6.12 Pandemie-Management im Rückblick – worauf es ankommt
Beitrag von Jochen Haidvogel-Toder und Ursula Karnthaler
Das erfolgreiche Corona-Management des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien diente der Zielerreichung gleich mehrerer Wiener Gesundheitsziele: Wiener Gesundheitsziel 5 „Gesundheitskompetenz der Wiener Bevölkerung stärken“, Wiener Gesundheitsziel 6 „Prävention, Früherkennung und Behandlungsabläufe bei epidemiologisch relevanten Krankheiten gezielt optimieren“ und Wiener Gesundheitsziel 9 „Integriertes Gesundheitsmonitoring aufbauen“. Es kann somit als ein Best-Practice-Beispiel nicht nur im Sinne der Zielerreichung dieser Wiener Gesundheitsziele, sondern auch für den verantwortungsvollen Umgang der Stadt Wien mit der Covid-19-Pandemie gesehen werden.
Der Einsatz des Gesundheitsdienstes reichte während der Covid-19-Pandemie von gesundheitsbehördlichen Einzelfall-Maßnahmen bis zur Führung des medizinischen Krisenstabs, der – im März 2020 eingerichtet – als Beratungs- und Beschlussgremium sowie Informationsdrehscheibe diente.
Gemeinsam mit dem Einsatzstab bauten wir für den Gesundheits- und Sozialbereich eine umfangreiche Logistik für Schutzausrüstung und andere Pandemie-Verbrauchsgüter samt Pandemielager auf. Es wurden PCR- und Antigen-Testmöglichkeiten inklusive PCR-Selbsttests über „Alles gurgelt!“ geschaffen und laufend angepasst.
Mit Verfügbarkeit der ersten Covid-19-Impfstoffe ab Ende Dezember 2020 starteten die Impfaktionen. Mit Einlade- und Anmeldesystemen regulierten wir die Priorisierung. Wir schufen und koordinierten Impfzentren mit multidisziplinären Impfteams und bauten diese – entsprechend der Impfstoff-Verfügbarkeit und dem Bedarf – aus. Angebote für spezielle Zielgruppen sowie unterschiedlichste Settings erhöhten die Zugänglichkeit und Inanspruchnahme. Von den knapp 4,7 Millionen Covid-Impfungen (bis Juni 2023) erfolgten drei Viertel in öffentlichen Impfstellen.
Es zeigte sich, dass eine Skalierbarkeit von Leistungen in dem benötigten Ausmaß (Impf-, Testangebote, Gesundheitshotline 1450) nur für die Behörde oder in ihrem Auftrag möglich ist. Erfolgsfaktoren waren die laufende Einbindung von Expert*innen, die Nutzung der arbeitsgebietspezifischen Vernetzung in Fachstäben, die zielorientierte Zusammenarbeit innerhalb des Magistrats und mit anderen Institutionen sowie die zügige Implementierung digitaler Prozesse in enger Abstimmung mit den Bedarfsträgern. Klare, leicht verständliche Informationen zur Umsetzung der jeweiligen Vorgaben für die Bevölkerung erhöhten die Akzeptanz. Zur Zielüberprüfung hinsichtlich des gesamtheitlichen Gesundheitsschutzes wären künftig regelmäßige Auswertungen von Gesundheitsleistungen und Befragungen zur Inanspruchnahme von Gesundheitsangeboten anzudenken.
Jochen Haidvogel-Toder ist Dienststellenleiter des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien (MA 15).
Ursula Karnthaler ist Landessanitätsdirektorin des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien (MA 15).