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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 39 von 118

 

Als Nächster ist GR Weber zu Wort gemeldet. Die selbst gewählte Redezeit beträgt 15 Minuten. Diese sind eingestellt. - Bitte, Sie sind am Wort.

 

12.55.53

GR Thomas Weber (NEOS)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Es ist mir eine große Freude, heute über Kulturpolitik zu sprechen. Kultur ist das unsichtbare Band, das die Dinge zusammenhält. Ich glaube, der Satz beschreibt eigentlich ziemlich gut, worüber wir heute sprechen, nämlich nicht nur über den Rechnungsabschluss, der aus Tabellen, Zahlen und Summen besteht, sondern darüber, was uns als Stadt im vergangenen Jahr im Kulturbereich wichtig war, beispielsweise welche Räume wir geöffnet haben, welches Publikum wir erreicht haben oder vielleicht auch, welches Publikum wir noch nicht erreicht haben.

 

Bevor ich aber zu den Inhalten komme, möchte ich, wie ich das bei Budgetdebatten und Rechnungsabschlussdebatten immer mache, den Kunst- und Kulturschaffenden unserer Stadt, den Menschen, die Räume öffnen und Fragen stellen, die manche vielleicht auch irritieren, die mit ihrer Kunst trösten und verbinden, die uns und unsere Gesellschaft bereichern und uns lebendig machen, ein ehrliches Danke sagen, weil mir das wirklich ein Herzensanliegen ist.

 

Ich möchte mich aber auch beim Publikum bedanken, bei den Wienerinnen und Wienern, die Kultur nicht nur konsumieren, sondern lebendig machen, indem sie hingehen und darüber sprechen, sich einlassen, diskutieren, vielleicht auch widersprechen, aber wiederkommen. Denn Kultur entsteht in Wirklichkeit ja immer erst dort, wo sie geteilt und gemeinsam erlebt wird.

 

Ich möchte natürlich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA 7, der MA 8, der MA 9, der Kultur- und Wissenschaftsverwaltung und natürlich auch den Stadtratsbüros meinen Dank sagen. Sie sorgen mit enormer Fachkompetenz und oft unter hohem Zeitdruck dafür, dass Kulturpolitik nicht nur hier im Gemeinderat angekündigt und beschlossen wird, sondern auch tatsächlich umgesetzt wird. Ihnen allen, den Künstlerinnen und Künstlern, dem Publikum sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlichen Dank aus ganzem Herzen. (Beifall bei den NEOS und von GR Petr Baxant, BA.)

 

Ich sage immer, Kultur ist kein Luxus. Kultur ist eine gesellschaftliche Infrastruktur. Wie bei jeder Infrastruktur gibt es da eine wesentliche und zentrale Frage: Wer hat Zugang? - An dieser Frage, wer Zugang zur Kultur hat, misst sich der Grad an liberaler Kulturpolitik, nicht am Prestige einzelner Projekte und nicht an einer einzelnen Förderung, sondern daran, ob Menschen teilhaben können.

 

Wenn wir eine ehrliche Bilanz ziehen, dann lohnt sich auch der Blick über das eine Jahr hinaus. Seit 2018 hat Wien das Kulturbudget um 44 Prozent massiv erhöht. Inflationsbereinigt sind das 11 Prozent. Das ist für mich keine Politik, die auf kurzfristige Effekte zielt, sondern eine, die langfristig denkt sowie strukturell und infrastrukturell stärkt.

 

2025 hat das, worüber wir sprechen, nämlich diese langfristige Stärkung, auch genau Ergebnisse gezeigt, die aus dieser Haltung passieren. 2025 haben wir die Frage nach dem Zugang zur Kultur mit ganz konkreten Projekten beantwortet, die ich großartig finde.

 

Das Wien Museum beispielsweise hat seit seiner Wiedereröffnung als neue Marke die Millionengrenze überschritten, das heißt über eine Million Besucherinnen und Besucher bei freiem Eintritt in der Dauerausstellung - gelebte Teilhabe. Das ist etwas, was ich so großartig finde, weil Stadtgeschichte in Wirklichkeit allen gehört.

 

Ich möchte Matti Bunzl, Christina Schwarz und dem ganzen Team des Wien Museums auch wirklich von ganzem Herzen Danke sagen. Das Wien Museum ist mit euch in großartigen Händen. Ich feiere das Wien Museum und die Rolle, die das Wien Museum für uns als Gesellschaft hat, wirklich sehr. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Aber auch der Kultursommer erreicht mit über 500 Acts mehr als 90 000 Menschen in den Wiener Bezirken, ebenfalls bei freiem Eintritt. Das wirklich Tolle: Rund 41 Prozent von denen, die zu Events des Kultursommers gehen, sagen, sie waren noch nie mit Kultur in irgendeiner Art in Berührung. Das sind Menschen, die wir mit klassischer Hochkultur, wie der Kammeroper, vielleicht nicht erreicht hätten. Das finde ich super. Aber auch etwa das Popfest am Karlsplatz, das Prater-Picknick der Wiener Symphoniker: Das alles folgt einer klaren Linie, nämlich: Kultur dorthin bringen, wo die Menschen sind, und das niederschwellig!

 

Das kulturelle Großereignis, des Jahres 2025 war mit Sicherheit das Johann-Strauss-Jahr: 400 000 Besucherinnen und Besucher, über 400 Aufführungen, 80 Projekte quer durch die ganze Stadt, ein 200-jähriges Geburtstagsfest als lebendiges Stadtfest. Gemeinsam mit den Universitäten und der Akademie der Wissenschaften lässt man aus diesem Jahr übrigens auch eine neue Forschungsplattform zur Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts entstehen.

 

Etwas, das ich, wenn ich über Kulturpolitik rede, auch als wirklich wichtig empfinde, ist: Kultur gehört vor allem auch den Kindern in unserer Stadt. Wer will, dass kulturelle Teilhabe nicht vom Elternhaus abhängt, der muss auch früh ansetzen. Kulturelle Teilhabe ist ja nichts, was aus Zufall heraus entsteht, wenn man 30 oder 40 ist. Sie entsteht früh, oder sie entsteht - meistens - gar nicht. Daher ist eine zeitgemäße Kulturpolitik eine Kulturpolitik, die Räume schafft, in denen Kinder nicht nur geprüft werden, in denen Kinder nicht nur benotet werden, nicht nur bewertet werden, sondern eine, die Räume schafft, in denen Kinder erleben, dass ihre Sichtweise relevant ist und dass die Fragen, die sie stellen, erlaubt sind. Da war 2025 auch ein wichtiges Jahr für die Kinderkultur.

 

Mit dem Zentrum für Kinderkultur in Floridsdorf entsteht bewusst in einem Außenbezirk ein Leuchtturmprojekt, weil Kultur den Kindern in unserer Stadt gehört. Dazu kommt noch der weitere Ausbau von "Junge Theater Wien" in fünf Außenbezirken und eine verlässliche

 

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