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Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 44 von 53

 

ken, wir wollen die Kindergärten als erste und beste Bildungseinrichtung für Kinder neu denken, dann schaffen wir auch die Möglichkeiten und schaffen wir auch die Strukturen, in den Kindergärten zum Beispiel auch rechtzeitig hineinzuschauen und zu sehen, wo gerade der Bedarf ist, wo es Unterstützung braucht, welche Kinder gerade nicht von zu Hause so unterstützt werden, wo es hapert, wo brauchen die Familien Unterstützung. Daher muss man das sehen und das betrachten. Diese Arbeit und diese Bemühungen in diesem Bereich fallen genauso in unsere Arbeit bei der Kinder- und Jugendhilfe.

 

Darüber hinaus gibt es auch Kinder und Jugendliche - darüber haben wir auch schon gesprochen -, die gewalttätig, die straffällig werden, die oft auch in die Kriminalität abgleiten. Da ist es auch ganz wichtig, dass es Strukturen gibt, die für diese Kinder und Jugendlichen Unterstützung bieten. Das ist eben die Orientierungshilfe in Wien, die wir jetzt implementiert haben, wo wir die straffällig gewordenen Jugendlichen auch unterstützen. Das ist natürlich etwas anderes, das sind auch Kinder, die eine besondere Betreuung brauchen, aber andererseits fällt das genauso unter die Kinder- und Jugendhilfe, die wir in Wien leisten wollen, weil wir auch dieses System dadurch entlasten und hier gezielt Unterstützung angeboten wird. Das ist eben das richtige Hinschauen. Das heißt auch, diese konsequente Verantwortung für alle Kinder unserer Stadt zu übernehmen und ihnen auch die Unterstützung zu bieten, die sie brauchen, wo sie sie gerade brauchen und in welchem Umfeld sie sie brauchen. Deswegen ist es mir auch wichtig hier zu betonen, dass Kinder- und Jugendhilfe nicht isoliert funktioniert, sondern in einem gesamtheitlichen System zu sehen ist und auch so verstanden werden muss.

 

Daher möchte ich zum Schluss betonen, dass der Schutz der Kinder und ihrer Rechte tatsächlich in Wien für uns alle ganz wichtig ist, nicht zu verhandeln ist und dass wir uns dieser Verantwortung sehr bewusst sind, diese Verantwortung auch gemeinsam wahrnehmen und diese Verantwortung auch gemeinsam tragen müssen. - Danke schön. (Beifall bei den NEOS sowie von Abg. Aslihan Bozatemur und Abg. Mag. Josef Taucher.)

 

Präsident Anton Mahdalik: Die Restredezeit beträgt zwölf Minuten.

 

Als nächster Redner hat sich der Herr Abg. Löcker gemeldet. - Bitte sehr.

 

17.24.42

Abg. Theodor Felix Löcker (GRÜNE)|: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin, werte Kolleginnen und Kollegen, geschätzte ZuseherInnen im Stream!

 

Wenn man den NEOS so zuhört, dann bekommt man den Eindruck, ja, es gibt ein paar Missstände, aber wir sind eh dran, das wird schon alles. Die Stadtrechnungshofberichte thematisieren das nicht zum ersten Mal. Ich weiß, Papier ist geduldig, aber wir sind es nicht. Nicht, wenn es um Kinder geht, die keine Lobby haben, nicht, wenn es um Kinder geht, die sich alleine nicht auf ihre Hinterbeine stellen können, dann sind wir nicht geduldig. Dann kann es nicht sein, dass wir weiter zuschauen, sondern dann brauchen wir jetzt, bald und dringend ehrliche und tiefgreifende Reformen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ich möchte jetzt auf ein paar Punkte eingehen, die vorhin in der Beantwortung der dringlichen Anfrage angesprochen wurden, um das Bild zu konterkarieren: Ja, das wird eh schon alles. Die Krisenzentren sind zu großem Maß auf über hundertprozentiger Belastung. StRin Pühringer hat das heute schon ausgeführt, 100 Prozent Belastung heißt Anschlag, das ist das Maximum. Zehn von 19 Krisenzentren sind darüber. Das ist eine fundamentale Krise für die Kinder und für das Personal, das dort arbeitet. Eine Einrichtung musste wegen Personalmangels zu Weihnachten gesperrt werden. Mindestens 40 Kinder und Jugendliche warten in Krisenzentren auf einen Betreuungsplatz mit Sonderbedarf. Im Durchschnitt bleiben Kinder und Jugendliche 13,95 Wochen in den Krisenzentren. Wissen Sie, wieviel eigentlich vorgesehen waren oder als gut befunden würden? - Drei bis vier, stattdessen sind es 14 im Durchschnitt. Das heißt, manche Kinder und Jugendliche sitzen ja auch viel länger dort.

 

Wenn man dem Ganzen jetzt begegnet und sagt, der Personalmangel, der da herrscht, den bekämpfen wir dadurch, dass wir Personal, das sich in Ausbildung befindet, schon in die Arbeit bringen, dann finde ich, ist das auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn eigentlich müssen wir uns damit befassen, dass wir Arbeitsbedingungen für die Leute schaffen, dass sich mehr Leute melden und mehr Leute finden, diesen wirklich wichtigen Job zu übernehmen. Aber das reicht leider nicht aus.

 

80 bis 110 Menschen haben sich als Kriseneltern gemeldet. Am Ende wurden es 21. Auch da muss irgendetwas auf der Strecke geblieben sein. Es ist mir schon klar, dass nicht jede Person, die sich meldet, auch geeignet ist, aber da müsste mehr drinnen sein. Wie viele Kinder wurden zur Krisenabklärung nicht in Krisenzentren, sondern bei MitarbeiterInnen der MA 11 direkt untergebracht, das heißt bei den MitarbeiterInnen zu Hause? - Das waren fünf Kinder. Fünf Kinder mussten von den MitarbeiterInnen, weil kein Platz mehr in den Krisenzentren war, zur Betreuung mit nach Hause genommen werden. Ich habe höchsten Respekt vor den MitarbeiterInnen, die sich da bereit erklären, auch privat Verantwortung zu übernehmen, aber das ist doch ein Beispiel für ein wahnsinniges Versagen des Systems am Rücken dieser Kinder. (Beifall bei den GRÜNEN.) Und wie wurde diese Arbeitskraft kompensiert? - Mit KollegInnen des Teams, das heißt, eigentlich war die Lücke da, und man hat sie halt irgendwie füllen müssen. Und die MitarbeiterInnen, die dann da waren: Ihr werdet das schon schaffen - mit einem Klopfen auf die Schulter. Auch das ist doch nicht respektvoll den Leuten gegenüber, die sich diesen Job zu Herzen nehmen und mit großer Leidenschaft machen.

 

Aber lassen Sie mich noch auf einen Punkt zu sprechen kommen, der uns allen nahegehen sollte. Sie haben ausgeführt, 2023 gab es drei Drogentote in der Obhut der MA 11, 2024 ist diese Zahl auf vier gestiegen. Kennen Sie die Zahl für 2025? - Das sind sieben. Sieben Kinder sind in der Obhut der MA 11 an den Folgen des

 

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