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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 22.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 83 von 113

 

GR Theodor Felix Löcker (GRÜNE)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Bis zum Anpfiff des Spiels müssen wir uns noch ein paar Minuten gedulden, aber zumindest passt es zum Thema der Debatte - Sport.

 

Investitionen in Sport sind Investitionen in Gesundheit und Prävention - und ich denke, man könnte, wenn man über Gesundheit und Prävention redet, auch scherzhaft anmerken, es ist eher eine gute Möglichkeit, Krankheiten gegen Unfälle zu tauschen. Das darf ich nach der dritten Meniskus-OP sagen, aber es ist eine gute Präventionsmethode. Sport ist auch Motor für Durchmischung und Integration. Ich habe das selber erlebt. Als ich angefangen habe, auf der Roßauer Lände im Calisthenics-Park zu trainieren, sind dort Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammengekommen. Es hat einfach nicht gezählt, woher man gekommen ist, sondern wo man gemeinsam hinwollte. Es ging nicht darum, welche Sprache man spricht, sondern ob man sich gegenseitig unterstützen kann und eine Übung vielleicht auch mit Händen und Füßen erklären kann.

 

Ein Ort, an dem Breitensport, Ehrenamt und Bewegung großgeschrieben werden, ist der Postsportplatz in Hernals. Im Sinne von Breitensport, im Sinne von Integration und Durchmischung und im Sinne von Gesundheitsprävention ist es unerlässlich, auf die Bedeutung des Areals und dessen Erhaltes hinzuweisen.

 

Aber auch im Bereich psychischer Gesundheit möchte ich die Verbindung zum Sport ziehen. Wenn psychische Probleme vielleicht manchmal unsichtbar sind, sind sie trotzdem selbstverständlich real und ernst zu nehmen. Es darf einfach keine Rolle spielen, ob ich mir das Bein breche, den Meniskus reiße oder ob ich Probleme mit der Mental Health habe und deswegen zum Arzt gehen möchte. Leider ist es aber so, dass die Wartezeiten auf Therapieplätze eine andere Sprache sprechen, als dass es keinen Unterschied machen würde. Insofern: ein dringender Appell, das genauso ernst zu nehmen wie körperliche Gesundheit. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.)

 

Auch das Thema Einsamkeit stellt uns besonders im urbanen Kontext vor große Herausforderungen. Wir sehen, dass gerade bei Jugendlichen die Zahlen, was Einsamkeit und soziale Isolation betrifft, zwar während der Pandemie angestiegen sind, danach aber nicht wirklich abgeflacht sind. Das heißt, das ist ein nach wie vor existentes Problem, und auch da kann Sport eine gute Möglichkeit sein. Weil es da aber noch zu wenig städtisches Angebot gibt und man sich immer fragt: Was kann man als Oppositionspartei eigentlich machen, außer in Reden darauf hinzuweisen oder vielleicht ein Interview zu geben?, habe ich mir gedacht, ich organisiere einfach etwas selber, und habe ein halbes Jahr daran gearbeitet. Es gibt jetzt das erste österreichische Fitness-Buddy-Projekt, wo wir Jugendliche, die von sozialer Isolation und Einsamkeit betroffen sind, mit ehrenamtlichen Buddys matchen. Das geht jetzt an den Start, und es wäre eigentlich cool, wenn die Stadt das in der nächsten Periode übernehmen würde. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Mir bleibt noch eine Minute - ich möchte Hans nicht zu viel von seiner Redezeit stehlen -, deswegen möchte ich noch auf ein Thema hinweisen, das bei Männern oft unter den Tisch fällt, nämlich die Geschlechterdifferenzen im Sport. Wir haben nach wie vor keine echte Gleichstellung, und es ist vor allem an uns Männern, darauf hinzuweisen. Und ein Fakt, der besonders heute wichtig ist: Die häusliche Gewalt nach Fußballspielen steigt wahnsinnig an - auch wenn das eigene Team gewinnt, wenn das eigene Team verliert, noch schlimmer. Aber dass die häusliche Gewalt nach Fußballspielen ansteigt, ist gerade heute etwas, auf das wir hinweisen sollten. Ich glaube, das ist wirklich komplett unabhängig von der Farbe des Parteibuches. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Frühmesser-Götschober. - Sechs Minuten Redezeit, die ich Ihnen jetzt einstelle. Sie sind am Wort.

 

18.12.52

GRin Lisa Frühmesser-Götschober (FPÖ)|: Danke, Frau Vorsitzende! - Frau Berichterstatterin, meine sehr geehrten Damen und Herren!

 

Der Rechnungsabschluss zeigt uns, welche Prioritäten eine Stadt setzt und ob die eingesetzten Mittel auch tatsächlich bei den Menschen ankommen. Genau deshalb müssen wir uns die Frage stellen: Werden die Herausforderungen in der Gesundheitspolitik in Wien tatsächlich mit jener Priorität behandelt, die sie verdienen? - Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit fällt die Antwort leider ernüchternd aus. Es gibt eine gravierende Unterversorgung, jahrzehntelang schon, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen steigen jedes Jahr dramatisch an - von Depressionen über Angststörungen, Essstörungen bis hin zu anderen psychischen Erkrankungen, die immer häufiger auftreten. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an rechtzeitigen Behandlungsangeboten. Der Rechnungshof hat schon 2025 festgestellt, dass Kinder und Jugendliche im Bereich der psychiatrischen Versorgung weiterhin in hohem Maße unterversorgt sind. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Auch die vorhandenen Strategien würden vielfach an der mangelnden Umsetzung scheitern. Besonders kritisch ist die Versorgung im ambulanten Bereich. In Wien betrug die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin bei einem Kinder- und Jugendpsychiater zuletzt rund 90 Tage. Für ein Kind in einer psychischen Krise sind drei Monate eine Ewigkeit. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie bleibt daher leider eine Dauerbaustelle. Und es ist ein Armutszeugnis für die sogenannte Menschenrechtshauptstadt, wenn Kinder und Jugendliche in der Erwachsenenpsychiatrie untergebracht werden.

 

Psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter bestehen häufig bis ins Erwachsenenalter fort. Sie können erhebliche Auswirkungen auf die Bildung, das Erwerbsleben und auf die gesellschaftliche Teilhabe haben. Hinzu kommt natürlich auch noch der Mangel an Therapieplätzen. Auch die Wiener Patientinnen- und Patientenanwaltschaft verweist ja regelmäßig auf die

 

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