Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 47 von 118
Ausschuss gibt. Wir wollen auch wissen, wer keine Förderung bekommt und warum das so ist.
Ich möchte jetzt nicht Kultur und Wissenschaft gegeneinander ausspielen, aber ich habe schon letzte Woche gesagt, dass gerade im Wissenschaftsbereich der Prozentanteil immer weiter sinkt - von 6,9 auf 6,3 Prozent - und auf der anderen Seite im Kulturbereich durchaus üppig ausgeschöpft wird: bei den Wiener Festwochen - das haben wir heute schon gehört - von 10 Millionen auf 13,6 Millionen, das sind ungefähr 150 EUR Zuschuss pro Besucher -, beim QWIEN mit 600 000 EUR und zusätzlichen Einzelförderungen für die queere Community.
Zum pornografischen Film - der Herr Brucker hat das schon kurz angesprochen: Ich habe geschaut, was die da machen. Das kriegt ja jährlich 25 000 EUR Förderungen. Das Pornofilmfestival 2027 darf ich hier ankündigen. Das steht unter dem Motto "Analversary". In der After-Show-Party 2026 am 17. April dieses Jahres gab es zur musikalischen Begleitung einer Schwulenband - das ist okay - eine sogenannte Fruchtorgie. Dagegen habe ich ja als Arzt nichts, wenn es frische Früchte wie Erdbeeren, Pfirsiche und Kirschen gibt, aber zusätzlich wurden frische Spermien gereicht. Meine Damen und Herren, wenn Sie mich jetzt fragend anschauen: Ich bin dafür, dass Sie Spenden tätigen, in welcher Form sie auch immer sein mögen. Aber ich glaube nicht, dass dieses pornografische Filmfestival unbedingt mit Steuergeld finanziert werden muss (Beifall bei ÖVP und FPÖ.), sondern dass es durchaus andere Fördermittel akquirieren sollte. (GR Mag. Lukas Burian: Willkommen im 21. Jahrhundert, liebe ÖVP!) Denn auf der anderen Seite frage ich mich, wenn es hier um Fruchtorgien und Spermien geht: Was soll man denn den Wiener Philharmonikern empfehlen?
Abschließend darf ich sagen, dass wir als Wiener Volkspartei Wissenschaft endlich zu einem echten Schwerpunkt dieser Stadt machen wollen. Wir wollen mehr Transparenz im Kultur- und Wissenschaftsbereich und Kulturformate mit großer Breitenwirkung. Ich hoffe nicht, dass "Analversary" eine große Breitenwirkung haben wird. Deswegen haben wir zahlreiche Anträge eingebracht, und ich ersuche Sie um Ihre Zustimmung. - Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GR Dipl.-Ing. Dr. Gara. Zehn Minuten. - Bitte schön.
GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen!
Die Frage ist leicht zu beantworten: Wissenschaft ist ein Schwerpunkt dieser Stadt. (StR Stefan Berger: Deswegen kürzt ihr auf Bundesebene!) Wissenschaft und Forschung finden sich nicht nur im Budget der Frau Stadträtin, sondern ressortübergreifend und nicht nur in den Ressorts, sie finden sich auch in den Unternehmen der Stadt, ob das die Wiener Stadtwerke sind, ob es der Wiener Gesundheitsverbund ist. All das greift ineinander, und all das muss man als gesamtes Bild von Wissenschaft, Forschung und Innovation in dieser Stadt sehen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Wie Peter Drucker, einer der Managementpioniere, so schön gesagt hat: "The best way to predict the future is to create it." (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapović: Yes!) Die Zukunft passiert nicht einfach, die Zukunft wird gestaltet. Und auch der Rechnungsabschluss zeigt, wo wir Zukunft gestalten, wo wir Prioritäten setzen, wo wir auch darauf schauen - und das ist auch wichtig in einem sehr engen Budget -, wo Dinge effizienter gehen. Mehr Mittel heißt ja nicht automatisch bessere Forschung und bessere Wissenschaft. Das heißt: Wo setzen wir Prioritäten? Das tun wir, und das zeigt auch der Rechnungsabschluss. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Wien ist Zukunftsvorsorge. Wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird: mit KI-Technologie, mit dem Klimawandel, mit der Energiewende. Gesundheit und so weiter. Viele, viele Dinge können nicht mehr linear gedacht werden. Die sind verzahnt, sind vernetzt. Auch das passiert in dieser Stadt. Diese Herausforderungen existieren eben nicht nebeneinander. Sie sind wie die Zahnräder eines Uhrwerks. Wenn man an der einen Schraube dreht, dann verändert sich das gesamte System. Aber wir setzen dort die Prioritäten, wo diese Zusammenhänge wirksam sind - bei dem ganzen Themenbereich der komplexen Systeme.
Daher ist auch zum Beispiel der Complexity Science Hub, der gerade sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat, für uns eine sehr wichtige Forschungseinrichtung - an dieser Stelle Dank an den Präsidenten Stefan Thurner. Darum geht es auch: In komplexen Systemen müssen wir verstehen, wie die Dinge aufeinander wirken. In komplexen Systemen müssen wir verstehen, wie verschiedenste unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen zusammenwirken. Letztendlich schafft das erst eine gewisse Orientierung in einer immer komplexer werdenden Welt. Man kann auch sagen, Forschung ist die Lebensversicherung einer modernen Gesellschaft. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Wien setzt um, wo andere noch diskutieren. Wir setzen um bei Energietechnologien, wir setzen um bei künstlicher Intelligenz, wir setzen um bei medizinischer Forschung, neuen Krebstherapien. All das wird zusammengeführt, und wir haben hier auch die Institutionen, die das sehr, sehr gut machen. Das sind die Universitäten, die Labore. Es sind letztendlich viele Einrichtungen, die hier zusammenwirken, und wir unterstützen das nicht nur, sondern wir forcieren es.
Ein Themenbereich, der so wie eine Klammer über neuen Technologien steht, ist der digitale Humanismus. Die heurige Konferenz wird morgen eröffnet, heute findet schon eine Pre-Konferenz statt, die ich als besonders wichtig erachte, denn hier geht es um das Thema der Bildung, der künstlichen Intelligenz und des Zusammenwirkens dieser Felder. Auch ein Themenbereich, für den wir im Bildungsbereich auf der Bundesebene ein neues Schulfach geschaffen haben.
Medienkompetenz, künstliche Intelligenz, digitale Technologien: Diese Dinge wachsen zusammen. Die entscheidende Frage lautet ja nicht: Was kann Techno
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