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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 62 von 118

 

kehrsschwerpunktes die Stadtplanung per se ein bisschen im Schatten steht. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Kluge Köpfe haben auch schon versucht zu analysieren, wieso das so ist, denn es lässt sich immer wieder beobachten, dass gerade im Stadtplanungsressort der Fokus immer sehr stark auf Verkehrsmaßnahmen gelegt wird. Warum? - Na klar, die sind schneller sichtbar, spürbar für die Bevölkerung, aber sie sind natürlich auch, wenn man so möchte, politisch leichter verwendbar. Das sage ich jetzt wertfrei, denn man kann relativ rasch ein Ergebnis sehen, man kann relativ schnell einen Radweg eröffnen, und die Veränderungen sind dann rasch da.

 

Gleichzeitig bräuchten wir aber wirklich dringend auch Engagement, wenn es um das Thema Stadtplanung geht. Und jetzt weiß ich, das ist insofern natürlich immer eine Herausforderung, weil es auch sehr langfristige Projekte sind, sehr langfristige Zeiträume, gerade wenn es um Flächenwidmungspläne geht, die ja Basis dafür sind, wie sich dann die Stadt auch weiterentwickeln kann. Bis die dann wirksam und spürbar werden, dauert es halt oft auch so seine Zeit. Aber es geht auch um andere Projekte und ich möchte hier ein paar vor den Vorhang holen. Einige Ideen haben wir in der Vergangenheit schon an der gleichen Stelle thematisiert, aber ich möchte es noch einmal mehr betonen, denn umso öfter sie auch in der politischen Debatte diskutiert werden, desto mehr, hoffe ich, dass sie auch Aufmerksamkeit finden. Denn dieses Ressort behandelt ganz konkret, wenn es um das Thema Langfristigkeit geht, natürlich auch das Thema Zukunft. Die Frage, wie sieht unsere Stadt in der Zukunft aus, ist auch ganz klar in diesem Ressort verankert. Und sich auch zu überlegen, welche Szenarien gibt es, welchen Weg schlagen wir diesbezüglich ein, sind Fragen, die man durchaus auch behandeln sollte. Welche Innovationen lassen wir auch zu?

 

Es gibt einen ganz klaren Trend, der sich abzeichnet, nicht nur, was die Städte per se betrifft, aber es ist ein Megatrend - und zwar adaptive Städte. Was sind adaptive Städte? - Eine Anpassungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit insofern, dass man flexibel auf neue und veränderte Bedingungen reagieren kann. Und ich glaube, es wird niemand daran zweifeln, dass wir in Zeiten leben, wo einfach die Dynamik und die Schnelligkeit extrem zugenommen haben, ob das jetzt die Technologie ist oder auch geopolitische Entwicklungen. Wir sind in sehr dynamischen Zeiten, wo auch unsere Städte und Infrastruktur, aber auch auf das, was wir innerhalb der Stadt weiterentwickeln, reagieren müssen.

 

Was bedeutet diese Mehrflexibilität dann konkret? - Das ist nämlich die große Herausforderung, diese Flexibilität und dieses Adaptive auch in eine Bestandsstadt zu integrieren, denn natürlich hat in einer Bestandsstadt das, was schon da ist, seine Funktion, seine Wirkung. Gleichzeitig haben wir dieses Spannungsfeld. Wir wollen ja, hoffe ich - die Zahlen sagen ein wenig was anderes; aber es ist zumindest auch der Sinn meiner Fraktion diesbezüglich -, weniger auf der grünen Wiese bauen, sondern wir wollen mehr auch den Bestand berücksichtigten, um den Bedarf, den wir heute - aber auch morgen - brauchen, decken zu können. Jetzt haben wir dieses Spannungsfeld zwischen Bestand und Zukunft und das adaptiv zu gestalten. Ich glaube, da braucht es ganz viel Innovation, da braucht es ganz viele Ideen, und die brauchen wir in der Stadtplanung. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Da möchte ich exemplarisch vielleicht nur so ein paar Blitzlichter einbringen. Zum Beispiel, wie kann man Bestehendes weiterentwickeln, da habe ich auch schon die Supermärkte thematisiert, denn aus meiner Sicht sind Supermärkte, wie wir es aus dem Bilderbuch kennen, eingeschossige Schuhschachteln mit großer Parkfläche runterherum. Es gibt nach wie vor über 100 Standorte in Wien, die, sage ich jetzt einmal, nach diesem Bespiel gebaut sind. Wie kann man die weiterentwickeln, denn die sind de facto eigentlich nicht mehr so zeitgemäß, wie wir sie uns vorstellen, sehr monofunktional. Warum nicht Supermärkte weiterentwickeln, nachverdichten? - Man hat quasi vor Ort schon die Deckung des täglichen Bedarfes, die Möglichkeit, einkaufen zu gehen. Man könnte relativ simpel - es gibt mittlerweile Immobilienentwickler, Projektentwickler, die sich auch in diese Richtung spezialisiert haben - nachträglich aufstocken, um hier nachzuverdichten und auch belebte Zentren zu schaffen, Büros dort zu schaffen, vielleicht auch eine Kinderbetreuungseinrichtung, aber auch Arztpraxen beispielsweise. Und man hätte schnell mehr Infrastruktur am selben Ort. Parkflächen wären auch schon entsprechend vorhanden, auch diese gilt es, weiterzuentwickeln, mit Begrünung, mit Solar oder auch mit Überbauung. Man könnte Parkflächen auch über die Nacht hinweg nutzbar machen. Jetzt ist es ja so, dass nur innerhalb der Öffnungszeiten Parkplätze bei Supermärkten genutzt werden können. Ich glaube, da bräuchte es schon ein bisschen mehr Initiative, das auch nutzbar zu machen, um dem Parkdruck entgegenzuwirken. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Eine nächste Idee, neue Projekte zu wagen: Ich habe gesehen, bei der Präsentation des neuen Quartiers Rothneusiedl soll eine Idee mitberücksichtigt werden, die auch wir als ÖVP Wien schon eingebracht hatten: Mobilitätshubs zu schaffen, im Sinne einer Hochgarage vor Ort für Parkmöglichkeiten zu sorgen, die auch multifunktional genutzt werden kann, beispielsweise für Radgaragen, Radinfrastruktur, also Werkstätten, aber auch zum Beispiel für Versandboxen, die man nicht im öffentlichen Raum stehen haben möchte, bis hin zu Solar am Dach oder auch Sport- oder Grünfläche, und diese quasi als gute Alternative für Tiefgaragen umzusetzen. Warum? - Da es natürlich eine ganz andere statische Anforderung bedeutet, als wenn ich den Untergrund baue, ich aber gleichzeitig auch die Möglichkeit habe, Hochgaragen viel flexibler und multifunktionaler zu nutzen, auch wenn sie in der Zukunft nicht mehr herkömmlich als Garage genutzt werden.

 

Wir sehen auch - und da spanne ich die Brücke zum Budget - dass wir über die Parkraumbewirtschaftung sehr hohe Einnahmen haben, de facto aber überhaupt keine Zweckwidmung besteht, was die Einnahmen und dann quasi auch die Weiterverwendung dieser Einnahmen betrifft. Hier schlagen wir auch vor, diese neuen Projekte in diese Richtung umzusetzen. (Beifall bei der ÖVP.)

 

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