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Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 15 von 28

 

mit Tests und Drohungen, sondern mit Beziehungen und Vertrauen. (Beifall bei der SPÖ.) Beim gemeinsamen Frühstück lernt das Kind Wünsche zu formulieren, Regeln zu verstehen, Rücksicht zu nehmen, Bitte - Danke sagen - das gehört halt auch gelernt - oder zu sagen, ich hätte bitte gerne noch etwas. Sprache wird gebraucht, weil sie gebraucht wird, und nicht, weil irgendeine Partei glaubt, man könnte Kinder mit Druck zur Belehrung gefügig machen.

 

Währenddessen träumt so manche bürgerliche Partei davon, Kinder möglichst früh auszusortieren, die eigenen gehen später dann ins Gymnasium, die anderen sollen bitte leise sein und möglichst verschwinden, sie sollen sich nicht so wichtig nehmen, wer nicht deutsch spricht, hat halt Pech gehabt. (Abg. Lorenz Mayer: Was soll das?!) Das ist kein Zufall, das ist ein System, ein System, das dafür sorgt, dass die Kinder der eigenen Klientel oben bleiben und andere Kinder unten landen.

 

Im freien Spiel am Vormittag oder am Nachmittag zeigt sich dann, was Integration wirklich bedeutet. Kinder spielen, sie bauen, sie streiten, sie versöhnen sich - und das Wichtigste -, sie verhandeln sich Regeln im gemeinsamen Umgang aus, sie erklären sich, sie lernen voneinander. Genau deswegen ist dieser Mix und das gemeinsame Miteinander im Kindergarten so wichtig. Und wieder sind es die MitarbeiterInnen in unseren Kindergärten, die diesen Prozess mit unglaublicher Professionalität begleiten. Diese Frauen - und es sind meistens Frauen -, leisten täglich mehr für die Integration, als alle wohlfeilen Sonntagsreden aus dem Villenviertel. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Beim Turnen im Garten, beim Laufen und Klettern wird gerufen, gelacht, erklärt, Sprache ist überall, nicht elitär, nicht geschniegelt, sondern lebendig. Genau das scheint manche bürgerlichen Parteien vielleicht zu irritieren, dass Bildung nicht geschniegelt und exklusiv ist, sondern laut, vielfältig und manchmal auch anstrengend. Am Nachmittag wird dann gelesen, gesungen, erzählt. Geschichten eröffnen neue Welten, Lieder - vielleicht kennen wir die ganzen Kinderreime; Hoppe, hoppe Reiter -, da wird Sprache gelernt. Und am Ende des Tages wird dann noch gefragt: Wie hat es dir heute gefallen? - Und das Kind hat die Gelegenheit, nachzudenken, Worte zu finden und fühlt sich auch ernst genommen.

 

Wir investieren in Kindergärten, weil wir wissen, dass frühe Förderung der Schlüssel zu echter Chancengleichheit ist. Es ist ein Prozess, es ist natürlich nicht alles perfekt, wir haben Probleme, wir sehen sie, wir nehmen sie wahr, und wir drehen an allen Schrauben, an denen wir drehen können. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Nun möchte ich noch speziell auf die Anträge der ÖVP eingehen und meine Perspektive gleich klar und deutlich kommunizieren. Ich bin geboren in Jugoslawien, bin Serbe aus Kroatien, bin in Wien aufgewachsen, habe mit 16 die Staatsbürgerschaft bekommen, ich bin ein FAVO-Kind. Viele Kinder in Wien haben solche Biografien, und die gehören auch dazu. Und auch ich habe erst im Kindergarten Deutsch gelernt.

 

Zum ersten Antrag (StRin Dr. Katarzyna Greco: Das ist ja das Ziel!), der Titel betreffend Sprachfeststellung für alle dreijährigen Kinder, kann ich Ihnen sagen - ich habe Bildungswissenschaften studiert, aber dafür braucht man kein Studium, Sie können googeln -, der Sprachschatz in diesem Alter ist bei 300 bis 500 Wörtern, wie soll man das testen? Sag mir das, wie soll das gehen? Das frage ich mich echt. (Beifall bei der SPÖ. - Zwischenruf von Abg. Harald Zierfuß.)

 

Dann zur Kindergartenpflicht für Dreijährige mit Deutschförderbedarf: Wieso nicht für alle? Wieso müssen wir wieder segregieren? Da hat man in den Deutschförderklassen bei Ihnen gesehen, wie viel die nutzen, und wo ist das Ergebnis? - Super, ja, super Ergebnis, ich sehe es, alle Probleme sind gelöst. - Ironie off.

 

Nächster Antrag, betreffend sofortige Erhöhung der Kindergartenbesuchspflicht von 20 auf 30 Stunden: Da gab es einen Brief an die Eltern und glauben Sie mir, jedes Elternteil wird sagen: Ja, Sie empfehlen das, liebe Pädagogen, ich mach das!

 

Dann Antrag zum Thema Bürgermeisterwahlversprechen von 1 000 Sprachförderungen umsetzen: Ich habe mir das durchgelesen. Das Versprechen habe ich nicht gefunden, aber ich habe gehört, es gibt ein Ziel, und das Ziel ist 1 000 und möglichst viele, und daran arbeiten wir als Stadtregierung. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Dann zum Antrag C1-Niveau beim gesamten Kindergartenpersonal: Da haben Sie vielleicht einen Förderbedarf, ein E fehlt bei Niveau, darauf wollte ich nur aufmerksam machen. Ich finde es eigentlich respektlos gegenüber den AssistentInnen, die einen wahnsinnig wichtigen Job in unseren Kindergärten machen, die teilweise, wenn Pädagoginnen krank sind, auch einspringen, die ihren Rücken opfern in diesem Job, die sich den Kindern hingeben. Denn es gibt halt nicht nur die Deutschförderung, sondern es gibt auch soziales Lernen. Das finde ich eine bodenlose Frechheit gegenüber diesen AssistentInnen, die vielleicht nicht perfekt Deutsch sprechen. (Beifall bei der SPÖ.) Und da muss ich auch klar sagen: Ihre Arbeit ist viel wert. Vielen Dank, dass Sie Ihren Körper, Ihren Geist und alles, was Sie haben, in unsere Kinder stecken.

 

Zum letzten Punkt, den Neuaufstellungen der Fördermittel und Qualitätskontrollen in Wiens Kindergärten kann ich nur auf das Regierungsprogramm verweisen. Wir sind dran. Danke für nichts! - Danke schön. (Beifall bei der SPÖ sowie von Abg. Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara und Abg. Jing Hu, BA, MPharm.)

 

Präsident Ing. Christian Meidlinger: Restredezeit 11.40.

 

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich der Herr Abg. Zierfuß zu Wort gemeldet. - Bitte.

 

10.18.12

Abg. Harald Zierfuß (ÖVP)|: Herr Kollege Poljak, Sie haben gesagt, Sie sind kein Zahlenmensch. Scheinbar sind Sie auch kein Faktenmensch. Ich habe drei Berichtigungen.

 

Sie haben gemeint, die ÖVP würde aussortieren wollen, Kinder die nicht Deutsch können. Das Gegenteil ist der Fall. Ich glaube, Sie haben mitbekommen, was unsere Anträge sind, Sie sind ja auch darauf eingegangen. Es geht uns darum, dass Kinder Deutsch können, damit sie alle Chancen haben, damit sie Teil unserer Gesellschaft

 

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