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Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 22 von 28

 

Sie hier vor Jahren umgedacht und eigene Fehler zugegeben, dann hätten wir diese massiven Missstände heute nicht in dieser Form. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, jetzt liegt eben diese ÖVP-Idee am Tisch, drei Jahre verpflichtender Kindergarten. Vor einigen Jahren ist damals die SPÖ damit gekommen und hat den Gratiskindergarten eingeführt, eine grundsätzlich richtige Idee, allerdings schlecht umgesetzt, sonst hätten wir ja nicht all diese Probleme mit den privaten Trägern. Dann ist das verpflichtende Kindergartenjahr gekommen, jetzt gibt es dann ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, die ÖVP will ein drittes verpflichtendes Kindergartenjahr. Tatsache ist, dieser Kindergarten, wie er in Wien umgesetzt ist, funktioniert nicht. Es ist egal, wie lange Kinder in diesem falschen Modell drinnen sind, wenn am Ende viele von denen, die bereits drei Jahre freiwillig im Kindergarten waren, dann in die Volksschule kommen und trotzdem nicht genug Deutsch können. Das ist der Beweis dafür, dass auch dieser ÖVP-Vorschlag nicht richtig ist, nicht notwendig ist, sondern wir im Gegenteil endlich unser freiheitliches Modell von Sprachstandsfeststellungen mit Konsequenzen ab dem dritten Lebensjahr brauchen. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Es ist ja auch ganz interessant, dass dann gesagt wird, das geht nicht, man kann ja nicht Dreijährige testen, ob die schon ein bisschen Deutsch verstehen, das ist ja unmöglich. Das haben wir heute oft gehört, das haben wir in der Vergangenheit oft gehört: Das geht nicht, das kann man nicht machen, das darf man nicht! - Das ist aber dann ganz interessant, wenn man in die aktuelle Version des Wiener Kindergartengesetzes hineinblickt, dann ist das selbstverständlich unter § 3 festgeschrieben: Im Kindergarten sind für nicht schulpflichtige Kinder von Fachkräften oder sonstigem zur Sprachförderung qualifizierten Personal Sprachstandsfeststellungen durchzuführen. - Das heißt, genau das, was wir jetzt verpflichtend fordern und sanktionieren wollen, wenn es keine positiven Ergebnisse gibt, das steht schon in Ihrem Wiener Kindergartengesetz, wird nur von Ihnen einmal nicht umgesetzt und nicht sanktioniert. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Ich sehe ja schon, dass wir in einigen Jahren wieder hier stehen und darüber diskutieren werden, dass, wenn wir damals - also heute - diese freiheitliche Forderung umgesetzt hätten, viele Probleme im Vorhinein abgefedert werden und viele Bildungskarrieren besser hätten starten können.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie von der SPÖ, Sie versagen seit Jahrzehnten im Bildungsbereich, und von den NEOS seit mittlerweile gut sechs Jahren. Wenn Sie heute dastehen und sagen, wir leugnen die Probleme ja eh nicht, wir erkennen sie, dann muss man einfach festmachen, nach sechs Jahren ist das Erkennen von Problemen zu wenig. Nach sechs Jahren von einem gescheiterten Bildungsstadtrat Wiederkehr, der dann an Sie, Frau Emmerling, übergeben hat, ist das einfach zu wenig. Sie haben wahnsinnig viel versprochen, den Eltern, den Kindern, den Lehrern - und am Ende überhaupt nichts gehalten. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Präsident Anton Mahdalik: Die Restredezeit beträgt sieben Minuten.

 

Als nächste Rednerin hat sich die Frau Abg. Pany gemeldet. - Bitte sehr.11.00.02

 

Abg. Astrid Pany, BEd, MA (SPÖ)|: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Landesrätin, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und Zuseher!

 

Diesbezüglich sind wir uns einig, und ich glaube, dass das der einzige Punkt ist, in dem wir uns hier wirklich alle einig sind: Wir brauchen eine gute Sprachförderung. Wir wollen, dass Kinder eine Chance haben, unsere Sprache gut zu erlernen. Und warum wollen wir das? - Weil wir wissen, dass diese Kinder nur dann Bildungschancen und die Möglichkeit haben, eine gute Bildungslaufbahn zu durchlaufen und eine gute Ausbildung zu erhalten. Gute Deutschkenntnisse ermöglichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt und Teilhabe.

 

Hinsichtlich der Lösungen sind wir uns aber nicht so einig. Ich glaube, dass gute Lösungen Ehrlichkeit brauchen. Bildung ist tatsächlich viel zu wichtig für politische Spiele. Sie sollte evidenzbasiert und wissenschaftsgeleitet funktionieren. Und das vermisse ich im Moment am meisten.

 

Was muss gute Sprachförderung mitbringen? Was braucht gute Sprachförderung? - Es braucht eine Zusammenarbeit aus institutioneller, gezielter Förderung wie Unterricht, es braucht aber auch Haltung, und es braucht einen hohen Grad an Professionalität.

 

Was meine ich … (Zwischenruf von StR Stefan Berger.) - Ich weiß nicht, warum Sie immer dazwischenrufen. Ich brauche nur anfangen zu reden, und schon kommt aus der Ecke von ÖVP und FPÖ irgendein Zwischenruf. (StR Stefan Berger: So funktioniert Parlamentarismus.) Hören Sie doch einfach einmal zu! Ich bin überzeugt, auch Sie können noch etwas lernen. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Zwischenruf von Abg. Harald Zierfuß.)

 

Sprachförderung ist … (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Es hört nicht auf. Ich warte einfach ein bisschen, bis Sie sich beruhigt haben.

 

Gut. Sprachförderung ist die Aufgabe aller Pädagoginnen und Pädagogen und nicht nur Aufgabe der Sprachförderkräfte. Sprachförderung gehört geplant und braucht ganz klare Sprachziele und Wiederholungen. Das kann in jeder Stunde geschehen. Das ist der wesentliche Teil; ich bin jetzt ein bisschen bei der Schule. Das kann in jeder Stunde passieren. Es geht im Bildungskontext immer um Bildungssprache, nicht um Alltagssprache, und deshalb ist es so wesentlich, dass das in allen Unterrichtsfächern passiert. Das bedeutet, das kann in Musik passieren, es kann in Mathematik passieren, das kann im Sport und auch im Sachunterricht passieren. Das ist sehr wichtig, und darum betone ich das so ausführlich, weil Kinder Sprache am besten durch Inhalte und nicht isoliert lernen. Das ist der ganz, ganz wesentliche Punkt. Sie müssen Sprache an Inhalten lernen, denn nur dann ist Spracherwerb möglich. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

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