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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 41 von 118

 

Vorsitzender GR Armin Blind: Das waren 13 in Anspruch genommene Minuten, verbleibende Restredezeit daher zwölf Minuten.

 

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich GRin Berner. Selbst gewählte Redezeit ist zwölf Minuten. 14? Bitte, die sind eingestellt. - Sie sind am Wort.

 

13.09.26

GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE)|: Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ich freue mich ja, dass jetzt doch noch ein paar Kollegen und Kolleginnen von der SPÖ dazugekommen sind. Davor war es hier in der Kulturdebatte schon sehr schütter besetzt. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir jetzt Mittagszeit haben und alle ein bisschen hungrig sind. Ich weiß es nicht. Ich hoffe, Sie hören trotzdem zu, weil es um die Kulturszene in Wien geht, und die hat es dringend nötig und ist sehr wichtig für die Identität der Stadt. Deshalb bitte ich Sie, hierzubleiben und zuzuhören.

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kulturstadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste - oben auf den Bänken sind jetzt nicht so viele - hier und via Livestream!

 

Zuerst möchte auch ich mich bedanken. Danke an die MitarbeiterInnen der MA 7 und die MitarbeiterInnen im Stadtratsbüro für das letzte Jahr und die viele Arbeit, die in diesem Jahr geschehen ist. Wir wissen, es sind sehr viele Förderanträge, wir wissen, es ist sehr viel zu tun, und wir möchten uns wirklich für die zum Großteil sehr kollegiale Zusammenarbeit bedanken. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.)

 

Natürlich möchte ich mich auch bei all den Menschen bedanken, die in Wien als Künstlerinnen und Künstler weiterarbeiten, egal wie schwierig die Rahmenbedingungen sind. Es ist wichtig, dass es euch gibt, ihr macht die Stadt lebendig. Danke für euer Engagement. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.)

 

Meine Redezeit ist beschränkt, deshalb kann ich nicht auf alle VorrednerInnen eingehen. Vielleicht schaffen wir das später noch, wenn noch was überbleibt. Nur so viel, was ich hier schon dringend festhalten möchte: Eine ideologiefreie Kultur habe ich noch nie gesehen. Denn wenn wir an nichts glauben, dann gibt es auch keine Grundlage für eine Debatte.

 

Wichtig bleibt, dass die Kulturförderung viele unterschiedliche Perspektiven zulässt und diese auch fördert. Wien, würde ich sagen, bemüht sich meistens, viele Perspektiven zuzulassen. Ich würde mich freuen, wenn es an manchen Stellen noch mehr wäre, aber prinzipiell halte ich hier eine gute Grundlage für gegeben und würde das auch gerne nicht verengen. Danke schön.

 

So, und jetzt zu dem, was mich wirklich irritiert hat. Da möchte ich auch mit einer Kritik zur Sache beginnen. Wie schon im Vorjahr wurde leider vergessen, den Ausschussmitgliedern rechtzeitig den Kulturbericht zum Rechnungsabschluss vorzulegen. Heuer kam der Kulturbericht am Freitagnachmittag nur an die Büros. Er war nicht im DigiPol abrufbar, er war auch sonst nicht abrufbar. Sie haben doch alle die E-Mail-Adressen der Ausschussmitglieder. Ich verstehe nicht, warum diese Sendung am Freitagnachmittag nicht auch an die Ausschussmitglieder kommen kann und warum wir dann am Montag während der Rechnungsabschlusssitzung irgendwie diesen Bericht scannen sollen. Das ist nicht gut für die Qualität der Debatte. Vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr, das wir das eine Woche früher bekommen, damit wir hier auch qualitativ hochwertig diskutieren können. Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Beim schnellen Blick fällt aber wieder was auf, das ich schon öfter angemerkt habe, nämlich in der Musikförderung gibt es weiter einen großen Gender-Gap. Das heißt, bei den Preisen gibt es nur ein Drittel Frauen. Nur ein Drittel Frauen wurde mit Preisen bedacht, und bei der Kompositionsförderung ist es nicht einmal ein Drittel, sondern da sind es knapp 30 Prozent. Ich glaube, da müssen wir besser werden. Es gibt mehr Frauen in der Stadt, die Musik studieren. Wieso werden die dann nicht von der Stadt ausgezeichnet? Da müssen wir genauer hinschauen, was da los ist.

 

Es gibt einen zweiten Gender-Gap, auch der springt ins Auge. Die Großbühnen, also die mit gesicherten Arbeitsbedingungen, mit sehr guten Einkommen, wurden 2025 von Männern geführt: Josefstadt, Volkstheater, Vereinigte Bühnen, Theater der Jugend. Lauter Männer in der Führung, während in der freien Szene 78 Prozent der Leitungspersonen Frauen sind. also dort, wo auf allen Ebenen prekär gearbeitet wird oder werden muss. Ich glaube, auch da müssen wir genauer hinschauen. Ich weiß, es wird im Herbst 2026 zwei Intendantinnen geben - ich freue mich schon -, die eine für das Theater der Jugend und die andere für die Josefstadt. Ich freue mich, dass sich dieses Bild in der Stadt ändert, aber für 2025 schaut es noch nicht so cool aus, und wir haben ja jetzt den Rechnungsabschluss 2025.

 

Wir leiten aus unserer Kritik folgende Forderungen ab: Erstens braucht es transparente Ausschreibungsverfahren. Die Stadt Wien braucht für stadtnahe Kulturinstitutionen ein klares, öffentlich nachvollziehbares Prozedere. Dafür haben wir auch einen Antrag gestellt. Und ja, es gibt einen Anlass dazu. Wie Sie wissen, geht es da auch um die Besetzung des Schauspielhauses, die große öffentliche Diskussionen ausgelöst hat.

 

Jetzt möchte ich hier festhalten, es ist total legitim, dass eine Stadträtin findet, ein Leitungsteam erfüllt nicht, was sie sich für das Haus vorstellt, seien es die Zielgruppen, die erreicht werden, oder seien es die Schwerpunkte. Das will ich hier auch gar nicht diskutieren. Es ist auch total legitim, dass sich eine Stadträtin strukturelle Veränderungen bei den Mittelbühnen wünscht. Aber warum kommunizieren Sie das nicht vor der Ausschreibung allen Betroffenen? Dann wäre es für alle Beteiligte leichter gewesen. Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen mit vielen VerliererInnen. Die Jury selbst wird in Frage gestellt, weil sie halb so groß wie vor vier Jahren war und mindestens zur Hälfte aus weisungsgebundenen und Stadträtin-nahen Personen bestand, um es höflich auszudrücken. Wenn Sie es ohnehin selber entscheiden wollen: Warum machen Sie es dann nicht einfach und setzen trotzdem eine Jury ein? Das ist für mich eine Frage dabei.

 

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