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Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 12 von 28

 

Kinder im Stich lässt, die das so dringend brauchen würden. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Wir stellen daher heute wieder einmal den Antrag, die Sprachförderung auf ganz neue Beine zu stellen. Wir haben uns das ja alle gemeinsam in der letzten Legislaturperiode in Hamburg angeschaut. Wir schlagen immer wieder dieses Modell vor. Jeder Standort, der den Bedarf hat, muss die Ressourcen bekommen, diesen Bedarf auch selber abdecken zu können. Wir brauchen Sprachförderkräfte, die als Teil des Teams am Standort arbeiten können, die Teil des dortigen pädagogischen Teams sind und nicht zwischen den Standorten hin- und herspringen. Wir wollen daher, dass alle Kindergartenträgerorganisationen, auch die städtischen, die privaten, alle Standorte, selber Personen und Sprachförderkräfte anstellen können, damit sie als Teil des Teams vor Ort arbeiten können. Das kostet natürlich etwas, aber ich glaube, das ist tatsächlich gut investiertes Geld, das wir brauchen, damit die Schülerinnen und Schüler und damit diese Kinder nachher in der Schule gute Chancen haben.

 

Der zweite Punkt, den ich noch ansprechen will, ist die fehlende soziale und sprachliche Durchmischung vor allem an Wiens Volksschulen. Wir haben das hier oft schon zum Thema gemacht. Es ist natürlich ein Problem und eine Herausforderung, dass 50 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in den ersten Klassen außerordentliche Schülerinnen und Schüler sind. Die noch größere Herausforderung ist aber, dass diese Schülerinnen und Schüler innerhalb Wiens, aber auch innerhalb der Bezirke völlig ungleich verteilt sind. Die soziale und vor allem auch die sprachliche Segregation der Volksschulen - ich rede nur über öffentliche Volksschulen - wird immer größer, und das ist auch ein Problem, um das Sie sich als Bildungspartei kümmern müssen. Sie müssen hier mutige Lösungen präsentieren! (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ich glaube, es wird niemanden überraschen, wenn wir sagen, und die Zahlen sind ja schon oft diskutiert worden, im 5. Bezirk gibt es sehr viele außerordentliche Schülerinnen und Schüler in den Volksschulen, ebenso im 10. Bezirk, im 15. Bezirk und im 16. Bezirk. Was wir aber in den letzten Monaten immer wieder kritisiert haben und auch mittlerweile durch Zahlen, die wir ja dann doch endlich von der Frau Vizebürgermeisterin bekommen haben, belegen konnten, ist, dass auch zwischen Volksschulen, die keine 200 Meter voneinander entfernt sind, die soziale und sprachliche Segregation immer größer wird. Innerhalb von Bezirken gibt es Volksschulen, die keine 150 Meter voneinander entfernt sind, und die eine Volksschule hat 3 Prozent außerordentliche Schülerinnen und Schüler, und die Volksschule, die 100 Meter weiter ist, hat 46 Prozent außerordentliche Schülerinnen und Schüler. Das ist eine Ungerechtigkeit den Schülerinnen und Schülern gegenüber, aber auch den Lehrerinnen und Lehrern gegenüber.

 

Ich glaube, es wäre hier eine mutige Politik gefragt, die sagt: Das ist ein Problem, das können wir besser managen, damit im Endeffekt die Schülerinnen und Schüler bessere Chancen haben und auch die Lehrerinnen und Lehrer ihren Job einfacher und besser machen können. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ich habe, weil immer wieder der Unglaube besteht, dass das möglich ist, nur ein paar Zahlen mitgebracht. Im 2. Bezirk gibt es eine Volksschule, die 5 Prozent außerordentliche Kinder hat, und eine, die 55 Prozent hat. Im 18. Bezirk gibt es eine Volksschule, die null hat, die haben kein einziges Kind, das außerordentlich ist, und eine Volksschule, die 46 Prozent außerordentliche Kinder hat. Im 12. Bezirk gibt es eine mit 2 Prozent und eine mit 46 Prozent. Im 10. Bezirk gibt es eine mit 8 Prozent und eine mit 54 Prozent.

 

Ich bin nicht dafür, dass der Schulweg so viel länger wird, aber diese Schulen sind wenige hundert Meter voneinander entfernt. Ich glaube, wir machen uns allen, den LehrerInnen, oder besser gesagt die Bildungspartei NEOS macht den LehrerInnen, den Kindern und uns allen das Leben schwer, wenn man das nicht besser managt. Also zeigen Sie hier endlich mutige, wirkungsvolle und ambitionierte Bildungspolitik, die dieses Problem, das evident ist, endlich löst! (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Wir stellen daher hier heute auch noch einmal den gleichen Antrag, den wir schon ganz oft gestellt haben. Wir brauchen mehr sprachliche und soziale Durchmischung an Wiens Volksschulen. Die Wohnortnähe bleibt weiterhin das wichtigste Kriterium bei der Schulplatzzuteilung, aber sie soll ergänzt werden durch die Erstsprache, durch soziale Komponenten, damit wir diese Extremfälle der Segregation, und wir wollen ja alle keine Parallelgesellschaften oder Segregation, verhindern können. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Zusammenfassend möchte ich sagen, die derzeitige Bildungspolitik der angeblichen Bildungspartei NEOS - (Zwischenruf von Abg. Mag. Dietbert Kowarik.) - Sie kommen eh gleich dran, keine Sorge! - Die derzeitige Bildungspolitik der NEOS versagt jährlich hunderten und tausenden Kindern in dieser Stadt bessere Lebenschancen, bessere Bildungschancen und versagt durch die mangelnde Deutschförderung, aber auch durch den Personalmangel, durch die zu große Gruppengröße in den Kindergärten diesen Kindern, dass sie ihre Potenziale - sie haben eigentlich das Recht darauf, sie zu entfalten - entfalten können. Das ist tatsächlich einer Bildungspartei NEOS, die seit sechs Jahren oder seit fünfeinhalb Jahren in dieser Regierung ist, nicht würdig. Da haben wir uns tatsächlich weit mehr von Ihnen erwartet, als wir derzeit sehen. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Ich möchte vielleicht zum Abschluss noch auf ein paar andere Punkte zu sprechen kommen. Kollege Zierfuß hat es auch schon erwähnt, bei den SchulsozialarbeiterInnen haben Sie ganz große Versprechen gemacht. Der jetzige Bildungsminister Wiederkehr, damaliger Stadtrat, hat gesagt: Wir werden das aufstocken, Ende nie. - Anders als Sie angekündigt haben, gibt es immer noch nur einen Bruchteil von Schulen, die eine Schulsozialarbeiterin oder einen Schulsozialarbeiter haben. Der Personalmangel im Kindergarten ist höher als er jemals davor war. Die privaten Kindergärten, aber

 

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