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Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 42 von 53

 

Zweitens auch aus finanziellen Gründen, weil natürlich die Fremdunterbringung die teuerste Form der Betreuung von Kindern ist. Weder die Behörde, noch die einzelnen Kolleginnen und Kollegen und schon gar nicht wir als Stadt, als finanzierende Stelle haben ein Interesse daran, Kinder irgendwo abzunehmen. Dass Sie sich da jetzt hinstellen und basierend auf Hörensagen irgendwelche Einzelfälle vorbringen - Sie wissen ganz genau, die kann man jetzt nicht seriös beurteilen -, das finde ich einfach unredlich und hat hier eigentlich keinen Platz. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Da jetzt doch noch einmal die Dringliche dafür genutzt wurde, um auf die OASE einzugehen und dem, was von Seiten der ÖVP aus dem Stadtrechnungshofbericht abgeleitet wird, bei den von Ihnen behaupteten Insichgeschäften, möchte ich Sie schon noch einmal darauf aufmerksam machen: Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde es gut, wenn man sich Konstrukte anschaut. Ich habe schon vorher geschildert, dass es sehr schwierig ist, entsprechende Immobilien zu finden. Da wurde halt offensichtlich ein Weg gewählt, dass mit einer Stiftung Immobilien angekauft und dann vermietet werden. Das kann man sich anschauen, klar, finde ich auch gut. Nur ich möchte Sie schon darauf aufmerksam machen, dass es eine gemeinnützige Stiftung ist. Und da jetzt herzugehen - wie die Kollegin Greco und vorher schon der Kollege Gorlitzer - und Profitmacherei zu unterstellen, halte ich bei einer gemeinnützigen Stiftung für sonderlich steil. Da wäre ich, ehrlich gesagt, auch ein bisschen vorsichtig. (Beifall bei der SPÖ. - Zwischenruf von Abg. Hannes Taborsky.) - Na, wir werden es eh sehen.

 

Kommen wir zur inhaltlichen Debatte, das ist das, was mich eigentlich viel mehr bewegt in dieser Frage. Ja, die Situation in der Kinder- und Jugendhilfe in unserer Stadt ist schwierig, ist schon lange schwierig und wird auch nicht leichter. Die MA 11 hat seit einigen Jahren besonders große Probleme mit dem Zuzug von vulnerablen Großfamilien, wo, wenn dort eine Krise entsteht, gleich einmal ein ganzes Krisenzentrum durch die Kinder einer Großfamilie belegt ist. Wir haben einen Anstieg von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, nicht nur, aber speziell seit Corona. Wir haben schwere Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Wir haben immer stärker zunehmende Behinderungen.

 

Das sind die Gründe, warum wir deutlich mehr Betreuung brauchen. Wir brauchen mehr ambulante Angebote. Das ist schon oft gefallen, und bedeutet, wir brauchen mehr Geld, und wir brauchen mehr Personal. Wir brauchen insgesamt mehr Krisenzentren und mehr Wohngemeinschaften. Das bedeutet, wir brauchen noch mehr Geld und noch mehr Personal. Und wir brauchen kleinere und spezialisiertere Einrichtungen. Das bedeutet viel, viel mehr Geld und Personal. Das Problem dabei ist, wir haben weder unbegrenzt Geld noch Personal. Also, was tun wir? - Erstens investieren wir auch in Zeiten eines enormen Spardruckes in die MA 11, weil es einfach wichtig ist, weil es nicht anders geht und weil es oberste Priorität hat. Und wir bilden zusätzlich Personal aus, um dem Personalmangel zu begegnen.

 

Zum Antrag der GRÜNEN: Als ich ihn gelesen habe, hat es mich bei der Formulierung "wir brauchen eine komplette Neuaufstellung" ein bissel gerissen. Da habe ich mir gedacht, okay, das finde ich jetzt ein bisschen überbordend. Jetzt habe ich der StRin Pühringer genau zugehört, und ich finde das ehrlich gesagt nicht unspannend, was Sie ausgeführt haben. Ihre Gedanken, die MA 11 auch neu zu denken, vielleicht als Schnittstelle, finde ich interessant. Ich würde mich da gerne noch einmal zusammensetzen und genauer darüber austauschen, es würde mich interessieren. Ich glaube nur, in Ihren Ausführungen selbst widersprechen Sie sich dann dennoch ein bisschen, denn wenn man die MA 11 so komplett neu denkt und neu aufstellt, dann ist das nichts, was wir jetzt sofort und gleich auf den Weg bringen werden, und Selbiges haben Sie auch gefordert, weil Sie ja auch Recht damit haben, dass die Probleme groß sind. Also vielleicht macht beides Sinn, zuerst investieren und dann einmal darüber nachdenken, wie man ein System überhaupt neu denken kann. Das finde ich spannend, da tauschen wir uns bitte einmal darüber aus.

 

Zu Ihrem Antrag inhaltlich: Viele Punkte, das wissen Sie ganz genau, teilen wir. Sie stehen im Regierungsprogramm, insbesondere der Ausbau der ambulanten Angebote. Ich will da besonders die intensive ambulante Krisenarbeit hervorheben, ein Pilotprojekt, das wir seit einigen Jahren in dieser Stadt haben, das hervorragend läuft, wo wir fast 25 Prozent weniger Kinderabnahmen durch einen multiprofessionellen Einsatz direkt in den Familien haben. Das wollen wir wienweit ausbauen. Ebenso werden wir zusätzliche Kleinkinderkrisenzentren schaffen. Heuer kommt noch eines im 2. Bezirk.

 

Wir haben auch noch mehr Sachen im Regierungsprogramm, die Sie in dem Antrag gar nicht fordern, nämlich zum Beispiel eine Weiterentwicklung der Anstellungsmodelle der Pflegeeltern und Krisenpflegeeltern, auch ganz wichtig, auch zur Entlastung der Krisenzentren selbstverständlich und der WGs in weiterer Folge. Wir haben drinnen, dass wir zusätzliche sozialpädagogische, auch sozialtherapeutische Plätze in der Transition schaffen wollen, beim Übergang von der Betreuung in der Kinder- und Jugendhilfe hinein in das Erwachsenensystem, irrsinnig wichtig, damit ein guter Übergang in ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben gelingen kann. Auch darüber hinausgehende Angebote für Care sind vorgesehen.

 

Also wir wissen, was wir brauchen, wir haben es festgeschrieben. Wir haben uns vorgenommen, das zu tun, und wir werden das auch Schritt für Schritt abarbeiten, genauso wie wir heuer schon die ersten Maßnahmen beispielsweise mit dem zusätzlichen Kleinkinderkrisenzentrum setzen. Aber es braucht dafür eben viel, viel mehr Geld und Personal. Das heißt, es wird nicht auf einmal gehen, sondern Schritt für Schritt. Als konkretes Zeichen, dass wir es ernst meinen, haben wir eben in Zeiten massiven Spardruckes im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe für heuer schon 40 Millionen zusätzlich budgetiert, weil das einfach nicht irgendein Bereich ist, sondern die absolut höchste Priorität in unserer Stadt haben

 

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