Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 72 von 118
eine ganz wichtige städtische Infrastruktur, und deshalb müssen wir sie schützen. (Beifall bei den GRÜNEN und von GR Anton Mahdalik.)
Allerdings ist dieser Schutz in der Stadtplanung noch nicht zum Standard geworden, denn wie könnte es sonst sein, dass bei einer ganz zentralen Kaltluftschneise vom Wienerwald ins Zentrum, nämlich über dem Westbahngelände, bis jetzt einfach ein Logistikzentrum, hohe Verbauung, Straßen geplant werden, bevor wir noch überhaupt wissen, wie dieser Kaltluftstrom ausschaut. Deshalb unser Antrag: Wir müssen die zentralen Kaltluftschneisen, wir müssen die Kaltluftströme dieser Stadt vermessen. Wenn wir wissen, wo sie sind, dann müssen wir sie schützen - und zwar verbindlich. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Zweiter Teil der Bilanz, der Modal Split: Der Modal Split sagt aus, auf wie vielen Wegen die Wienerinnen und Wiener mit welchem Verkehrsmittel unterwegs sind. Da hatten wir letztes Jahr, 2025, das Ziel, dass sie nur noch auf einem Fünftel der Wege mit Auto motorisiert unterwegs sein sollten. Und zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren haben wir nicht nur nicht sinkende Zahlen, sondern wir haben steigende Zahlen. Anstatt das transparent zu machen, wird von diesem Ressort mit statistischen Tricks gearbeitet. Zum ersten Mal verwendet man irgendwelche Kommazahlen und trennt noch die Motorräder von den Autos und so weiter. Aber die Wienerinnen und Wiener haben das eh gemerkt.
Man sieht leider Gottes, dass wir in die falsche Richtung gehen, denn erstmals haben wir steigenden Autoverkehr. Wir sind jetzt wieder bei 26 Prozent. Gleichzeitig geben wir 100 Millionen EUR für die Stadtstraße/Stadtautobahn aus und kürzen bei den Begegnungszonen. Wir kürzen beim Radwegeausbau oder wir machen bei einer Baustelle einfach vier Jahre lang einen Weg für Radfahrer und FußgängerInnen zu einer Autobahn. - Das ist einfach nicht die Mobilität der Zukunft, das ist eine Betonpolitik der Vergangenheit. Wenn wir sehen, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind, dann müssten wir das Steuer herumreißen. Deshalb auch unser Antrag: Wir brauchen eine Neuordnung der Mobilitätspolitik, die die Ziele dieser Stadt ernst nimmt. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Worum geht es uns da im Kern? - Uns geht es nicht darum, irgendjemandem irgendetwas wegzunehmen, sondern es geht eigentlich darum, echte Wahlfreiheit erst einmal herzustellen. Unsere Vision der Stadt der Zukunft, des Wiens von morgen, ist ein Wien, in dem man einfach kein eigenes Auto mehr braucht. Dafür müssen wir einfach einiges in dieser Stadt ändern. Wir brauchen wesentlich bessere Alternativen. Wir brauchen verlässliche Wege mit dem Rad - wenn dort eine Baustelle ist, braucht man eine Umleitung für das Rad. Wir brauchen verlässliche Wege mit den Öffis - wenn wo ein Öffi-Gebrechen ist, wenn wo eine Baustelle ist, dann braucht es quasi eine Umleitung für die Öffis und nicht nur für die AutofahrerInnen. Und wenn ich einmal ein Auto brauche, weil ich etwas Schweres transportieren muss, dann brauche ich ein ordentliches Car-Sharing. Bei all diesen Punkten sind wir hinten nach. Das müssen wir dringend ändern, denn sonst wird das 2030er-Ziel, dass wir nur noch 15 Prozent der Wege mit dem Auto zurücklegen wollen, das nächste verfehlte Ziel. Das wollen wir verändern, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Damit komme ich zum dritten Punkt, und das sind die Öffis. Uns steht wirklich ein Stresstest dieser Stadt bevor. Ab dem Sommer 2026 wird es ganz extrem. Selbstverständlich - und wir sind die Ersten, die das fordern und auch immer wieder eingefordert haben - müssen Gleise, Weichen, U-Bahn-Strecken und auch S-Bahn-Strecken erneuert, saniert und verbessert werden. Das ist überhaupt nicht die Frage. Die Frage ist allerdings, wie gut sich die Stadt während solcher Sperren um die Öffi-Fahrgäste kümmert. Schauen wir uns das an: Wenn in Wien eine Autobahn gesperrt wird und zwei Spuren wegkommen, dann nimmt man einfach zwei Spuren vom Rad- und Fußverkehr. Bei den Öffis schaut es ganz anders aus. Wir haben zum Beispiel in diesem Jahr wochenlang keine einzige Straßenbahn im 9. Bezirk - ohne einen nennenswerten Ersatzverkehr. Das ist einer Stadt, die sich Klimamusterstadt nennt, einfach nicht würdig.
Wir stehen vor einer Belastungsprobe, und diese trifft die Menschen ausgerechnet direkt im Hitzesommer. Wo sollen die Leute hin, die bis jetzt Öffis gefahren sind? Wir haben heute Menschen, die bei 35 Grad an unbeschatteten Haltestellen stehen. Mir hat heute jemand ein Foto davon geschickt, wie er mit seiner Sandale im weichen Teer an der Haltestelle picken geblieben ist. Wir haben wirklich eine Gluthitze. Und wir haben eine Politik, die immer noch sagt: Na, an Bim-Haltestellen pflanzen wir keine Bäume! - In anderen Städten konzentriert man Baumpflanzungen ausgerechnet dort, wo die Menschen warten, nämlich an den Öffi-Haltestellen. Wir haben Fahrzeuge, die bei glühender Hitze in der Sonne warten, und wenn sie dann wegfahren, dann steigt man von 35 Grad in der Sonne in ein 50 Grad heißes öffentliches Verkehrsmittel. Da geht es nicht einfach nur um Komfort, sondern da geht es wirklich um ein Hitzerisiko, da geht es um Gesundheit. Ich habe das gestern schon gesagt, die Hitze tötet nicht plötzlich, aber schleichend. Und besonders viele Menschen, die auf die Öffis angewiesen sind, sind auch jene, die es sich nicht richten können.
Darum fordern wir auch für die Wiener Öffis ein Hitzeschutzkonzept. Da können wir viel mehr machen. Ja, der Austausch von Fahrzeugen dauert, aber wir können die Wartebereiche, wo die Öffis warten, beschatten. Wir können die Haltestellen stärker beschatten. Wir können uns auch in der Disponierung anschauen, wo wir mehr klimatisierte öffentliche Verkehrsmittel in den Verkehr bringen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Damit zum letzten Punkt, zur Stammstreckensperre: Wir haben es hier schon öfters diskutiert, wir reden von einer viertel Million Menschen, die im Prinzip eigentlich ab diesem Sommer oder spätestens ab September in Wien anders unterwegs sein müssen. Nur von der Dimension her: Das entspricht ungefähr dem, was die Tangente und der Gürtel gemeinsam ausmachen. Sie
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