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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 23.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 28 von 118

 

Eines ist mir zum Abschluss dieses Abschnittes besonders wichtig: Wenn wir über die Kinderbetreuung sprechen, dann sprechen wir natürlich nicht nur über die städtischen Kindergärten. Meine sind halt im städtischen, deswegen ist er mir besonders im Auge. Es gibt viele sensationelle private Kindergartenträger, die wahnsinnig gute Arbeit machen und einen wichtigen Beitrag für die Familien in dieser Stadt leisten.

 

Ob städtisch oder privat, überall arbeiten engagierte Pädagoginnen und Pädagogen, Assistenzkräfte und MitarbeiterInnen mit demselben Ziel: unseren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Dafür verdienen sie unseren Respekt und Anerkennung.

 

Am Ende des Tages geht es nicht darum, welches Logo an der Tür hängt. Es geht um die Kinder. Es geht um Geborgenheit und darum zu erleben, zu fördern, Freundschaften zu schließen und jeden Tag mit einem Lächeln in den Kindergarten zu gehen. Die Eltern unter uns wissen: Das wird nicht jeden Tag mit einem Lächeln sein, aber da müssen wir auch durch.

 

Wenn meine Tochter ihren Kindergarten mit einem Herz beschreibt, dann wünsche ich mir, dass möglichst viele Kinder genau dasselbe Gefühl haben, egal ob sie einen städtischen oder einen privaten Kindergarten besuchen. Dafür arbeiten tagtäglich tausende Menschen in Wien. Ihnen allen gilt heute unser Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - StR Stefan Berger: Jetzt muss nur noch die Stadtregierung …!)

 

Was ich heute ein bisschen befremdlich fand: Der Erstredner hat eigentlich nur auf städtische und auf private Kindergärten hingeschlagen. Ich habe kein Danke gegenüber den MitarbeiterInnen gehört. Ich finde, das ist schade in diesem Diskurs. (StR Stefan Berger: Sie können aber schon zwischen Mitarbeitern und Politikern differenzieren! Es war jetzt nicht meine Rede, aber …!) - Danke für Ihre Wortspende. Sie können sich gerne nach mir melden und hinausgehen. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - StR Stefan Berger: Sagen Sie doch etwas zu Ihrer Verantwortung! Was sagt die SPÖ zu dem Thema?) Bekomme ich eigentlich die Zeit von der FPÖ irgendwie gutgeschrieben oder geht das nicht? (Neuerlicher Zwischenruf von StR Stefan Berger.)

 

Es gibt ein paar Anträge von der ÖVP, die mich triggern, nämlich hinsichtlich der Sprachfeststellung mit drei Jahren. Das funktioniert unter drei Jahren leider nicht. Das geht nicht. (GR Harald Zierfuß: Doch!) Das kann ich Ihnen als Pädagoge sagen, dass das nicht funktioniert, weil die Sprachentwicklung da erst richtig loslegt. Das sage ich nicht nur als Papa, sondern auch als Pädagoge und Sozialarbeiter. (StR Stefan Berger: Das heißt, wir machen weiter wie bisher!)

 

Ein Antrag, der heute schon Thema war, betrifft das Kopftuchverbot für Pädagoginnen. Ich muss sagen, meine Kinder haben Pädagoginnen, die ein Kopftuch tragen. Es ist mir egal, denn sie sind liebevoll mit den Kindern. Sie arbeiten professionell. Das ist mit das Wichtigste. (StR Stefan Berger: Aber andere Eltern wollen das für ihre Kinder nicht vermittelt bekommen! Es ist ganz einfach! Es ist in einer Demokratie so, dass andere Meinungen …!)

 

Nun als Nächstes zur MA 11: Auch da muss ich ganz deutlich sagen, was mich in den vergangenen Monaten wirklich irritiert hat, ist die Art und Weise, wie ÖVP und FPÖ mit der Arbeit der MA 11 umgehen. Das finde ich als Sozialarbeiter eigentlich ziemlich schockierend.

 

Immer öfter wird reflexartig Partei für jene Eltern ergriffen, denen Kinder abgenommen wurden. Es werden schwere Vorwürfe erhoben und der Eindruck vermittelt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MA 11 würden leichtfertig oder gar willkürlich handeln. (GR Maximilian Krauss, MA: Es gibt nicht die Mitarbeiter! Es gibt nur gute oder schlechte!)

 

Aber wissen Sie was? - Es gibt zu jedem Fall Akten. Weder Sie noch ich wissen, was da drinnen steht, weil es aus gutem Grund einen Datenschutz gibt. In diese Gefährdungsabklärung - das können Sie mir glauben - können die Eltern hineinschauen. Die wissen, was da passiert. Das wird manchmal auch mit Scham sein. Es wird nicht alles ehrlich kommuniziert werden.

 

Politik darf niemals nur auf einer Seite der Geschichte stehen, schon gar nicht wenn es um das Wohl des Kindes geht. Eine Fremdunterbringung ist ja keine spontane Entscheidung. Sie ist auch keine Bauchentscheidung, und schon gar nicht ist sie unsere politische Entscheidung. Sie ist das Ergebnis eines professionellen Verfahrens. Mehrere Fachkräfte beurteilen jede Situation nach einem Vieraugenprinzip, oftmals unter Einbindung weiterer ExpertInnen. Jeder Schritt wird sorgfältig abgewogen. Wer etwas anderes behauptet, spricht den MitarbeiterInnen der MA 11 die Professionalität ab. Das lasse ich nicht so stehen.

 

Denn ich bin überzeugt, dass sich niemand für einen Beruf in der Kinder- und Jugendhilfe entscheidet, weil er Kinder ihren Familien wegnehmen möchte. Ganz im Gegenteil: Diese Menschen gehen jeden Tag mit dem Ziel zur Arbeit, Familien zu unterstützen, Krisen zu bewältigen und Kindern ein sicheres Aufwachsen zu ermöglichen. Wenn am Ende dennoch einmal eine Fremdunterbringung notwendig ist, dann ist das eine schwere Entscheidung, die man in einem Beruf treffen muss. Das macht niemand leichtfertig. Das macht niemand gerne. Manchmal muss es aber halt sein.

 

Ich bin froh, dass die MitarbeiterInnen der MA 11 uns diesen Job abnehmen und das übernehmen. Deswegen ein Danke an die vielen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, an die SozialpädagogInnen, PsychologInnen, JuristInnen und MitarbeiterInnen in der Verwaltung, aber auch einen herzlichen Dank an MAF, an jene Partnerorganisationen, von der wir Leistungen zukaufen. Dabei möchte ich einen Verein besonders erwähnen, den ich in meiner Arbeit als Sozialarbeiter sehr zu schätzen gelernt habe: den Verein OASE. Der arbeitet hochprofessionell. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Sie alle arbeiten fernab der Öffentlichkeit. Sie erleben schwierige Schicksale. Sie tragen enorme Verantwortung. Trotzdem gehen sie jeden Tag mit Fachwissen, Menschlichkeit und ganz viel Herz zu den Kindern und Jugendlichen, die unsere Unterstützung am dringendsten brauchen. Wir sehen ihre Arbeit. Wir vertrauen ihrer Professionalität. Wir stehen als Stadt Wien hinter ihnen.

 

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