«  1  »

 

Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 26 von 28

 

Wie auch immer. Ja, es gibt viel zu tun für Sie. Fünf Jahre sind Sie jetzt schon in der Verantwortung, vielleicht fangen wir jetzt im Jahr Nummer 6 mit dem Arbeiten an. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Zum Schluss noch eine Bitte im Interesse aller, weil das diese Woche auch immer wieder Thema ist: Räumen Sie bitte mit den Fördermissständen auf! Kein Mensch da draußen versteht - und ich glaube, Sie auch nicht, das versteht nämlich wirklich keiner! -, dass man mit Luxushandtaschen, Flügen nach Istanbul und überhöhten Gehältern für Obleute im Kindergartenverein nicht aufräumt. Ich glaube Ihnen, wie gesagt, dass Sie das auch so sehen. Ich weiß aber nicht, ob Sie es schaffen werden, damit aufzuräumen, das wäre jedoch dringend an der Zeit.

 

Ich schließe mit einem Zitat, das zu Ihrer Grundsatzrede sehr gut passt. Ich zitiere jetzt Goethe oder eventuell auch Dolores Bakos, ich weiß es nicht: "Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." - Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP).

 

Präsident Anton Mahdalik: Die Restredezeit beträgt fünf Minuten.

 

Zu Wort gemeldet hat sich Frau Abg. Aslan. - Bitte sehr.

 

11.25.39

Abg. Mag. Berivan Aslan (GRÜNE)|: Herr Vorsitzender!

 

Ich spreche jetzt nicht als Bildungsexpertin, sondern vielmehr als eine, die auch selbst diese ganze Laufbahn durchgemacht hat. Als ich mit sechs Jahren in die Schule gekommen bin, habe ich neben zwei fließend beherrschten Sprachen noch gebrochen Deutsch gesprochen. Es war nämlich sehr spät bis ich in den Kindergarten gekommen bin.

 

Nach 35 Jahren gehen meine beiden Kinder in den Kindergarten - und zwar nicht in einen städtischen Kindergarten, denn im städtischen Kindergarten gab es keinen Platz in Kleinkindergruppen. Deswegen mussten wir ausweichen auf einen privaten Kindergarten. Ich habe dann gemerkt, dass meine Kinder, die schon im Alter von einem Jahr mit dem Kindergarten angefangen haben, mittlerweile teilweise viel besser Deutsch können als deutschsprachige Kinder, die sehr spät, also mit drei Jahren, mit dem Kindergarten angefangen haben.

 

Und meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass wir auch nach meiner Kindergartenlaufbahn vor 35 Jahren immer noch über die gleichen Herausforderungen sprechen. Wir sprechen immer noch darüber, wie schlecht nicht deutschsprachige Kinder in den Schulen Deutsch reden. Das ist meines Erachtens ein systematisches, integrationspolitisches Versagen und auch ein Bildungsversagen, das schon jahrzehntelang andauert.

 

Heute stehen wir wirklich an dem Punkt, dass wir über frühkindliche Betreuung reden. Auch ich bin der Meinung, dass frühkindliche Betreuung sehr wohl eine Frage der Gerechtigkeit darstellt. Ich bin auf Grund meiner Erfahrungen und auf Grund der Probleme, die Kollegin Malle und Kollege Stadler heute dargelegt haben, überzeugt, dass die Missstände im elementaren Bildungsbereich darauf zurückzuführen sind, das ganz einfach sehr wenig gemacht wird - und zwar gerade in den Bezirken, wo die Zahl der nicht deutschsprachigen Kinder am höchsten ist.

 

Wir sagen jetzt nicht: Bitte erfindet das Rad neu. Es gibt aber sehr wohl Länder, die uns entsprechende Vorgangsweisen schon vor 40 oder 50 Jahren vorgemacht haben, wie zum Beispiel Schweden. Ich kann mich noch gut erinnern: Vor 35 Jahren konnten meine gleichaltrigen Cousins und Cousinen viel besser Schwedisch sprechen als ich Deutsch, als ich mit der Schule angefangen habe. Das hat schlicht und einfach damit zu tun, dass sie sehr früh in der Kinderbetreuung waren, ich hingegen relativ spät. Ich bin erst mit vier oder fünf Jahren in den Kindergarten gekommen.

 

Heute merke ich, wie wertvoll ein früher Kindergarteneintritt für nicht deutschsprachige Kinder ist, denn teilweise können ja ihre Eltern auch nicht Deutsch. Die Probleme haben damit zu tun, dass wir damals auch ein massives Versagen im integrationspolitischen Bereich hatten. Im Hinblick darauf muss man den Korb beziehungsweise die Verantwortung auch ein bisschen der ÖVP geben, die jahrzehntelang das Integrationsministerium innehatte und Integrationspolitik betrieben hat.

 

Heute ist es nicht anders. Heute reden wir immer noch über mangelnde Deutschkenntnisse, über eine nicht flächendeckende Zahl von Deutschkursen oder über qualitativ nicht entsprechende Deutschkurse. - Das kann so nicht funktionieren. Man kann da nicht einfach die Verantwortung zu den Kindern oder Eltern schieben. Vielmehr ist das ein Systemversagen, bei dem alles irgendwie zusammenhängt. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

All das kann nur funktionieren, wenn wir uns auf allen Ebenen einsetzen. Das heißt, wenn man sich aufregt, dass wir zu wenige Pädagoginnen oder Pädagogen in diesen Bereich haben, dann muss man halt die Kollektivverträge erneuern. Ich denke jetzt gerade auch im Sinne der Gleichberechtigung, weil mehrheitlich Frauen in diesen Bereichen arbeiten. Man muss es schaffen, diese Jobs so lukrativ zu gestalten, dass sie auch wertgeschätzt und wirklich angenommen werden. Diese Jobs sollen sozusagen nicht nur reine Frauenjobs bleiben, sondern wir müssen uns auch im Sinne einer gleichberechtigten Gesellschaft und einer guten Entlohnung mehr ins Zeug legen.

 

Wenn wir darüber reden, dass nicht deutschsprachige Kinder immer noch nicht Deutsch können, wenn sie in der Schule sind, dann muss man halt auch anderswo ansetzen. Dann muss man schauen, in welchen Bezirken die Zahl der nicht deutschsprachigen Kinder am höchsten ist. Diese Bezirke kennt man. Dort muss man auch einen Bereich von Kleinkindergruppen aufbauen und darauf achten, dass möglichst viele nicht deutschsprachige Kinder so früh wie möglich, etwa ab dem ersten Lebensjahr, die Möglichkeit haben, in den Kindergarten zu kommen.

 

Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber man muss die Hürden abbauen, die es in diesem Bereich gibt. Solche Hürden bestehen nämlich. Wenn ich heute mein Kind in eine Kleinkindergruppe schicken will, dann muss ich sehr wohl darlegen, ob ich beschäftigt bin oder nicht. Das gilt für beide Elternteile. Es ist jedoch komplett ab

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular