«  1  »

 

Landtag, 8. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 11 von 28

 

Argen und auch da müssen wir etwas machen. Das ist beides Ihre Verantwortung, Sie können hier etwas ändern. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Es ist ehrliche Politik, wenn man zugibt, dass es Probleme gibt. Das ist auch gut, das finde ich auch richtig. Aber sich dann hinzustellen und zu sagen: Es ist eh arg und ihr habt eigentlich in beiden Fällen recht!, aber nichts zu machen, das funktioniert nicht. Machen Sie endlich mutige und wirkungsvolle Bildungspolitik! Das haben sich die Kinder und das haben sich alle Lehrerinnen und Lehrer, alle PädagogInnen dieser Stadt verdient. Sie können etwas in Ihrem Verantwortungsbereich ändern. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Aber nun zur Sache: Wir haben die Zahlen schon oft gehört, wir haben sie auch schon sehr oft hier diskutiert. Die Hälfte aller Erstklässlerinnen und Erstklässler in Wiens Volksschulen können nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht ordentlich folgen zu können, sind daher außerordentliche Schülerinnen und Schüler. Die eigentlich wirklich dramatische Zahl, die ja auch politisch relevant ist, ist, dass 80 Prozent dieser Schülerinnen und Schüler, die außerordentlich sind, in Wien in einem Kindergarten waren - und zwar bis zu zwei Jahre oder sogar zweieinhalb Jahre in Wien in einem Kindergarten waren.

 

Als Lehrer in einer Mittelschule, der viele dieser Schülerinnen und Schüler danach - fünf, sechs Jahre später, sechs, sieben Jahre später - auch unterrichtet, sage ich: Das ist ein Problem, das ist eine Herausforderung. Das ist für die PädagogInnen eine Herausforderung, das ist für die Politik eine Herausforderung, und das ist für die Schulen und für die Kindergärten eine Herausforderung. Es ist aber vor allem - und das ist mir ganz wichtig, und das geht in der Debatte manchmal ein bisschen unter, wir haben es heute ein paarmal gehört, aber ich möchte es noch einmal betonen -, es ist vor allem für die Kinder und für die Schülerinnen und Schüler und für die Kindergartenkinder ein Riesenproblem.

 

50 Prozent außerordentliche SchülerInnen in der Volksschule ist nicht nur ein Problem für die PädagogInnen, für die Schulen und für die Politik, sondern vor allem für die Schülerinnen und Schüler, die das betrifft. Diese Kinder haben weniger Chancen in der Schule auf einen gescheiten Bildungsabschluss, diese Kinder haben weniger Chancen auf eine weiterführende Ausbildung, diese Kinder haben weniger Chancen, eine Lehrstelle zu finden. Diese Schülerinnen und Schüler haben auch weniger Chancen auf einen höheren Abschluss oder auf einen universitären Abschluss. Sie haben nachher am Arbeitsmarkt weniger Chancen bei der Jobsuche. Dass diese Schülerinnen und Schüler oder dass diese Kinder nicht ordentlich Deutsch können, ist ein Versagen, ein systemisches Versagen der Politik an ihrer Zukunft.

 

Es ist vor allem einmal in erster Linie für diese Schülerinnen und Schüler ein Nachteil. Und dass Sie hier nicht tätig werden im Sinne der Chancen dieser Kinder, ist tatsächlich ein Versagen Ihrer Bildungspolitik, liebe NEOS. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Die Zahlen zeigen uns ja auch - ich habe den Kindergarten schon erwähnt - tatsächlich einfach ein systemisches Versagen der Deutschförderung im Kindergarten. Die funktioniert einfach nicht. So ehrlich muss man sein. Das funktioniert nicht. Da kommen hunderte, tausende Kinder in die Schule, sind dort Schülerinnen und Schüler und kommen aus Kindergärten, in denen die Deutschförderung versagt. Und Sie lassen diese Kinder damit im Stich. Ich kann ja nicht Fünf- oder Sechsjährigen vorwerfen, dass Sie eine Sprache nicht ordentlich können, denn die Fünf- oder Sechsjährigen können am allerwenigsten dafür. Ich kann auch die Eltern in die Pflicht nehmen, gut, auf verschiedene Art und Weise. Ich bin auch dafür, dass man Eltern zu einem gewissen Teil in die Pflicht nimmt, aber den Kindern kann ich ja den Vorwurf nicht machen. Der Vorwurf ist, dass Sie diese Kinder im Kindergarten durch fehlende Deutschförderung im Stich lassen und dass diese nachher weniger Chancen haben, weil Sie es nicht auf die Reihe bringen, die Deutschförderung im Kindergarten so aufzustellen, dass diese fünf- oder sechsjährigen SchülerInnen nachher alle Chancen haben, die sie eigentlich von dieser Stadt verdient haben. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Zwei Punkte sind mir und uns als Partei dabei ganz wichtig. Der erste ist die Neuaufstellung der Deutschförderung im Kindergarten. Wir haben es vom Kollegen Zierfuß auch schon gehört. Da können wir uns in vielen Bereichen, im Detail nicht in allen, aber in vielen Bereichen anschließen.

 

Ich möchte zuerst noch ganz kurz auf einige Projekte bei der Neuaufstellung der Deutschförderung, die von Kollegin Bakos erwähnt wurden, eingehen. Da wurde gesagt: LesepatInnen, Sommerdeutschkurse oder auch ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr. - Das ist alles gut, das ist alles okay, dem stimmen wir auch zu. Wir sind auch für das verpflichtende zweite Kindergartenjahr. Das macht aber nicht wett, wenn die grundsätzliche Deutschförderung, nämlich die Sprachförderkräfte, die Gruppengröße und die sonstigen Bedingungen des Deutschlernens im Kindergarten nicht verbessert werden. Ein Sommerdeutschkurs für zwei Wochen oder eine Lesepatin kann nicht wettmachen, dass das Fundament fehlt. Und Sie kümmern sich nicht darum, dass das Fundament ordentlich ist. Also kümmern Sie sich zuerst um das Fundament und dann um die LesepatInnen oder um die Sommerdeutschkurse! (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

500 Sprachförderkräfte waren von Ihnen versprochen, 500 Sprachförderkräfte haben Sie sogar schon in der letzten Legislaturperiode angekündigt. Von diesen 500 gibt es ungefähr rund 300 Vollzeitäquivalente, rund 400 Personen. Sie hinken also hier Ihrem eigenen Ziel meilenweit hinten nach und lassen damit auch dort die Kinder im Kindergarten beim Deutschlernen im Stich.

 

Von den 622 Kindergartenstandorten, die einen Sprachförderbedarf haben und einen Sprachförderbedarf eingemeldet haben, findet an 258 Kindergartenstandorten keine einzige Stunde Sprachförderung statt - keine einzige Stunde Sprachförderung an 40 Prozent aller Kindergartenstandorte, die den Bedarf haben! Das ist tatsächlich ein politisches Versagen auf systemischer Ebene, das wiederum die

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular