Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 56 von 118
war. Es hat sehr viele tolle Filme im internationalen Wettbewerb gegeben. Leider sind die Filmfonds mit Antritt der neuen Regierung voriges Jahr im Februar auf einmal leer gewesen. (Zwischenruf von StR Stefan Berger.) Der Vorgänger, der Herr Vizekanzler, hat, glaube ich, ziemlich gut ausgeräumt. Daher hat es da Probleme gegeben. Wir haben in Wien jedoch unsere Förderungen für den Film weiter aufrechterhalten, auch für die Kinos. Es ist sehr viel im Kinobereich passiert. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) Neue Kinos haben aufgesperrt, viele Kinos werden in Wien auch renoviert und haben gewonnen.
Weil auch das Pornofilmfestival angesprochen wurde, möchte ich jetzt doch zwei, drei Anmerkungen machen. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Es geht um Porno. FPÖ! Hört zu. Das ist wichtig für euch! (Zwischenruf von StR Stefan Berger.)
Mir kam das so vor, als ich über diese Subvention gesprochen habe, wie wenn zwei Teenager kichernd und lachend vor dem Pornokino stehen und überlegen, ob sie hineingehen sollen oder nicht. Genau so ist die Argumentation, die hier stattfindet. (Zwischenrufe bei der FPÖ.)
Das finde ich eigentlich schade, denn Pornografie ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema. (Zwischenruf von StR Stefan Berger.) Und dieses wichtige gesellschaftspolitische Thema ist erst relativ kurz erforscht. Ich verweise auf Kinsey und William H. Masters, die in bahnbrechenden Forschungen zu Sexualität und Pornografie dieses Thema geöffnet haben - und zwar auch gegen viele Vorurteile, die durch kirchliche Vertreter, aber auch durch Herrschende falsch in die Gesellschaft eingebracht worden waren.
Vielleicht wissen Sie es nicht: Die erste Darstellung einer nackten Frau findet sich jedenfalls bei Höhlenbildern von vor 32 000 Jahren. Und vor 25 000 Jahren wurde die erste Pornodarstellung, nämlich die Venus von Willendorf, geschaffen, die man sich im Naturhistorischen Museum in Wien anschauen kann. Ich empfehle Ihnen, sich diese anzuschauen, aber setzten Sie eine Sonnenbrille auf, damit Sie nicht schockiert sind! (Beifall und Heiterkeit bei SPÖ und NEOS. - Zwischenrufe bei der FPÖ.)
1748 hat es übrigens die erste pornografische Novelle gegeben, nämlich den Briefroman "Fanny Hill". - Vielleicht hat ihn schon jemand gelesen, wenn nicht, dann empfehle ich die Lektüre: Sie ist sehr interessant.
Das Wort Pornografie ist erst 1857 entstanden - und zwar zunächst als Beschreibung der Literatur über ein paar Prosituierte. Heute ist der Begriff aber sehr viel weiter gefasst und beschreibt eigentlich jede Form der sexuellen Darstellung in Kunst und Kultur.
1896 wurde in einem Film erstmals eine Frau nackt dargestellt. 1896! Also schon damals ist es losgegangen! (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) 1908 gab es den ersten Film mit pornografischem Inhalt. Da ist es also schon zur Sache gegangen. (Zwischenruf von StR Stefan Berger.) 1953 ist der erste "Playboy" erschienen. Wer war auf dem Titelbild? (Zwischenrufe bei NEOS und FPÖ.) - Richtig! Marylin Monroe.
1969 war Dänemark das erste Land, das auch die Verbreitung von pornografischen Bildern und Materialien legalisiert hat. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) Das ist heute überhaupt kein Thema mehr, das weiß ich eh, aber das ist vielleicht nicht uninteressant. Und sich lustig zu machen über das Festival ist das eine, aber die Bedeutung … (Anhaltende Zwischenrufe bei der FPÖ.)
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA (unterbrechend): Sehr geehrte Kollegen, insbesondere von der FPÖ! Es ist unmöglich, von meiner Position aus dem Redner zu folgen, und ich glaube, das ist auch bei vielen anderen Sitzplätzen der Fall. Sie haben die Möglichkeit, sich nachher noch zu Wort zu melden. Es ist aber jetzt nicht möglich, der Debatte zu folgen, und ich darf Sie wirklich darum ersuchen, den Redner weitereden zu lassen, so wie es auch der Würde des Hauses entsprechen würde. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
GR Mag. Thomas Reindl (fortsetzend): Sich lustig zu machen über das Filmfestival ist eines, aber das andere ist, klarzustellen, welche Bedeutung Pornografie in der Gesellschaft hat. Das wissen Sie alle, und das wissen wir alle, die wir hier im Raum sind. Man kann auch darüber lachen, das ist aber ein Thema, das alle beschäftigt und jeder, der das abstreitet, sollte vielleicht einen Therapeuten aufsuchen. Das sage ich auch dazu. (Zwischenruf von StR Stefan Berger.)
Welche Rolle die Pornografie in der Gesellschaft einnimmt, möchte ich an Hand eines kleinen Beispiels jetzt am Ende meiner Rede festmachen, weil meine Redezeit schon vorbei ist. Dr. Gorlitzer! Du bist ja Arzt, und du hast das sehr stark thematisiert. Ich frage dich: Welche Rolle hat die Pornografie in der medizinischen Reproduktionstechnologie? (GR Anton Mahdalik: Bis du angesoffen? - Heiterkeit und Zwischenrufe bei SPÖ, NEOS und FPÖ.)
Ich bin nicht betrunken, und ich fordere einen Ordnungsruf für Kollegen Mahdalik.
Welchen Wert hat die Pornografie in der Reproduktionsmedizin? - Du weißt genau, was ich meine: Sie hat einen sehr hohen Wert. Und wer wie Herr Mahdalik meint, dass ich besoffen bin, der sollte jetzt nach Venedig fahren und sich den dänischen Pavillon anschauen, wo es genau um dieses Thema geht, nämlich welche Rolle die Pornografie in der Reproduktionsmedizin spielt. (Zwischenruf von GR Anton Mahdalik.)
Ich schlage zunächst vor, dass jeder, der nicht weiß, wovon ich rede, nach Venedig fahren und sich den dänischen Pavillon anschauen soll. Diejenigen, denen das zu schlimm ist, mögen bitte eine Sonnenbrille aufsetzen, denn dann sehen die anderen nicht, wo man hinschaut. Das sage ich auch ganz ehrlich. (Heiterkeit bei den NEOS.)
Und für alle anderen: Das ist eine wichtige und eine gute Förderung, und wir werden das auch weiterhin fördern. - Danke. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Zwischenrufe bei der FPÖ.)
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank für die Einwürfe, die ich jetzt seitens der Freiheitlichen bekommen habe, die in Sorge um die Einhaltung der Geschäftsordnung waren. In diesem Zusammenhang darf
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