Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 19 von 53
den, um personelle Engpässe zu verringern und eine frühzeitige Bindung an das System herzustellen. Supervision, Coaching und Fortbildung sind als Standard verankert. Das ist wichtig, weil klar ist: Die Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe hängt entscheidend vom Personal ab.
Zusätzlich werden dort neue Maßnahmen geschaffen, wo neue Problemlagen sichtbar werden. Ein Beispiel ist die Orientierungshilfe Wien für unmündige IntensivtäterInnen, ein gezieltes Angebot mit einem Buddy-System, einer aufsuchenden Begleitung im Sozialraum und dem klaren Ziel, Delinquenz früh zu unterbrechen und eine Rückkehr in Schule und Ausbildung zu ermöglichen.
Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe steht unter Druck. Das ist unbestritten. Ebenso klar ist aber: Dieser Druck wird nicht ignoriert, sondern mit strukturellen Verbesserungen nach Prüfberichten, dem konsequenten Ausbau von Plätzen, zusätzlichem Personal, spezialisierten Angeboten und einer klaren Priorität auf Kinderschutz und Qualität aktiv bearbeitet. Darum geht es ja am Ende.
Kinder brauchen Schutz. Sie brauchen Stabilität und ein System, das auch unter schwierigen Bedingungen funktioniert und Schritt für Schritt stärker wird. - Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Als Nächste ist Frau Abg. Berner zu Wort gemeldet. - Bitte.
Abg. Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE): Schönen Nachmittag, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuhörende und Zusehende via Livestream, lieber Vorsitzender!
Es ist die Aktuelle Stunde zur MA 11. Heute gibt es einen MA 11-Schwerpunkttag. Wir werden nachher auch noch eine Dringliche haben, weil auch wir sehen, dass es da einen großen Handlungsbedarf gibt. Ich glaube, Sie haben es eh auch gesehen. Es ist aber unsere Aufgabe als Opposition, das auch herauszustreichen.
Ich würde gleich mit einem Bild anfangen. Die MA 11 sollte eigentlich ein Schutzschirm über den Köpfen der verletzlichsten Kinder in dieser Stadt sein. Heute ist dieser Schutzschirm leider ein löchriger Regenschirm geworden. An verschiedenen Stellen werden die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt durchnässt. Wir können sie nicht überall schützen. Da muss man genauer hinschauen. Da muss man auch Veränderungen schaffen. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Vor Weihnachten haben uns verzweifelte MitarbeiterInnen geschrieben, dass die Dauerkrise in den Krisenzentren jetzt zu einem akuten Notfall geworden ist. Es gab einen Aufnahmestopp für Kinder und Jugendliche. Das heißt, ausgerechnet zu Weihnachten waren die Kapazitäten erschöpft. Die Kinder wurden sogar aufgefordert, bitte bei ihren Schulkollegen einen Schlafplatz zu suchen, weil im Krisenzentrum kein Platz mehr für sie war. Das ist eine katastrophale Situation. Deshalb haben wir eine Dringliche Anfrage geschrieben. Die Details werden wir am Nachmittag noch ein bisschen ausführen. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Wir wissen auch, dass es eine anstrengende Situation ist. Wir wissen, dass die Gefährdungsabklärungen gesteigert wurden. Wir haben auch mehr Bevölkerung in Wien. Das ist klar. Gleichzeitig haben Sie jetzt gesagt, Sie haben wieder MitarbeiterInnen zugekauft. Das ist gut. In unserem Betrachtungszeitraum ist aber auch die Anzahl an MitarbeiterInnen gesunken. Das macht es natürlich nicht leichter.
Wir wissen auch, dass die Krisenzentren schon im ersten Halbjahr 2024 zu 120 Prozent belegt waren. Das heißt, statt acht Kindern waren dort 13 Kinder. Sie wissen auch, die Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind auf Matratzen untergebracht worden. Das kann so nicht funktionieren. Wir brauchen da eine dringende Verbesserung. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Sie wissen, wie dieser Überbelag entsteht. Im Krisenzentrum sammeln sich die Gefährdungsabklärungen. Gleichzeitig gibt es leider eine lange Warteliste für Kinder, die keinen geeigneten Platz in den Einrichtungen finden. Da geht es auch sehr viel um behinderte Kinder, aber nicht nur. Gleichzeitig ist das die Rückführungsstelle, wenn Kinder in den WGs in den Einrichtungen der Stadt keinen Platz mehr finden oder nicht mehr dort sein können.
Das heißt, dort sammeln sich ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Das muss zu einer Überforderung der Mitarbeiter führen. Statt eines geschützten Raumes haben wir dort jetzt einen überfüllten Wartesaal. Statt drei bis vier Wochen sind die Kinder mehrere Monate dort, weil es keine geeigneten Plätze in den Einrichtungen der Stadt Wien gibt. Das bringt auch das Personal, die engagierten Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, extrem unter Druck.
Der Stadtrechnungshof warnt seit Jahren, dass Ruhezeiten nicht eingehalten werden und dass die Arbeitsbedingungen besonders in den Krisenzentren und in den sozialpädagogischen WGs zunehmend untragbar geworden sind. Der dauerhafte Personalnotstand in der MA 11 und ihren Einrichtungen sowie die überbordenden Aufgaben für die MitarbeiterInnen lassen kaum eine vertiefende Beziehung mit einzelnen Kindern und Jugendlichen zu. Statt langfristig und nachhaltig Beziehungen aufzubauen, bleibt den engagierten MitarbeiterInnen meist nur, in Notfällen die Feuerwehr zu spielen.
Das ist sehr schade. Denn die Leute arbeiten dort, weil sie wirklich empathisch sind und etwas an der Situation verbessern wollen. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Was wir sehen, ist leider eine Mangelverwaltung. Löcher werden notdürftig gestopft, und gleich daneben bricht ein neues Loch auf. Das ist zu wenig.
Wien braucht eine Kinder- und Jugendhilfe, die wieder eine Schutzinsel für Kinder- und Jugendliche ist statt nur ein Notpflaster. Wir brauchen eine Neuaufstellung der MA 11. Das heißt bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung, Entbürokratisierung und echte Handlungsspielräume sowie Ausbau von ambulanten Angeboten, sodass den Familien auch schon geholfen werden kann, bevor die Krise eskaliert.
Viele Familien würden sich freuen, wenn sie Unterstützung bekommen würden, um ihre Schwierigkeiten zu
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