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Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 24 von 28

 

Das ist kein Deutschtest! Das ist ja total absurd! Jeder, der Kinder kennt - das ist mir klar, denn ich habe eine dreijährige Nichte -, weiß, wie das abläuft, wenn jemand von der Behörde kommt, was dann übrigens der Fall sein müsste, weil so etwas nicht ohne Bescheid geht. Das heißt, es würde dann jemand von der MA 11 kommen, um meine dreijährige Nichte zu testen, eine fremde Person, die sie nicht kennt. Meine Nichte ist übrigens sehr klug und sehr gut entwickelt, aber ich schwöre Ihnen: Sie würde zwei Stunden nicht antworten. So verhalten sich nämlich Kinder in diesem Alter ganz oft, wenn fremde Personen kommen. Im Hinblick darauf ist das ganz einfach völlig sinnlos, würde ich sagen.

 

Zur Kindergartenbesuchspflicht wurde, wie ich meine, auch ein ganz spannender Antrag eingebracht. Wir haben seit 2017 ÖVP-Bildungsminister, das habe ich hier auch schon mehrfach erwähnt. Warum haben Sie denn diese Forderung nicht gestellt? - Jetzt wollen Sie ein drittes verpflichtendes Kindergartenjahr. (Abg. Harald Zierfuß: Wir haben die Forderung gestellt!) Dann hätten Sie es doch umgesetzt! (Beifall bei der SPÖ.)

 

Jetzt kommt die Frage: Was tun wir? Was kommt jetzt? - Es kommt ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr. Jetzt fordert die ÖVP aber plötzlich ein drittes, hat aber nie ein zweites umgesetzt. All das ist nicht besonders nachvollziehbar. (Abg. Harald Zierfuß: Wie geht das zusammen in Ihrem Kopf?)

 

Zur Einladung der Kindergartenkinder mit Sprachförderbedarf zu einer Erhöhung von 20 auf 30 Stunden: Ja, es ist eine Einladung, dazu bräuchte es allerdings eine gesetzliche Regelung. Das ist eine sehr gute Idee, es wird etwas getan. Ein neues Fördersystem, über das wir gestern gesprochen haben, muss in Zukunft auch den klaren Auftrag für Sprachförderung beinhalten - und zwar auch für alle privaten Kindergärten. Und ich nehme jetzt auch noch den Auftrag für Inklusion auch in allen privaten Kindergärten mit.

 

Der Ausbau der Sommerdeutschförderkurse ist ein sinnvoller Ausbau, denn es werden gezielt jene Kinder eingeladen, die jetzt bei den Einschreibungen auffallen, bei denen man sieht, dass sie Sprachförderbedarf haben. Das ist eine sehr sinnvolle Maßnahme. Wir bekommen die Sommerschule mit Deutschförderung. Und es kommt jetzt endlich das Chancenbonusprogramm, was mir überhaupt sehr wichtig ist. Dieses wurde übrigens in großen Teilen von der Arbeiterkammer ausgearbeitet, die das seit Jahren fordert. Wir bekommen Ressourcen dort, wo Herausforderungen groß sind. Es ist nämlich ganz klar: Man braucht Personal für Sprachförderung. Gott sei Dank kommt das durch das Chancenbonusprogramm jetzt nach Wien - und zwar dorthin, wo wir es brauchen. Wien hat ja immer die größten Herausforderungen für diese Republik gestemmt.

 

Damit fällt endlich die Deckelung bei der Deutschförderung. Auch da kommen endlich die Ressourcen zu uns, also dorthin, wo sie sein müssen. (Abg. Harald Zierfuß: Sie besetzen die Planstellen eh nicht!) Auch das ist ein wesentlicher Schritt. Und auch das ist nicht unter Ihren Ministern passiert, wie ich festhalte, weil Sie schon wieder reinrufen.

 

Wir haben ab kommendem Schuljahr endlich die Möglichkeit, autonome Sprachfördermodelle zu fahren, die für Kinder entsprechend der jeweiligen Situation individuell anpassbar sind - und diese segregativen Deutschförderklassen fallen.

 

Insgesamt tut sich da also sehr viel. Und ich möchte so enden, wie ich begonnen habe: Schauen wir uns bitte sinnvolle Modelle zur Sprachförderung an! Gehen wir das Ganze evidenzbasiert und wissenschaftsgeleitet an! Bildung ist nämlich zu wichtig für politische Spiele. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Präsident Anton Mahdalik: Als nächster Redner hat sich Herr Abg. Mayer gemeldet. - Bitte sehr.

 

11.15.09

Abg. Lorenz Mayer (ÖVP)|: Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Präsident!

 

Ich werde auf meine direkte Vorrednerin jetzt nicht eingehen, denn das, was man da alles aufräumen müsste, geht sich in 15 Minuten nicht aus. Ich glaube aber, im Hinblick darauf, was davor und auch in der heutigen Debatte schon erwähnt wurde, und auch in Anbetracht der Zahlen ist klar: Die NEOS haben ihr Ressort nicht im Griff. Es knirscht an allen Ecken und Enden, meine sehr verehrten Damen und Herren. ((Beifall bei der ÖVP.)

 

Wir werden in dieser Woche noch bei zahlreichen Gelegenheiten über das Kontrollversagen bei Kindergartenvereinen und Fördergeldmissbrauch sprechen. Kommen wir nun aber zu dem Thema, bei dem die Zahlen eine ganz klare Sprache sprechen. 50,9 Prozent, also mehr als die Hälfte aller Schulanfänger, beherrschen so schlecht Deutsch, dass sie den Lehrer nicht verstehen. Und von diesen außerordentlichen Schülern ist mehr als die Hälfe bereits in Österreich geboren. Sie rauben damit den Kindern und einer ganzen Generation die Zukunft, einer Generation, die nichts anderes erlebt hat als NEOS-Bildungspolitik. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Kollege Taborsky ist schon darauf eingegangen, warum das so relevant ist auch für den Standort Wien, denn das sind ja dann natürlich die Mindestsicherungsbezieherinnen und Mindestsicherungsbezieher von morgen. Wenn man etwas nicht in einer Stadt braucht, dann sind es viele Mindestsicherungsbezieher, sondern wir brauchen viele Arbeitskräfte.

 

Es wird vielleicht noch spannender, wenn man sich diese Zahlen im Hinblick auf die Bezirke anschaut, dann wirken diese Zahlen nämlich noch desaströser. In sieben Wiener Gemeindebezirken sind es bereits deutlich mehr als 50 Prozent der Taferlklassler, die so schlecht Deutsch sprechen, dass sie den Lehrer nicht verstehen. Ein Spitzenwert aus Margareten: 76 Prozent in einer Schulklasse von 22 Schülern, also nur fünf, verstehen den Lehrer. - Ich gratuliere NEOS zu diesem Erfolg! (Beifall bei der ÖVP.)

 

In Ottakring, Favoriten und in der Brigittenau sind es immer noch 70 Prozent. Vielleicht ist Favoriten jetzt sogar ein ganz gutes Stichwort, weil Frau Kollegin Bakos vorhin vom Chancenbonus, einem weiteren NEOS-PR-Gag, gesprochen hat. Ich habe mir das vorher kurz durchgelesen. Das Ziel war bedarfsorientierte, faire Ressourcenverteilung. Und was ist das Ergebnis? - Der Effekt für Favoriten war, dass jede Favoritner Schule

 

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