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Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 27 von 53

 

Beispielen verdeutlichen, warum sie auch heute, nach gut zwei Jahren - der Bericht ist von 2024 -, nach wie vor sehr aktuell sind.

 

Ein zentrales Thema, das sich durch den Bericht und auch durch die gesamte politische Arbeit von mir und meiner Fraktion zieht, ist die Bedeutung von Boden. Wir verlieren Tag für Tag wertvolle Flächen. 800 Quadratmeter werden in Wien versiegelt, und das täglich. Das sind Flächen, auf denen Bäume wachsen könnten, Flächen, auf denen Wasser versickern könnte. Flächen, auf denen Lebensraum für Tiere geschaffen oder Erholungsraum für Menschen sein könnte. Und dabei wissen wir längst, dass Boden ein endliches und auch deshalb ein unschätzbar wertvolles Gut ist und dass jeder Quadratmeter, den wir heute versiegeln, morgen eben nicht mehr für Regenwasseraufnahme, für Artenvielfalt und auch zur Temperaturregulierung zur Verfügung steht. Gerade die Klimakrise zeigt uns ja jetzt in jedem Sommer deutlich, wie dringend wir das brauchen.

 

Das führt mich auch schon zu meinem nächsten Punkt. Ich glaube, dass wir uns in diesem Haus über die Bedeutung unserer alten Stadtbäume zumindest in der Theorie einig sind, darüber, dass wir die dringend als Schattenspender in den immer heißer werdenden Sommern brauchen. In der Praxis sieht es aber leider häufig anders aus. Auch hier leistet die Umweltanwaltschaft einen wichtigen Beitrag, nicht nur, wenn es um Verfahren geht, wenn es um Stellungnahmen geht, wenn es um Auflagen geht, sondern auch, wenn es darum geht, dass wir Strukturelles verbessern.

 

Dass es für den Baumschutz immer noch bessere Strukturen und leider nach wie vor immer noch Interventionen braucht, zeigt nicht nur die Arbeit der Umweltanwaltschaft, sondern das zeigt auch der kürzlich erschienene Prüfbericht des Stadtrechnungshofes zum Vollzug von Baumschutz. Der bestätigt unter anderem etwas, worauf wir GRÜNE in Ottakring schon lange hinweisen. Bei der Villa Aurora wurden über 100 Bäume großteils illegal gefällt. Das hätte verhindert werden können, wenn die Behörden dieser Stadt besser zusammengearbeitet hätten. Da wusste die linke Hand nicht, was die rechte macht. Die Hinweise auf die naturschutzrechtlichen Bestimmungen sollten in Zukunft klarer ausgewiesen werden, damit auch diejenigen, die die Fällungsbewilligung bekommen, einfach klare Informationen darüber haben, was sie noch zu tun haben. Dass so viele Bäume im Landschaftsschutzgebiet unwiederbringlich verloren gehen, nur weil schlecht kommuniziert wurde, darf wirklich nicht sein, meine Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Die Umweltanwaltschaft setzt sich unter anderem dafür ein, dass es besseren Schutz von Bäumen bei Bauvorhaben gibt. Vielen Dank dafür. Alte gesunde Bäume dürfen natürlich nicht Opfer von Bauunternehmen werden. Und da möchte ich an dieser Stelle auch ein aktuelles sehr positives Beispiel erwähnen. In Liesing haben sich BürgerInnen und die GRÜNEN für den Erhalt einer 250 Jahre alten wirklich sehr schönen, prächtigen Esche mit großer Leidenschaft eingesetzt. Die war im Zuge eines Bauvorhabens für Luxuswohnungen gefährdet. Da möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Die MA 22 und auch der Stadtrat und sein Büro haben da wirklich sehr rasch reagiert. Die Esche steht jetzt unter einem sehr starken Naturschutz, sie ist ein Naturdenkmal. Und die Stadt hat ebenso wie die AnrainerInnen und auch die Liesinger GRÜNEN weiterhin ein sehr wachsames Auge darauf, dass sie im Zuge der Bauarbeiten nicht beschädigt wird. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ein weiteres Thema, das im Zuge des Berichtes sehr deutlich wird, ist der wirklich drastische Verlust von Artenvielfalt. Da besteht sehr dringender Handlungsbedarf. Und ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für Tierchen brechen, die vielleicht im Auge mancher BetrachterInnen nicht besonders herzig und nicht sehr kuschelig sind, die aber so wichtig für unsere Ökosysteme sind. Deswegen sind sie europarechtlich und auch nach dem Wiener Naturschutzrecht streng geschützt. Es geht um Amphibien. Und die zählen zu den am stärksten bedrohten Arten. Es setzen sich deshalb zahlreiche Ehrenamtliche und auch die grünen Bezirksorganisationen, insbesondere im 14. und im 17. Bezirk, für ihren Schutz und auch für ihre Rettung ein. Die Bedingungen dafür sind häufig widrig. Die sammeln die Tiere, sobald sie zu wandern beginnen, händisch ein, bringen sie über die Straße, damit sie nicht zusammengeführt werden. Das machen sie bei Wind und Wetter, das machen sie teilweise unter gefährlichen Bedingungen im Straßenverkehr und auch unter großer körperlicher Anstrengung. Deswegen möchte ich mich an der Stelle wirklich ganz herzlich bei allen bedanken, die da ehrenamtlich ihre Freizeit zur Verfügung stellen und die Amphibien von einer Seite auf die andere tragen. Vielen Dank dafür. (Beifall bei den GRÜNEN und von Abg. Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA.)

 

Eine wesentliche Erleichterung bei dieser Arbeit wäre - und das wird auch von der Umweltanwaltschaft empfohlen -, wenn es dauerhafte bauliche Lösungen gäbe. Und nach langem Druck der GRÜNEN werden die in Penzing und in Hernals jetzt auch ausgebaut. Da wird es wichtig sein, dass die auch rechtzeitig fertig sind, nämlich dann, wenn die Tiere auf Wanderschaft gehen, und nicht erst danach. Was wir im Zuge der Amphibienrettungen auch festgestellt haben, ist, dass die bestehenden Amphibientunnel und -leitsysteme regelmäßiger geprüft, gewartet und gegebenenfalls saniert und gesäubert werden müssten. Und was wirklich eine Erleichterung wäre, sowohl für die Tiere als auch für diejenigen, die sich dort für ihren Schutz einsetzen und dort unterwegs sind, wäre, wenn zumindest in der Amphibienwanderungszeit Tempo 30 verhängt werden würde. Ich hoffe, dass das hier auf offene Ohren stößt und man vielleicht einmal über diese Lösungen nachdenkt. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Unter anderem mit Bezug auf dieses Themenfeld Artenschutz möchte ich die Gelegenheit dieser Rede heute auch dazu nutzen, einen Antrag vorzustellen. Bei dem geht es darum, dass Menschen, Tiere und Umwelt gleichermaßen geschützt werden. Da geht es nämlich darum, dass wir gemeinsam neue Wege finden, wie wir den Jahreswechsel spektakulär und festlich gemeinsam

 

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