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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 22.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 84 von 113

 

Engpässe bei Psychotherapie, Entwicklungsdiagnostik, Logopädie, Ergotherapie und anderen Unterstützungsangeboten. Gerade Familien mit geringem Einkommen stoßen dabei oft an ihre Grenzen. Dabei wissen wir ja längst, dass Prävention und Früherkennung unerlässlich sind. Jeder Euro, der frühzeitig in psychische Gesundheit investiert wird, erspart vielfach hohe Folgekosten in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Arbeitsmarkt. Viele gesundheitliche Probleme beginnen ja wie gesagt im Kindes- und Jugendalter, begleiten aber vor allem Mädchen bis ins Erwachsenenleben. Daher lautet die Devise: Wer in die Gesundheit von Kindern investiert, investiert in die Gesundheit unserer Gesellschaft. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Wer in die Gesundheit von Frauen investiert, stärkt Familien, soziale Stabilität und letztlich auch unser Gesundheitssystem insgesamt.

 

Das bringt mich zum nächsten wichtigen Thema, das leider oft sehr stiefmütterlich behandelt wird, heute jedoch erfreulicherweise schon oft genannt wurde, nämlich die Frauengesundheit. Es gibt noch immer bestehende erhebliche geschlechterbezogene Unterschiede, vor allem in der Diagnostik und Behandlung. Zahlreiche Studien zeigen auf, dass vor allem Symptome bei Frauen oft anders verlaufen als bei Männern und dennoch vielfach anhand männlicher Referenzwerte beurteilt werden. Genau da setzt die Gendermedizin an, nicht als ideologisches Projekt, sondern als wissenschaftlicher Ansatz, der biologische Unterschiede berücksichtigt, um Diagnosen und Therapien zu verbessern.

 

Besonders deutlich zeigt sich dies bei Erkrankungen wie der Endometriose. Erfreulicherweise gibt es jetzt eine neue Plattform, die zu begrüßen ist, und vor allem muss man auch wissen, dass Endometriose so häufig auftritt wie Diabetes. Ich hoffe, dass damit dieses Tabuthema endgültig aufgehoben wird.

 

Ebenso darf die psychische Gesundheit von Frauen nicht aus dem Blick geraten. Mehrfachbelastungen durch Familie, Beruf und Pflegeaufgaben und finanzielle Unsicherheiten führen zunehmend zu psychischen Belastungen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt der Bedarf an rascher und niederschwelliger Unterstützung.

 

Ein besonders bedrückendes Beispiel, wie Gesundheit und Gewalt miteinander verbunden sind, ist die weibliche Genitalverstümmelung - auf Englisch kurz FGM. FGM ist keine kulturelle Besonderheit, sondern eine schwere Körper- und Menschenrechtsverletzung mit oftmals lebenslangen gesundheitlichen Folgen. Betroffene leiden häufig unter chronischen Schmerzen, Infektionen, Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sowie massiven psychischen Belastungen. Es ist besorgniserregend, dass von den ungefähr 11 000 betroffenen Frauen alleine in Wien 6 300 leben.

 

Es gibt natürlich eine große Dunkelziffer, und viele Fälle bleiben auch auf Grund des familiären Druckes, auf Grund von Angst und mangelnder Kenntnis über bestehende Hilfsangebote unerkannt. Daher haben wir einen Antrag eingebracht. Ich ziehe den Beschlussantrag zurück und bringe den gleichlautenden Antrag mit der Änderung auf Zuweisung hiermit neu ein. (Beifall bei der FPÖ sowie von GR Mag. Josef Taucher.)

 

Der Antrag sieht eine Evaluierung und einen möglichen Ausbau bestehender Präventions- und Schutzmaßnahmen vor. Es geht um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen, Kinder- und Jugendhilfe, Bildungseinrichtungen und Sicherheitsbehörden, um die Sensibilisierung von Lehrkräften, Schulärzten, Sozialarbeitern sowie um die frühzeitige Erkennung möglicher Gefährdungen von Mädchen, denn jedes Mädchen und jede Frau hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf ein Leben frei von Gewalt. (Beifall bei der FPÖ. - GR Mag. Josef Taucher nickt zustimmend.)

 

Abschließend möchte ich mich noch bei allen bedanken, die tagtäglich oft unter sehr schwierigen Bedingungen Großartiges im Gesundheits- und Sozialbereich leisten. - Vielen Dank. (Beifall bei der FPÖ und von GR Mag. Josef Taucher.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Die sechs Minuten wurden eingehalten.

 

Als Nächste zu Wort gemeldet ist GR Deutsch. Die selbst gewählte Redezeit sind acht Minuten. - Sie sind am Wort.

 

18.19.10

GR Christian Deutsch (SPÖ)|: Vielen Dank, Frau Vorsitzende! - Herr Stadtrat, meine sehr geehrten Damen und Herren!

 

Wenn wir heute über die strategische Gesundheitsversorgung in Wien sprechen, dann zeigt genau die Leistungsbilanz des Wiener Gesundheitsverbundes im vorliegenden Rechnungsabschluss, dass Wien ein Gesundheitssystem hat, auf das man sich in der Tat verlassen kann. Während Kollegin Schütz in ihrer Rede betont hat, dass sie eigentlich alles schlecht findet, dass sie nichts Positives am Wiener Gesundheitssystem findet, sind es aber auf der anderen Seite über 90 Prozent der Wienerinnen und Wiener, die gerne in der Stadt leben, und dies unter anderem auch auf Grund eines hervorragenden Gesundheitssystems. Dieses ist übrigens auch einer der Gründe, warum viele Menschen nach Wien kommen und auch in Wien in den Spitälern behandelt werden wollen.

 

Damit bin ich dann schon bei der Frage der Gastpatienten, die Kollege Gorlitzer auch angesprochen hat. Diesbezüglich wurde ja immer ganz klar dargestellt, dass es sich ausschließlich um planbare Operationen handelt, dass im Akutfall sofort gehandelt wird, dass es keine Frage des Reisepasses ist, wenn ein Mensch Hilfe und Unterstützung braucht. Es wäre eine wesentliche strukturelle Verbesserung für die budgetäre Situation - weil es sich da auch um ein strukturelles Defizit handelt -, endlich die Finanzierung von Gesundheitsleistungen in der Ostregion nachhaltig zu klären. Es liegt ja auch ein Vorschlag des Wiener Bürgermeisters und des Gesundheitsstadtrates auf dem Tisch. Und, meine sehr geehrten Damen und Herren von ÖVP und FPÖ, da hätte ich mir schon im Interesse Wiens mehr Unterstützung für die Finanzstadträtin und für den Gesundheitsstadtrat erwar

 

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