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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 22.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 94 von 113

 

Raus aus Gas", einmal abschließen - 100 Dekarbonisierungsprojekte, vor allem auch im mehrgeschossigen Wohnbau, mit dem Ziel, diese Dinge zu multiplizieren, mit dem Ziel und dem Fokus, die Dinge zu replizieren. Jetzt sind wir in dieser Phase der Skalierung. Das Positive daran ist: Auch die vielen unterschiedlichen Gebäudetypologien ermöglichen es, alternative Energieformen alternativ zu Gas zu nutzen. Das ist, glaube ich, eine sehr, sehr erfreuliche Erfahrung, weil oftmals ja behauptet wird, dass diese Dinge nicht möglich seien. Ziel dieses Projektes war es, zu zeigen, dass es technisch, juristisch, mit all den Rahmenbedingungen auch machbar ist - an ganz konkreten Projekten in ganz Wien, für ganz unterschiedliche Gebäudetypologien.

 

"Raus aus Gas" ist aber nicht nur ein Rein-in-die-Erneuerbaren, und bei "Raus aus Gas" geht es auch nicht nur um das Thema des Heizens. Gerade in Tagen wie diesen, in denen wir eine enorme Hitzeperiode haben - wahrscheinlich historisch wieder der heißeste Juni in der Messgeschichte; jedes Jahr fast die heißeste Periode in der Messgeschichte -, spielt das Kühlen eine wesentliche Rolle, und mit "Raus aus Gas" schaffen wir es auch rein ins Kühlen. Das ist ein zentraler Aspekt, denn es geht auch hier nicht nur um das Thema Klimaschutz, das heißt um das Thema Treibhausgasreduktion, sondern es geht auch um das Thema Klimawandelanpassung, und da sind kühle Orte für die Wiener Bevölkerung extrem wichtig. Auch da haben wir sehr viele Projekte initiiert, umgesetzt, um den Menschen das Leben in einer Stadt wie Wien an heißen Tagen einigermaßen komfortabel zu gestalten. Das halte ich für einen ganz wichtigen Prozess. Auch das haben wir realisiert und sind in sehr vielen Bereichen in der Realisierung.

 

Neben dem "Raus aus Gas" bei Gebäuden ist unsere nächste Stufe, unser nächster Baustein, das Thema "Raus aus Gas" auch in der Wirtschaft bei den Industriebetrieben, bei den Wirtschaftsbetrieben, denn damit werden diese Betriebe langfristig kompetitiv mit langfristig planbaren Energiekosten. Das ist das Ziel für die Wirtschaft, das schafft Standortsicherheit.

 

Ein weiterer großer Block ist die Sonnenstromoffensive. Wir haben im letzten Jahr unser Ziel der 300 Megawatt Peak erreicht, wir haben es sogar überschritten. Wir halten auch Zielkurs auf ein sehr viel größeres Ziel, nämlich 800 Megawatt Peak, das bedeutet, fast ein Viertel der Wiener Haushalte mit Sonnenstrom zu versorgen. Das ist eine sehr, sehr große Leistung, vor allem in einer sehr dicht bebauten Stadt wie Wien, weil natürlich die Dachflächen deutlich komplexer sind, es deutlich teurer ist, sie mit Solarflächen zu überziehen. Aber es ist wichtig, in einem zukünftigen Energiesystem von der Erzeugung über den Verbrauch über die Energieeffizienz alle Bausteine des Energiesystems zu koppeln. Auch das ist etwas, was jetzt in Wien sehr gut funktioniert. Ich glaube auch, dass wir da europaweit gesehen fortschrittlich sind, denn aus vielen, vielen großen Städten Europas kommen sie nach Wien und schauen sich an, wie das in Wien funktioniert. Darauf können wir wirklich stolz sein. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Ein zentraler Aspekt bei unseren drei Ks der Klimawirtschaft, der Klimapolitik - also Klimaschutz, Klimawandelanpassung -, ist die Kreislaufwirtschaft. Diese wird auch im Rahmen des Wiener Klimafahrplanes ergänzt und bearbeitet. Wir haben im heurigen Jahr, also im Übergang vom letzten zum heurigen Jahr, die Wiener Kreislaufwirtschaftsstrategie präsentiert. Ein Aspekt, der heute auch schon kurz erwähnt wurde, wo man sehr schön sieht, wie man Kreisläufe schließen kann, ist das Thema des Phosphorrecyclings. Es ist ja per Gesetz notwendig, dass der Klärschlamm der Abwasserreinigungsanlagen verbrannt wird. Wien ist hier schon in einer Vorreiterrolle, indem man aus der Asche dieses Klärschlammes wieder Phosphor gewinnt - Phosphor für die Landwirtschaft und Phosphor für anderen Einsatz. Auch das ist ein wichtiger Aspekt in unserer Klimapolitik.

 

Das heißt, wir bauen Klimasysteme, wir bauen Energiesysteme für die Zukunft, die intelligent sind, die vernetzt sind, die nachhaltig sind, und dies - das ist der wichtigste Punkt - sowohl für die Wiener Bevölkerung als auch für die Industrie, die versorgungssicher ist, auch in kritischen Situationen. Dafür steht Wien, und das schafft die Perspektiven für die WienerInnen und auch für die Wirtschaft. - Vielen Dank (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Tatsächliche Redezeit waren acht Minuten.

 

Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Wirnsberger. Selbst gewählte Redezeit: neun Minuten.

 

19.26.34

GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, werte ZuseherInnen, die wahrscheinlich nicht sehr zahlreich sind, bei der harten Konkurrenz, die wir heute haben!

 

Wir spüren das heute hier im klimatisierten Gemeinderatssitzungssaal nicht, aber da draußen hat es heute wieder über 30 Grad gehabt. Wir erleben gerade den Anfang der wohl längsten Hitzewelle, die es jemals in einem Juni gegeben hat. (StR Dominik Nepp, MA: Geh bitte!) Wien ist im Sommer bereits jetzt durchschnittlich um 2,5 Grad heißer als das Umland. Das ist kein Einzelfall, sondern das ist eine Entwicklung. Die Folgen sind Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu Kreislaufversagen, Krankenhausaufenthalten und im schlimmsten Fall sogar Todesfälle. Im Jahr 2024 sind laut ÖGK in Österreich 1 100 Menschen an den Folgen extremer Hitze verstorben. Zum Vergleich: Das entspricht der Zahl der Verkehrstoten von 2023, 2024 und 2025 zusammen. Ich rede heute in der Spezialdebatte zu Klima und Umwelt zwar über die Hitze und ihre Folgen, aber wir wissen inzwischen, dass das nicht nur ein klimapolitisches Thema ist, sondern dass das ein Thema von Gesundheit, von Lebensqualität und von sozialer Gerechtigkeit ist. Diese Frage gehört deshalb ins Zentrum kommunaler Politik. Ich sage Ihnen aber ganz ehrlich, in Wien muss man den Plan für Hitzeschutz tatsächlich mit der Lupe suchen.

 

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