Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 23 von 28
Kinder lernen Sprache, wenn sie in eine aktive Sprachproduktion kommen und nicht passiv zuhören. Auch das ist ganz wesentlich für den Spracherwerb. Deshalb, meine Damen und Herren, funktionieren isolierte Deutschförderklassen nicht. Sie können nicht funktionieren. Diese Methode ist sehr schlecht für die Sprachentwicklung von Kindern. Sie hindert die Kinder tatsächlich eher am Erlernen der deutschen Sprache. Vielmehr braucht es gezielte Förderung durch Sprachförderkräfte. Ja, dafür braucht es Personal, und es braucht gute diagnostische Kompetenzen. Doch leider war Deutsch als Zweitsprache bisher nicht einmal in der LehrerInnenausbildung im Curriculum integriert. Das soll sich jetzt aber ändern, und das ist gut so, denn das ermöglicht dann wirklich sprachsensiblen Regelunterricht in allen Unterrichtsfächern.
Ich wiederhole das noch einmal, denn Wiederholungen sind wichtig: Kinder brauchen Inhalte, um eine Sprache zu erlernen. Und ich habe es hier schon einmal gesagt: Wir setzen das im Fremdsprachenunterricht beim Erlernen der englischen Sprache ganz gezielt ein, dass wir an Inhalten arbeiten. Das nennt sich Clil. Das bedeutet, dass zum Beispiel auf Englisch Biologie unterrichtet wird, damit die Kinder an Inhalten lernen. Beim Erlernen der deutschen Sprache isolieren wir jedoch die Kinder, und das ist nicht besonders sinnvoll.
Noch ein wesentlicher Punkt, damit das funktionieren kann: Nur Sprachförderkräfte helfen nicht. Es braucht auch eine gute Zusammenarbeit zwischen Klassenlehrperson und Deutschförderkraft. (Zwischenruf von Abg. Harald Zierfuß.) - Ich komme schon noch dazu, ich habe ein bisschen Zeit.
Was hatten wir in den letzten Jahren? - Deutschförderklassen, Segregation, kein Lernen am Gegenstand. Es hat diese Deutschförderklassen gegeben ohne Evaluierung. Das ist mir so wichtig, weil Herr Zierfuß darauf so eingegangen ist. Es gab keine wissenschaftliche Evaluierung dazu. - Ein Schelm, wer Böses denkt! Wer wollte das evaluieren? - Es gab eine Befragung von Schulleitern, Schulleitungen und LehrerInnen. Dabei ist das Ganze nicht besonders gut weggekommen. (Abg. Harald Zierfuß: Das Ergebnis ist wichtig.)
MIKA-D - das ist die Sprachstandsfeststellung - wurde als teilweise nützlich empfunden, die Deutschförderklassen wurden hingegen sehr kritisch betrachtet. Ich spreche jetzt noch nicht einmal von all den kritischen Bemerkungen von Sprachwissenschaftlern. Das hat auch schon Ihr Minister Faßmann gewusst, der das so formuliert hat: "Nicht hinter jeder politischen Entscheidung gibt es eine wissenschaftliche Fundierung." (Zwischenruf von Abg. Harald Zierfuß.)
Mehrsprachigkeit ist beim Deutscherwerb eine Ressource, auch wenn das heute wieder kleingeredet wurde. Die Erstsprache muss erlaubt werden, und sie muss wertgeschätzt werden. Sie darf nicht als Hindernis gesehen werden, sondern als Hilfe, um die neue Sprache zu erlernen. Die Erstsprache hilft - und das ist sehr wichtig in einer Bildungslaufbahn - beim Verstehen von Aufgaben. Sie ist Teil der Identität der Kinder.
Jetzt kommen wir vielleicht wieder zu dem Punkt, in dem wir einig sind: Das Ziel bleibt Deutsch lernen, der Weg dazu darf aber ein mehrsprachiger Weg sein. (Abg. Mag. Dietbert Kowarik: Wer zahlt's?) Was wird uns eingeredet? (Abg. Mag. Dietbert Kowarik: Keine Antwort!) Pausensprache Deutsch. Pausensprache Deutsch ist aber völlig konterproduktiv, nicht hilfreich, schädlich für die Kinder. Das sind die Lösungen der FPÖ. (Zwischenruf von StR Stefan Berger.)
Noch ein wichtiger Punkt, der sowohl den Kindergarten als auch die schulische Bildung betrifft. Ein wesentlicher Hebel sind immer die Bildungspartnerschaft und die Elternarbeit, ohne das geht es nicht. Es wird nicht zu besseren Ergebnissen führen, wenn man einem Elternteil nur sagt: Ihr Kind kann nicht Deutsch, wiederholt jetzt die Klasse, ist schlecht, kann nichts. - Das ist nicht besonders hilfreich. Vielmehr müssen die Eltern eingebunden werden, müssen ihnen Möglichkeiten dazu gegeben und muss aufzeigt werden, wie sie mit ihren Kindern lernen können, wie sie sie unterstützen können und ihnen auch die entsprechende Wertschätzung geben. (Zwischenruf von Abg. Hannes Taborsky: Das ist Pflichtschullehrerkompetenz!)
Betreffend die Anträge, die da gestellt wurden, wurde mir gesagt … Ich bin jetzt offenbar ganz falsch unterwegs. (Abg. Maximilian Krauss, MA: Ganz genau!) In einem Antrag, der gestellt wurde, heißt es: Kein Besuch des Regelunterrichtes ohne ausreichende Deutschkenntnisse. (Zwischenruf von Abg. Maximilian Krauss, MA.) Man weiß ganz genau: Kinder brauchen Inhalte, um eine Sprache zu erlernen. Daher ist das kontraproduktiv und bringt nichts.
Ein weiterer Antrag der FPÖ betrifft das Verbot von gemischtsprachigen Klassen. Was "Verbot von gemischtsprachigen Klassen" bedeuten soll, ist mir sowieso völlig rätselhaft. (Zwischenruf von Abg. Maximilian Krauss, MA.) Ich meine, das bedeutet brutale Segregation, schafft Hürden, ist nicht hilfreich. Man möchte fast meinen, die FPÖ stellt Anträge, um ganz sicher zu verhindern, dass Kinder die Möglichkeit haben, Deutsch zu lernen. Und das möchte ich nicht zulassen (Beifall bei der SPÖ. - Abg. Michael Niegl: Die Kinder müssen schon zu Hause Deutsch lernen.)
Ein Schelm, der Böses denkt. (Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ.) Ein Schelm, der Böses denkt. (Abg. Michael Niegl: Ich habe nur gewartet, bis der Applaus endet! Wir genießen es!) Was soll ich sagen? - Die Aufregung da drüben ist wieder sehr groß. Das wundert mich nicht! Ich glaube tatsächlich, dass das System hat.
Bezüglich Sprachstandsfeststellung für Dreijährige sind sich ÖVP und FPÖ wieder ganz einig: Das brauchen wir. Es wird der Bildungsplan zitiert. Das finde ich überhaupt sehr entzückend. Der Bildungsplan meint nämlich damit, festzustellen, ob eine altersadäquate Sprachentwicklung stattgefunden hat - und zwar bei allen Kindern. Selbstverständlich wird das im Kindergarten angeschaut. Dabei geht es besonders um Tonalität und um die Frage, ob das normal abläuft. (Zwischenruf von Abg. Lorenz Mayer.)
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