits- und Sozialbereich“

Am 13. Mai und am 25. September 2024 wurden in den Räumlichkeiten der MA 24 – Strategische Gesundheitsversorgung Workshops für Mitarbeiter*innen aus Organisationen des Gesundheits- und Sozialbereiches durchgeführt.

Nach dem ersten Workshop im Mai, an dem 15 Personen teilgenommen haben, wurde beschlossen, die Fortbildung für alle interessierten Organisationen zugänglich zu machen. Der zweite Workshop im September war mit 28 Teilnehmer*innen und einer Warteliste von weiteren 15 Personen ausgebucht.

Besonders bewährt hat sich der interdisziplinäre und ressortübergreifende Austausch der Teilnehmer*innen. Da Alleinerziehende oft mit komplexen Problemlagen konfrontiert sind, ist es auch für die Berater*innen sehr hilfreich, über alle Unterstützungsangebote gut informiert zu sein. Die Arbeit mit Fallvignetten, welche von den Teilnehmer*innen selbst eingebracht wurden, führte zu einem fruchtbaren Austausch und half, Handlungsräume zu reflektieren und auszuweiten.

Ausblick

2025 soll der Leitfaden samt Handlungsempfehlungen zur Arbeit mit Alleinerziehenden im Gesundheits- und Sozialbereich breiter kommuniziert werden. Aufgrund des positiven Feedbacks wurde beschlossen, 2025 drei weitere Workshops in diesem Format anzubieten. Der Runde Tisch wird ebenso fortgeführt.