Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 20 von 28
idealisierte Welt gäbe, und möglicherweise gibt es das an einigen Standorten, aber an ganz vielen nicht. Wir haben im Kindergarten hospitiert, und da hat sich uns - Judith Pühringer, Felix Stadler und mir - ein komplett anderes Bild gezeigt. Es ist leider einigermaßen redundant, worüber wir heute wieder diskutieren müssen, aber es ist auch notwendig, denn es ist Tatsache, dass mit den NEOS in der Bildung in Wien seit sechs Jahren alles schlechter und nichts besser wird.
Und ja, Kollegin Bakos, weil Sie hier auch mit einem Goethe-Zitat geantwortet haben, meinen wir, dass ein anderes Zitat von Goethe auch ganz gut dazu passen würde - und zwar: "Weil du sie [die Augen] offen hast, glaubst du, du siehst." Und ich glaube Ihnen sogar, dass Sie was sehen. Aber dass Sie nichts lösen, das ist das Problem. Wissen Sie, was wir von Ihnen sehen? - Wir sehen Verantwortungsabgabe und Problembewunderung seit sechs Jahren. Ein Kind, das heute sechs Jahre alt ist, sieht oder kennt nichts anderes als die NEOS in der Bildungspolitik, es gab noch nichts anderes für dieses Kind. Deshalb finde ich dieses immer, die ÖVP war fast 40 Jahre in der Regierung, auch ein bisschen peinlich, denn die Verantwortung in Wien liegt ganz klar bei Ihnen. Und ein sechs Jahre altes Kind trägt leider die Konsequenzen für dieses Trauerspiel der NEOS. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)
Es geht also um die Frage, ob Wien endlich bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, über Bildungsfestivals und PR-Maßnahmen hinaus, denn in diesem Bereich sind Sie Weltmeister - im Produzieren von rosaroten Bildern, von Palästen, denen das Fundament fehlt, und beim Flügelheben. Aber nur rhetorisch, denn wir haben gestern auch darüber diskutiert, in Wien wurden den Kindern de facto die Flügel gestutzt in der Bildung, denn mit solchen Flügeln wird kein Kind abheben. Schön, dass Sie an allen Schrauben drehen, ich würde Ihnen vorschlagen, vielleicht einmal ein bisschen fester anzuziehen, denn das wird sonst nicht halten.
Kindergarten neu denken - bei diesem Frame habe ich vor ein paar Tagen auch sehr geschmunzelt, denn der Kindergarten muss überhaupt nicht neu gedacht werden. Die Vorschläge für den Kindergarten liegen seit Jahren auf dem Tisch. Die sind ausformuliert. Der Kindergarten ist schon länger neu gedacht, als Sie überhaupt in der Regierung sitzen. Die PädagogInnen in der Praxis wissen, was sie brauchen, die Wissenschaft weiß, was der Kindergarten braucht. Das Einzige, was es wirklich von Ihnen brauchen würde, ist, dass Sie endlich diese jahrzehntelang formulierten Reformvorschläge in die Praxis umsetzen würden. Und das vermissen wir von Ihnen. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)
Kleinere Gruppen, besserer Fachkraft- Kind-Schlüssel, mehr Vorbereitungszeit für die Pädagoginnen und Pädagogen - dazu haben wir einen Antrag formuliert, nicht zum ersten Mal. Wir werden den Antrag Nummer 1.12 zurückziehen und neu einbringen, mit Zuweisung an die Bildungsstadträtin.
Auch, was die sprachliche Bildung betrifft: Sprache ist ja der Schlüssel zur Bildung, nicht nur Deutsch, sondern auch die Erstsprachen der Kinder sind wichtig. Das vermissen wir auch immer wieder im Diskurs, dass auch Erstsprachen geschätzt und gehoben werden müssen, denn es ist immer leichter, eine neue Sprache zu lernen, Deutsch besser zu lernen, wenn die Erstsprache auch sehr gut beherrscht wird. Das sind auch wissenschaftliche Erkenntnisse, von denen die NEOS aber auch nicht mehr reden. Deutsch ist ohne Frage extrem wichtig, aber so ein Fokus nur mehr auf die deutsche Sprache entspricht leider auch nicht der wissenschaftlichen Erkenntnis.
Fast die Hälfte der ErstklässlerInnen kann dem Unterricht aber nicht folgen, weil die Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Das ist auch eine Tatsache, da dürfen wir überhaupt nicht wegschauen. Die meisten dieser Kinder sind sogar hier geboren. Das ist auch das Ergebnis politischer Unfähigkeit und Untätigkeit, weil diese Kinder möglicherweise auch keine einzige Stunde Sprachförderung genossen haben. Es reicht natürlich nicht, ich weiß schon, dass diese Kinder zu Hause auch mit einer Sprache konfrontiert sind, die von der Kompetenz her nicht ausreicht, egal, welche das jetzt ist. Man weiß, dass auch die PädagogInnen nicht alles alleine abfedern werden können, aber manche Standorte haben überhaupt nicht die Möglichkeit, irgendetwas anzubieten. Sie wissen das, die Stadt Wien weiß es, dass diese Sprachförderung nicht funktioniert. Und Sie lassen ein System weiterlaufen, das eigentlich auch strukturell zum Scheitern verurteilt ist. Sie sind an Ihren eigenen Zielen gescheiter. SPÖ und NEOS haben 500 Sprachförderkräfte bis zum Ende der Amtsperiode gefordert. Schon Christoph Wiederkehr hat das versprochen und gefordert und ist nicht einmal in die Nähe dieses Zieles gekommen. Wir haben es heute schon gehört, in den ersten Klassen Volksschulen wird die Hälfte der Kinder als außerordentlich geführt, weil sie dem Unterricht nicht genug folgen können. Durchschnittlich waren diese Kinder zwei Jahre in einem Wiener Kindergarten. Vielleicht waren sie auch an einem Standort, der keine einzige Stunde Sprachförderung hat, denn 40 Prozent aller Standorte, die es brauchen, haben eben keine einzige Stunde Sprachförderung, und die anderen Standorte haben oft zu wenig Stunden. Es ist im jetzigen System so, dass schlecht bezahlte Sprachförderkräfte von Standort zu Standort springen, meistens Frauen, und nachhaltiger Aufbau der Sprachkompetenz so überhaupt nicht möglich ist. Sie sind schlecht bezahlt, sie hetzen von Standort zu Standort, sie sind nicht einmal Teil des Teams. So kann keine stabile Beziehung entstehen, so kann keine Basis entstehen, so kann kein Aufbau, keine wirksame Sprachförderung entstehen. Wenn man glaubt, dass Springerinnen ein paar Stunden in der Woche die Sprachförderung im Kindergarten retten sollen, dann ignoriert man wirklich jede pädagogische Realität. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Wir haben auch über den Antrag der ÖVP geredet, über die Qualifikation bei den Sprachförderkräften - und zwar um das Aufstocken auf das Niveau C1. Wir werden dem auch zustimmen. Das Problem ist nur, dass in der Praxis diese Kenntnisse auch nicht überprüft werden. Wir haben uns einmal die Texte der Sprachförderkräfte
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