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Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 37 von 53

 

Das steht in diesem Mail, das uns erreicht hat. Ich glaube, das ist ein Mail, das die Situation tatsächlich, neben all den Zahlen, die wir gehört haben - und ich danke für die Anfragebeantwortung -, sehr gut auf den Punkt bringt und darlegt, warum die Krise der MA 11, der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt, eine Krise, die nicht neu ist, nun in Wirklichkeit ein Ausmaß erreicht hat, in Anbetracht dessen wir nicht länger wegschauen dürfen, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Insofern bin ich sehr froh, dass im heutigen Landtag zum Thema MA 11 unabgesprochen so etwas wie ein Schwerpunkt entstanden ist und dass wir uns mit voller Aufmerksamkeit diesem Problem zuwenden. Das haben nämlich die Kinder, die unter dem Schutz der MA 11 stehen, die besonders schutzbedürftig und in Krisensituationen sind und die mehrfach belastet sind, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MA 11, die in einer Ausnahmesituation sind, wie wir gerade gehört haben, wirklich verdient, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Nun noch einmal zu den Zahlen: Die Zahlen sprechen eine ganz eindeutige Sprache. Wenn wir den Zeitraum zwischen 2022 und 2024 anschauen, dann sehen wir, dass die Zahl der Gefährdungsabklärungen - diesen Terminus haben wir heute schon öfter gehört, dabei geht es darum, dass Gefährdungsmeldungen von der MA 11 nachgegangen wird - von 12 000 auf über 13 000 gestiegen ist, also um mehr als 10 Prozent. Gleichzeitig ist aber die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der MA 11 auf einem historischen Tiefstand. Daran erkennt man schon die Schieflage und sieht, wie sehr dieses gesamte System unter Druck ist. Und das Problem ist, dass immer häufiger zu ganz drastischen Maßnahmen gegriffen wird, weil präventive und ambulante Angebote fehlen. Wir haben heute schon gehört, wie wichtig die Präventivangebote und die ambulanten Angebote sind. Die Zahlen in den Berichten zeigen aber doch, dass diese präventiven und ambulanten Angebote ganz einfach nicht ausreichen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Der Wiener Stadtrechnungshof warnt in dieser Hinsicht seit Jahren beziehungsweise wahrscheinlich sogar seit Jahrzehnten. Ich habe mit Kolleginnen und Kollegen geredet, die schon lange da sind, und sie sagen, dass es diese Stadtrechnungshofberichte, die wirklich dramatische Zustände beschreiben, gefühlt jedes Jahr gibt. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet das: Ruhezeiten werden nicht eingehalten, die Arbeitsbedingungen sind untragbar, insbesondere in Krisenzentren und auch in sozialpädagogischen Wohngemeinschaften. Und das ist kein Randproblem, sondern das geht natürlich immer eins zu eins und ganz direkt auf Kosten der Qualität der Betreuung und letztlich natürlich immer auf Kosten der betroffenen Kinder.

 

Von der Situation in den Krisenzentren haben wir gehört. In der Anfragebeantwortung ist das jetzt vielleicht untergegangen, daher möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf eine Zahl lenken, die jetzt von der Frau Landesrätin auch referiert wurde, die zeigt, dass trotz aller Gegenmaßnahmen diese Krisenzentren chronisch überfüllt sind: 2023 lag die durchschnittliche Auslastung bei 112 Prozent. Anhand der Zahl 112 Prozent können wir schon feststellen, dass sie über den Kapazitätsgrenzen betreffend Jugendlichen und Kindern liegt, die besonders belastet sind. Im ersten Halbjahr 2024 waren es dann rund 120 Prozent, und diese Zahl steigt weiter. Was bedeutet das? - Statt acht hoch belasteten Kindern werden großteils bis zu 13 Kinder in einer Gruppe betreut. Das ist eine fundamentale Überbelastung und eine fundamentale Belastung für alle, für die Kinder und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Nun noch einmal: Worum geht es? - Es geht um einen geschützten Raum, es geht um Schutz für diese Kinder. Es handelt sich hier aber nicht um einen geschützten Raum. Ein Raum mit Gruppengrößen, die die Kapazitäten sprengen, der überbelegt und zu voll ist, ist kein geschützter Raum mehr. Das bedeutet Überforderung für alle Beteiligten, Überforderung für die Kinder, die in Ausnahmesituationen sind, und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die genau diesen Kindern eigentlich Halt geben sollen. Frau Landesrätin, Sie lassen somit einerseits die Kinder im Stich. Sie lassen andererseits aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MA 11 im Stich. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Was wir da sehen, ist keine funktionierende Kinder- und Jugendhilfe mehr, sondern das ist Mangelverwaltung. Meine Kollegin Ursula Berner hat es schon gesagt: Löcher werden notdürftig geflickt, auf der anderen Seite gibt es aber neue Löcher, die daneben aufreißen. Die Prävention kommt zu kurz, und stattdessen wird eigentlich nur mehr Feuerwehr gespielt.

 

Wir haben auch von sieben jugendlichen Drogentoten gehört. Das ist ein dramatischer, furchtbarer Höhepunkt. Die sieben Kinder waren alle unter 18 Jahre alt, sie sind in der Obhut der MA 11 gestanden und sind alle an Drogenkonsum gestorben. Insofern ist es hoch an der Zeit, dass wir den Fokus auf diesen Notstand legen.

 

Wir müssen ganz einfach fragen: Was können wir tun? - Das ist in Wirklichkeit die entscheidende Frage. Es geht nicht darum, was wir irgendwann tun können, sondern was wir gleich tun können. Und die entsprechenden Lösungen, liebe Kolleginnen und Kollegen, liegen auf dem Tisch. Die Lösungen sind bekannt. Es geht um bessere Arbeitsbedingungen für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jeden Tag in einer Situation mit denkbar schlechten Rahmenbedingungen Unglaubliches leisten. Es geht um eine faire Bezahlung. Es geht um Entbürokratisierung und mehr Handlungsspielräume. All das liegt eigentlich auf der Hand.

 

Weiters geht es um den Ausbau von ambulanten und präventiven Angeboten, damit wir nicht immer ganz am Ende zu den absolut schärfsten Mitteln greifen müssen. Es geht um einen Vorrang von Kleinstgruppen statt Groß-WGs. Und auf einer größeren Ebene geht es natürlich auch darum, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auszubilden, die diesen Job machen wollen. Ich selbst weiß: Wenn man mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern redet, stellt man fest, dass es viele gibt, die sich diese allerschwerste Arbeit antun wollen. Diese Menschen gibt es. Sie müssen aber auch Arbeitsbedingun

 

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