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Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 46 von 53

 

auch eine Spirale aus, die den Druck auf alle, die im System sind, erhöhen. Insofern verstehe ich die Kritik und teile sie, da natürlich niemand gerne Mängel verwaltet oder Löcher stopft. Fakt ist, wenn ich mit Personalmangel zu tun habe, ist es natürlich notwendig, dass ich mit dem bestehenden Personal halt auch Lücken schließe. Jetzt sind wir uns wieder einig, dass wir von dort wegkommen müssen und dass es eine gute Ausstattung der Kinder- und Jugendhilfe braucht. Aber auch das ist gefallen. Das ist natürlich keine Sache von jetzt auf morgen, insbesondere, wenn wir wissen, dass das, was es eigentlich noch viel mehr braucht, andere Settings sind, mit einem noch besseren Betreuungsschlüssel und mit noch mehr personalintensiven Strukturen. Wie gesagt, da besteht schon Einigkeit.

 

Vielleicht auch noch etwas dazu, was den Kontext zu Drogenmissbrauch und diese schrecklichen Geschichten von verstorbenen Jugendlichen betrifft: Sie können mir glauben, mich erschüttert das wirklich. Ich kann das kaum aushalten. Und ich finde, wir müssen alles tun, um das zu vermeiden. Gleichzeitig, so viel Ehrlichkeit muss auch sein, wenn wir die Kinder nicht einsperren und wenn wir sie nicht 24 Stunden überwachen, dann wird es schlicht keine hundertprozentige Gewährleistung geben, dass die nicht mit Drogen in Berührung kommen. Noch viel weniger wird das gelingen, wenn es - und da muss ich Ihnen sagen, da wird mir ganz anders, wenn ich nur darüber nachdenke - sichtlich Gruppen von Männern gibt, die ganz gezielt auf vulnerable Mädchengruppen zugehen und diese mit Drogen in Kontakt bringen. Es ist unmöglich. Ich finde, wir müssen alles tun, um das zu verhindern und gleichzeitig so ehrlich sein zu sagen, wenn Kinder und Jugendliche sich auch in der Obhut der MA 11 in dieser Stadt bewegen können - und das tun sie ja spätestens dann, wenn sie in die Schule gehen, aber wir sind ja auch der Meinung, dass sie das in ihrer Freizeit tun können müssen -, dann werde ich nie hundertprozentig ausschließen können, mit wem sie dort wie in Kontakt kommen. Ich glaube, in der Beantwortung von der Frau Stadträtin, Landeshauptfrau-Stellvertreterin ist sehr klar geworden, dass es eine ganze Reihe von Maßnahmen der MA 11 in Zusammenhang mit diesen Drogenkonsum- und Todesfällen gab, und eine ganz intensive Zusammenarbeit auch mit der Sucht- und Drogenkoordination Wien, die auf Prävention, auf Sensibilisierung sowohl bei den MitarbeiterInnen als auch bei den Kindern und Jugendlichen, auch im Zusammenhang mit Sicherheitspersonal, mit Polizei et cetera abzielen. Insofern, glaube ich, muss man alles tun, um das bestmöglich in den Griff zu kriegen, und gleichzeitig ehrlich sein, dass Personen, die das in dieser Art und Weise ausnützen, wirklich auch ein schwer zu 100 Prozent in den Griff zu kriegendes Problem sind.

 

Es haben meine Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld schon erwähnt, was wir alles unternehmen, sowohl, wenn es um die Personalaufstockung geht, als auch um den Ausbau von Einrichtungen. Kollegin Pühringer hat gesagt, more of the same, ja, no na brauchen wir more of the same, wenn wir sehen, dass wir mit den bestehenden Kapazitäten nicht auskommen. Obwohl es schwierige budgetäre Situationen sind, fließt mehr Geld in die MA 11, und ich denke, zu Recht. Wir unternehmen ganz viel Dinge, was die Ausbildung von Personal betrifft, auch das ist schon gefallen, und im Regierungsprogramm gibt es darüber hinaus eine ganze Reihe an Vornahmen, die wir haben, nämlich sowohl ambulant und Prävention, aber auch - und auch das will ich in aller Deutlichkeit sagen - was die Fremdunterbringung betrifft. Ich bin überzeugt, dass keine Fremdunterbringung von der MA 11 leichtfertig getätigt wird. Ich kann Ihnen sagen, in meinem beruflichen Kontext habe ich mir manchmal gewünscht, dass Kinder schneller aus der Familie genommen werden, weil man das Gefühlt hatte, es muss sein. Und ich bin ganz sicher und überzeugt, dass es Dinge gibt, wo Prävention und ambulante Unterstützung eben nicht helfen und nicht reichen.

 

Und dann diskutieren wir hier wiederkehrend jährlich die Quoten, die Zahlen, wie viele Kinder in Wien fremduntergebracht werden, und sind auch immer wieder großer Kritik ausgesetzt, weil in Ihrem Bild die heile Familie das Beste sein kann. Ich kann Ihnen sagen, es gibt Familien. die sind nicht das Beste für die Kinder, und Familien, in denen Kinder systematisch sexualisierte Gewalt erleben, die lassen sich auch nicht mit ambulanter Begleitung lösen, nur um das als ein Beispiel zu nennen. In diesem Sinn ist es nicht eine Frage der Quote, der Zahlen, der Statistik, der Vergleiche mit anderen Bundesländern, sondern es ist eine Frage des Kindeswohles und dem Schutz der Kinder und Jugendlichen in dieser Stadt. Das werden wir auch zukünftig voranstellen, immer dann, wenn es notwendig ist. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Und liebe Kollegen von der FPÖ, dass das dann auch gegen den Widerstand der Erziehungsberechtigten passiert, liegt in der Sache an sich. Ich gehe davon aus, Sie können wahrscheinlich noch ein paar Geschichten von Eltern erzählen, die unzufrieden damit sind, wenn die MA 11 gegen ihren Willen Kinder fremd unterbringt. Das ist aufgelegt, bin ich versucht zu sagen, das heißt nicht, dass es in diesen Fällen nicht richtig ist und nicht schwerwiegende Gründe gibt, denn sonst macht die MA 11 das nicht. Im Übrigen sind diese Abnahmen auch alle vor Familiengerichten zu bestätigen (Zwischenruf von Abg. Armin Blind.) und müssen dort halten. Es stimmt also überhaupt nicht, wenn sich da der Kollege herstellt und sagt, die MA 11 steht da über den Gesetzen. Das stimmt einfach nicht. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Ich will mich bei dem Thema eigentlich gar nicht weiter an den Freiheitlichen abarbeiten. Wie gesagt, Sie zeigen ja eh Tag für Tag, wo bei der Debatte Ihr Niveau liegt. Ich mache keinen Hehl daraus, dass es mir wirklich ein Anliegen ist, dass wir die MA 11 und die aufgezeigten Problembereiche auch prioritär behandeln, ich glaube, es ist notwendig. Dafür braucht es unser aller Anstrengungen, aber es braucht eben auch einen Prozess, der mit personellen und budgetären Fragen einhergeht. Ich glaube, es führt kein Weg daran vorbei. Und ich glaube, wir sind es den Kindern und Jugendlichen in unserer

 

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