Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 28 von 53
begehen können, aber eben auch umweltschonend, ohne Schäden für die menschliche Gesundheit und ohne, dass es eine Katastrophe für Haus- und Wildtiere ist.
Auch heuer hat es in der Silvesternacht wieder teilweise schwere und sehr tragische Unfälle gegeben. Jugendliche haben Finger beziehungsweise eine ganze Hand verloren. Insgesamt gingen in der Silvesternacht 3 500 Notrufe bei der Landesleitzentrale Wien ein. Die Polizei hat 136 Anzeigen erstattet, 2 342 pyrotechnische Gegenstände mussten sichergestellt werden. Die Berufsfeuerwehr Wien musste in der Silvesternacht zu 389 Einsätzen ausrücken, dabei ist ein Feuerwehrmann sogar leicht verletzt worden. Und der in der Stadt entstandene Sachschaden wird von der Wiener Städtischen Versicherung auf rund 1,6 Millionen EUR geschätzt.
Besonders stark leiden da eben auch Haus- und Wildtiere. Die Fachstellen, wie das Veterinäramt der Stadt Wien, die Wiener Tierärztekammer oder das Tierquartier Wien, warnen schon seit Jahren ganz eindringlich vor den Auswirkungen von Böllern und Feuerwerken auf die Tiere. Das Haus des Meeres hat sich heuer sogar gezwungen gesehen, Tiere teilweise umzuquartieren, um sie vor Panikreaktionen, vor Verletzungen und vor akuten Gefährdungen zu schützen.
Ich glaube, dass diese Bilanz des Jahreswechsels 2025/2026 sehr klar verdeutlicht: Pyrotechnik gehört, wenn überhaupt, in die Hände von Profis und nicht in die Hände von Privatpersonen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)
Strengere Regelungen für den Verkauf und das Hantieren mit privaten Feuerwerken fordern deshalb nicht nur ÄrztInnen oder auch der Wiener Polizeipräsident oder die Feuerwehr, sondern auch weite Teile der Bevölkerung. Auch mich haben Schreiben mit dem klaren Ersuchen darum erreicht. Es gibt eine Petition an den Innenminister, und die ist mit Stand jetzt schon von knapp 147 000 Menschen unterzeichnet worden. Und ich hoffe, dass auch der Wiener Landtag sich dafür aussprechen wird. Ich freue mich, dass es von der Stadtkoalition bereits positive Signale der Bereitschaft gegeben hat, dass wir mit dem Antrag im Umweltausschuss an Alternativen zum Jahreswechsel, beispielsweise Drohnenshows oder Lichtshows, arbeiten werden, und ich hoffe da wirklich sehr auf breite Unterstützung von allen Fraktionen, weil ich glaube, es ist einfach wirklich ein dringendes Thema. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)
So, ursprünglich habe ich geplant gehabt, dass ich auch etwas zum Thema Alttextilien sage. Die Umweltanwaltschaft hat im Rahmen der strategischen Umweltprüfung des Wiener Abfallwirtschaftsplanes auch formuliert, dass die Sammlung und Verwertung in der Stadt effizienter werden muss. Mir ist das Thema ein wirklich großes politisches Anliegen. Textilien sind die am stärksten wachsende Fraktion unter allen Abfallfraktionen, da wird ein Wachstum von bis zu 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren erwartet. In Deutschland hat der Bundesminister für Umwelt angekündigt, dass er bis zum Sommer ein Textilgesetz vorlegen wird. Ich glaube, so etwas brauchen wir auch auf Bundesebene in Österreich.
Aber auch in der Stadt Wien können wir vieles dazu tun. Die MA 48 kann stärker in die Sammlung und in die Verwertung gehen, die kann das übernehmen. Die klassischen Sammelsysteme kommen nämlich an ihre Grenzen. Wir können auch nachhaltige Produzenten von Textilien hier in der Stadt vor den Vorhang holen. Da gibt es ganz viele tolle Initiativen.
Ich hätte mehr zu dem Thema vorbereitet, ich werde mich aber aus aktuellem Anlass einem anderen im Bericht genannten Thema widmen, nämlich dem Thema der Pestizidreduktion. Heute Früh ist bekannt geworden, dass das große städtische Weingut Cobenzl die Hälfte der Fläche konventionell, also unter Einsatz von chemisch-synthetischen Hilfsmitteln, bewirtschaftet, während es von der Stadt stets als Biovorzeigebetrieb präsentiert wurde. Ich muss Ihnen sagen, werte KollegInnen, da frage ich mich wirklich: Wie kann so was in einem Betrieb unter städtischer Verantwortung passieren? Wie geht das? Ich hoffe, das frage nicht nur ich mich - das fragen sich übrigens auch die KonsumentInnen -, sondern das fragt sich auch die Stadt. Und ich hoffe wirklich, dass es darauf bald klare Antworten gibt. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Der Schaden ist schon jetzt ziemlich groß. Solche intransparenten Vorgänge fallen nicht nur auf das Weingut selbst zurück, sondern die gefährden auch das Vertrauen der KonsumentInnen in alle anderen BiolandwirtInnen. Und wie kommen die dazu? Die machen das mit großer Sorgfalt, die machen das mit großer Überzeugung und müssen sich jetzt vielleicht rechtfertigen, weil ein großer städtischer Betrieb da offensichtlich nicht entsprechend der Biozertifizierung gehandelt hat.
Bisher ist jetzt immer die Rede vom Veltliner 2024. Ich möchte wirklich an Sie appellieren, werte Stadtregierung: Schauen Sie da ganz genau hin! Uns ist jetzt ein Zertifikat aus dem Jahr 2023 untergekommen, nach dem der Zweigelt am Cobenzl 2023 konventionell produziert wurde. Es gibt aber einen Zweigelt aus dem Jahr 2023, der als Bio verkauft wurde. Ich frage mich: Wie kann das sein? - Die Biozertifizierungen sind sehr komplex. Bitte schauen Sie sich das wirklich ganz genau an! Da dürfen nicht noch andere Dinge hervorkommen, und da darf auch wirklich nichts unter den Teppich gekehrt werden. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Es ist glücklicherweise so, dass immer mehr WienerInnen sich bewusst für nachhaltig und ökologisch produzierte Lebensmittel entscheiden, und da sind solche Biozertifizierungen für sie ein ganz wichtiger Kompass. Wie gesagt: Es ist eine immer komplexer werdende Realität, mit der man es vor den Regalen in den Supermärkten zu tun hat, und wenn dieser Kompass beschädigt wird, dann schadet das wirklich allen, dann schadet das allen Biobauern und Biobäuerinnen, es schadet den KonsumentInnen, und letztlich schadet es natürlich auch unserer Umwelt. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Und eines ist ganz klar: Da liegt die Verantwortung nicht nur beim Weingut selber, sondern auch bei der Stadt als Eigentümerin. Da braucht es rasche Aufklärung, vollständige Transparenz und gegebenenfalls auch sehr deutliche Konsequenzen. Ich möchte abschließend
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