Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 97 von 118
das schon recht ausführlich gemacht -, ich möchte aber trotzdem die Gelegenheit ergreifen, noch einmal über Frauengesundheit zu sprechen. Warum tue ich das noch einmal extra? - Weil wir wissen - und das ist etwas, das man nicht oft genug betonen kann -, Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Es hat wirklich sehr, sehr lang gedauert, auch aus den Köpfen hinauszubekommen - das ist noch immer etwas, woran man arbeiten muss, gerade auch in der Forschung und gesamtgesellschaftlich gesehen -, dass Frauen eben nicht kleine Männer sind, sondern dass Frauen ihre eigene Frauengesundheit haben, dass wir Frauen, die wir die Hälfte der Menschheit und der Bevölkerung stellen, unsere eigenen Gesundheitsthemen haben, dass Gesundheit etwas ist, das uns eben auf eine ganz besondere und auch andere Art und Weise betrifft, und dass dementsprechend auch anders Forschung gemacht werden muss, anders Frauengesundheit betrieben werden muss.
Auch das zeigt sich hier in dieser Stadt, nämlich, dass wir neben den bereits bestehenden Frauengesundheitszentren, die wirklich großartige Arbeit leisten, auch das medizinische Frauengesundheitszentrum FEM Med sehr bewusst im 10. Bezirk am Reumannplatz ins Leben gerufen haben. Das ist etwas, das jetzt schon vielleicht zwei Jahre her ist. Das ist eine Einrichtung, bei der sich wirklich zeigt, dass über 5 000 Beratungen stattgefunden haben, wobei sich dieser medizinische Schwerpunkt insofern zeigt, als jede Frau dort hingehen kann und sich niederschwellig durch ein multiprofessionelles, interdisziplinäres Team beraten lassen kann, Unterstützung bekommt. Wenn eine Frau zum Beispiel zwei unterschiedliche Befunde hat, einen endokrinologischen und einen gynäkologischen, und jetzt gar nicht weiß, wohin sie gehen soll und wo sie weitere Unterstützung bekommt, wird sie dort weitergelotst, bekommt entsprechend professionelle Beratung, kann die Therapieanweisungen besser nachvollziehen, kann sowohl Therapie bei chronischen Beschwerden als auch Tipps und Ratschläge, Beratung bei der Gesundheitsprävention bekommen, und das eben alles an einem Ort, der ganz bewusst ausgewählt wurde, um Frauen zu erreichen, mitunter auch Frauen zu erreichen, die vielleicht sonst kaum Zugang zu diesen wichtigen Gesundheitsinformationen haben. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Ich möchte aber auch an die Rote Box erinnern. Das ist auch etwas, das wirklich, wirklich großartig ist, innovativ ist, weil es hier nicht nur praktische Hilfe, praktische finanzielle Unterstützung für sozioökonomisch benachteiligte Frauen gibt, die sich Monatshygieneprodukte nicht leisten können, sich diese durch Gutscheine in Jugendzentren, Sozialmärkten und so weiter holen können. Daneben wird hier etwas ganz Wichtiges gemacht, das ich gesamtgesellschaftlich nur unterstützen und unterstreichen kann. Es wird nämlich ein Tabuthema aufgebrochen, nämlich darüber gesprochen, dass Frauen menstruieren, und das Bewusstsein zu einem wirklich langen verschwiegenen Thema geschaffen. Das ist etwas, das ein gewisser Nebeneffekt dieses Projektes ist, aber de facto eigentlich zum Haupteffekt geworden ist, sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Ich möchte aber auch im Gesundheitsbereich über ... Jetzt rede ich ein bisschen über Tabuthemen. Ich finde das wirklich großartig zu dieser späten Stunde. Ich finde es wirklich super, dass die Stadt Wien über Themen spricht, von denen man vielleicht sonst selten hört, dass hier ganz bewusst Sensibilisierungskampagnen zu Themen durchgeführt werden, die kaum Eingang in den Diskurs finden, ob es der frühe Schwangerschaftsverlust ist, ob es andere schmerzhafte Themen sind, die einen als Frau einfach beschäftigen, ob es die Endometriose ist, zu der man einfach mehr Informationen bekommen möchte, mit der man oft - mir fällt jetzt ein wienerisches Wort ein, das ich jetzt hier wahrscheinlich nicht sagen kann - bei einem Arzt oder bei einer Ärztin nicht ernst genommen wird. Das heißt, durch diese Kampagnen werden Themen besprochen, die eben sehr, sehr wichtig sind. Es werden hier unterschiedliche Kanäle genutzt, um über Gesundheitsthemen zu sprechen, die eben Frauen betreffen, sehr geehrte Damen und Herren.
Das Dritte, was ich für ganz, ganz wichtig erachte, ist das bereits angesprochene Gewaltschutznetz. Gewalt gegen Frauen und Femizide - das ist heute auch schon vorhin debattiert worden - sind Gewalttaten, die nicht zufällig mal hier, zufällig mal dort passieren. Nein, sie haben System, sie haben Struktur. Als solches müssen sie auch bekämpft werden, ganz egal, welche Herkunft der Täter hat, sehr geehrter Herr Kollege Niegl. Ich möchte das hier ganz bewusst unterstrichen wissen, obgleich eines ganz wichtig zu sagen ist: Wer bei der Analyse von Gewalttaten, auch von solchen gegen Frauen, einen Faktor wie einen Migrationshintergrund aus massiv patriarchalen Gesellschaften weglässt, der tut der Sache ganz sicherlich nichts Gutes. Gleichzeitig, muss ich sagen, ich verwahre mich wirklich dagegen, dass Femizide, dass Gewalttaten, so wie Sie es jetzt hier gemacht haben, für Ausländerfeindlichkeit missbraucht werden, dass Sie das nur dann thematisieren, wenn es für Sie in die politische Agenda passt. Das zeugt nur von einer einzigen Sache, nämlich von Schäbigkeit. Ich finde, Sie sollten sich hier wirklich schämen, dass Sie das für Ihre politische Agenda, so wie Sie es vorhin getan haben, verwenden. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Nichts anderes ist es, wenn man bei einem ausländischen Täter laut aufschreit und tobt und bei denselben Fällen autochthoner Österreicher den Mund nicht aufbekommt, wenn ich das so salopp formulieren darf. Wer Gewalt gegen Frauen nicht in jedem einzelnen Fall anklagt, der handelt schlicht und ergreifend unredlich, schäbig. Ich finde wirklich, dass man sich dann auch schämen sollte. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Alle Fälle haben etwas gemeinsam, nämlich internalisierten Frauenhass und Besitzdenken. Sich hier Unterstützung holen zu können, setzt eben ein breites, ein dicht gewobenes Gewaltschutznetz voraus. Ich bin wirklich sehr, sehr froh, dass es dieses dicht gewobene Gewaltschutznetz hier in Wien gibt. Wir haben es uns in dieser Stadtregierung wirklich zu einer ganz großen Priorität gemacht, Maßnahmen zu setzen, die einerseits
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