8.4 10. Plattform-Treffen „Elternbildung und Elternarbeit“
Elternbildung stärkt die Erziehungskompetenzen der Eltern und umfasst alle Angebote für die Zielgruppe in unterschiedlichen Settings, die sich u.a. mit Erziehung, Bildung, Kommunikation, Eltern-Kind-Beziehung oder Gewalt in der Familie beschäftigen. Elternarbeit bezieht sich auf die Zusammenarbeit von Schule/Kindergarten mit den Eltern. Elternbildung und Elternarbeit im Fluchtkontext thematisierte das 10. Treffen der „Wiener Plattform Frauen – Flucht – Gesundheit“ am 4. Juni 2024 im Wiener Rathaus. 135 Personen nahmen daran teil.
Programm
Einleitend stellte Friederike Weber von prospekt Unternehmensberatung die 2019 im Auftrag der Integrationsabteilung der Stadt Wien erstellte Studie über interkulturelle Elternbildung vor. Interkulturelle Elternbildung ist ein Ansatz zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem. Bei interkultureller Elternbildung fungieren insbesondere mehrsprachige Multiplikator*innen als Brückenbilder*innen zu bestehenden Strukturen.
Anna Maria Steiden vom Diakonie Flüchtlingsdienst zeigte auf, wie Elternarbeit an der Peripherie der Stadt gelingen kann, nämlich mit geflüchteten Familien in der Siedlung Macondo. Ein Erfolgsparameter ist, Elternbildungsprojekte langfristig und kontinuierlich anzubieten.
Oula Khattab vom Verein AFYA stellte das Programm „Eltern stärken“ mit Kursen für geflüchtete Eltern vor. Interkulturelle erstsprachliche Elterntrainer*innen greifen in ihren Workshops Themen wie Erziehung und Kommunikation mit Kindern auf. In Rollenspielen lernen Eltern ihre traumatisierten Kinder besser zu verstehen.
Neun Einrichtungen, die in der interkulturellen Elternbildung aktiv sind, präsentierten vielfältige Angebote:
Die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien war mit der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Familien vor Ort sowie mit der Stabsstelle für Extremismusprävention. Weiters stellten sich vor: der Verein Integrationshaus, die ELTERNWERKSTATT – Verein im Dienst von Kindern, Eltern, Pädagog*innen, der Verein NACHBARINNEN in Wien, der Verein Wiener Jugendzentren mit dem Projekt „Respekt: gemeinsam stärker“, die FEM Elternambulanz und das Projekt NEDA des Instituts für Frauen- und Männergesundheit, der Flüchtlingsdienst und der Sozialdienst der Diakonie Wien sowie der Verein ProSoz, der im Auftrag der MA 11 – Kinder- und Jugendhilfe, sozialpädagogische mobile Arbeit mit Familien mit Sprachunterstützung von Peers leistet.
Bei der abschließenden Podiumsrunde diskutierten Indira Anasowa, Lehrerin für Muttersprache (Tschetschenisch, Russisch) und Deutschförderlehrerin, Ali Dönmez, Logopäde und DAZ-Lehrer, Franziska Haberler, Lehrerin und stv. Leiterin, Leopold-Kohr-Schule, Deborah Klingler-Katschnig, Institut für Frauen- und Männergesundheit, NEDA und Claudia Leditzky, Pädagogische Hochschule Wien über Möglichkeiten und Herausforderungen des Bildungsbereichs in Hinblick auf interkulturelle Elternarbeit.
Ausgewählte Erkenntnisse
Wichtig für interkulturelle Elternbildungsangebote im Kontext von Flucht sind:
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Aufsuchende Angebote zur Elternbildung z. B. in der Wohnumgebung, community-nahen Vereinen, um die Zielgruppe zu erreichen
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Einsatz erstsprachlicher und kultursensibler Fachkräfte, Lehrer*innen und Multiplikator*innen in Schulen, Beratungsstellen etc.
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Schulung von pädagogischem Personal im Umgang mit von Krieg/Flucht traumatisierten Schüler*innen und Eltern
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Ressourcenorientiertes Arbeiten: Nützen aller Möglichkeiten zur Kommunikation – z. B. Elternabende und Elterngespräche mit Hilfe von Videodolmetsch; keine Scheu, WhatsApp etc. in Elterngesprächen einzusetzen.