Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 102 von 118
cherung - und Rosen- ein menschenwürdiges Leben abseits vom reinen Überleben, Bildung, Naherholung, Kulturangebote, Sportangebote. Beides braucht es für ein gutes Leben. Mit diesem Selbstverständnis wird in Wien seit Jahrzehnten Frauenpolitik gemacht, feministische Politik gemacht, und damit auch an einer Stadt für alle gearbeitet.
Also gehen wir rein in den Rechnungsabschluss. Und hier muss vielleicht erwähnt werden, dass Frauenpolitik in unserer Stadt auch Querschnittsmaterie ist. Demnach passiert sehr vieles, was in der MA 57 entwickelt und überlegt wird, geschäftsgruppenübergreifend. Seit über dreißig Jahren arbeiten die MitarbeiterInnen der MA 57 für Frauen und Mädchen in Wien und setzen innovative Impulse in unserer Stadt der Frauen. Und im letzten Jahr konnte neben den bereits bestehenden Angeboten des waff mit der Frauenarbeitsstiftung eine weitere Lücke für Frauen am Arbeitsmarkt geschlossen werden. Wienerinnen ab 25 Jahren, die Arbeitslosengeld beziehen, können dort ihre erste Berufsausbildung abschließen. Sie erhalten zusätzlich zum Arbeitslosengeld 300 EUR Zuschuss vom waff und werden beim Einstieg oder sogar Wiedereinstieg nach der Karenz unterstützt. Das ist eine sehr wichtige Säule um Frauen am Arbeitsmarkt zu stützen, denn wir wissen, Lohngerechtigkeit, Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt, das ist den Wienerinnen besonders wichtig. Das zeigen die Ergebnisse der Frauenbefragung 2022. In Wien verdienen nämlich Frauen zwar im Verhältnis zu anderen Bundesländern am meisten, auch die Pensionen sind mit1 739 EUR im Jahr 2025 am höchsten, wir sind dennoch leider noch sehr weit davon entfernt, von echter Gerechtigkeit zu sprechen. Aber bis dahin werden wir auf allen Ebenen dafür arbeiten, dass keine Frau und dass niemand Diskriminierung am Arbeitsmarkt erfährt. (Beifall bei der SPÖ.)
Lohngerechtigkeit, Unabhängigkeit sind eine der Grundlagen für ein Leben in Sicherheit. Wer sich keine Gedanken darüber machen muss, ob sie die Miete für sich und ihre Kinder stemmen wird können, kann leichter aus einer Gewaltbeziehung gehen. Und in keiner anderen Gemeinde in Österreich finden Frauen mehr Anlaufstellen und mehr Frauenhausplätze als in Wien. Auch das zeigt der anfangs erwähnte Gleichstellungsindex. In keiner anderen Gemeinde wird so umfassend mit gewalttätigen Männern gearbeitet, damit Gewalt auch endlich ein Ende findet. Denn ich weiß, einige hier hören es vielleicht nicht gerne, es sind natürlich nicht alle Männer, aber es sind immer Männer. Das ist die einzige Gemeinsamkeit, die Gewalttäter haben. Und ja, Kollegin Keri, wir brauchen Männer im Boot, Männer, die aber auch unsere Perspektive verstehen anstatt sich sofort angegriffen zu fühlen, vielleicht eben mit uns zusammenarbeiten. Und vielleicht, wenn ich auf Ihre Reihen blicke, der erste Mann, der seit dieser Debatte hier in Ihren Reihen sitzt. (Heiterkeit und Zwischenruf bei der ÖVP.) - Oh ja, hundertprozentige Frauenquote bei der ÖVP. (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß.)
Um weiter zu kommen: Auch hier sind wir tatsächlich noch lange nicht dort angekommen, wo wir hinwollen. "Ni una menos" - keine Einzige weniger. Bis dahin werden wir sicher keine Ruhe geben.
Der 24-Stunden-Frauennotruf ist zu jeder Tageszeit unter 01 71 719 erreichbar. Er unterstützt Frauen in mehreren Sprachen komplett kostenlos, begleitet sie, wenn notwendig, ins Krankenhaus, zur Polizei oder zum Gericht. Von 31.12.1995 auf den 1. Jänner 1996 hat er vor über 30 Jahren seinen ersten Dienst aufgenommen und seitdem keine Pause gemacht. Dahinter liegt die Arbeit vieler Mitarbeiterinnen, denen nicht Dank genug ausgesprochen werden kann. Dahinter liegt auch der politische Wille, dass diese Arbeit bestehen bleibt. Die Wiener Frauenhäuser bieten jeder Frau und ihren Kindern Schutz vor Gewalt, kostenlos, 24 Stunden am Tag erreichbar, unter 05 77 22.
Über 8 Millionen EUR war uns im Jahr 2025 die so wichtige Arbeit der Wiener Frauenhäuser wert. Jedes Jahr rund um Weihnachten und Silvester werden eben diese Anlaufstellen im Rahmen einer Kampagne verbreitet. Aber es liegt auch an uns, diese Angebote breit zu kommunizieren, damit jeder einzelnen Frau, die von Gewalt betroffen ist, geholfen werden kann und jede weiß, wo sie Hilfe bekommt. (Beifall bei der SPÖ.)
Und eines ist mir an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, denn der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht die Straße, es ist das nächste Umfeld, das eigene Zuhause. Es sind ihre Partner und Expartner, die Frauen am gefährlichsten werden, verletzte Egos, die Abweisung nicht vertragen. Und selbstverständlich heißt es nicht, dass wir uns anderen Orten nicht annehmen, nicht versuchen, von Anfang an und umfassend gegen patriarchale Gewalt anzukämpfen, für eine Gesellschaft, die solche Muster nicht reproduziert.
Diese Arbeit beginnt aktuell bereits in den Schulen, mit "Respekt: Gemeinsam stärker". Vielleicht hier ein kurzer Hinweis auf die 400 000 EUR, die quasi vermisst wurden, die stecken zu großen Teilen in dem Projekt. Auch hier bewegen wir uns wieder geschäftsgruppenübergreifend für ein gutes Klima an den Schulen und überall dort, wo sich eben Schülerinnen und Schüler bewegen. Denn letzten Endes geht es darum, ein respektvolles Miteinander zu lernen, zu lernen, dass Mädchen und Buben nicht starr in ihren Rollenbildern stecken müssen, dass durch Reden Konflikte gelöst werden können und Mobbing, Ausgrenzung, Diskriminierung oder Gewalt es eben nicht tun, jedenfalls nicht, ohne Verletzte zu produzieren. Mit 2025 sind zehn weitere Schulen zum Projekt dazu gestoßen, womit jetzt 30 Wiener Schulen an diesem gemeinsamen Ziel arbeiten.
Die Arbeit gegen Gewalt beginnt auch in der Art und Weise, wie wir über Gewalt sprechen und sie ernst nehmen. 2025 wurde im Rahmen der Gewaltschutzkampagne "Ja heißt Ja" über das Zustimmungsprinzip gesprochen. Denn Schweigen, Unsicherheit, ein Vielleicht, das ist keine Zustimmung. Wieso muss ich mich erst aktiv wehren, damit meine Grenze vor dem Gesetz gilt? Mit dieser Kampagne hat das Frauenservice nicht nur eine wichtige Forderung bekräftigt, sie hat eines klargestellt: Deine Stadt glaubt dir. (Beifall bei der SPÖ.) Sie ist für
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