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Gemeinderat, 16. Sitzung vom 22.06.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 70 von 113

 

2025 über 2 400 Jugendliche in 48 Einrichtungen direkt mit eingebunden. Für jene, die das nicht kennen: Das ist ein Beteiligungsprozess für junge Menschen an ihrer Gesundheit und an ihrem Wohlbefinden. Das ist ein Wiener Erfolgsprojekt, dass wir mittlerweile österreichweit ausrollen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Für mich ist Sport keine reine Freizeitbeschäftigung, sondern auch aktive Gesundheitsvorsorge. Wer sich regelmäßig bewegt, lebt gesünder, länger und glücklicher. Das ist keine persönliche Meinung, sondern das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Anhand der Finanzierung der Sport Arena, des ÖFB-Campus und der Sportanlagen-Sanierungsprogramme haben wir gezeigt, wie ernst wir das nehmen. Die MA 51 hat 2025 insgesamt rund 112 Millionen EUR in die Wiener Sportinfrastruktur investiert. Wir sanieren unsere Sportanlagen klimafit mit Photovoltaikanlagen. Das ist gut für die Gesundheit und gut für das Klima. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Wir investieren gezielt in Frauensport. Weibliche Vorbilder im Spitzensport wirken: Sie zeigen, dass wir Mädchen, junge Frauen und Frauen alles erreichen können, was Männer auch erreichen können. Und ich sage hier ganz klar: Ich wünsche mir mehr davon, mehr Investitionen in Sportstätten und in Grätzel, mehr niederschwellige Bewegungsangebote für Frauen und Mädchen, mehr Sichtbarkeit für den Frauensport. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Wir wissen nämlich: Statistisch betrachtet hören Mädchen früher mit dem Sport auf als Burschen, und das bewirkt ein Gesundheitsproblem, das wir politisch weiter angehen müssen. Das gilt auch für den Bereich des Kinder- und Jugendsportes und des Behindertensportes.

 

Jetzt möchte ich auf ein Thema eingehen, das mir besonders am Herzen liegt, nämlich die Frauengesundheit. Frauengesundheit war zu lange zu sehr ein Randthema in der Medizin und auch in der Politik. 2025 haben wir bewiesen, dass wir in Wien nachhaltig einiges geändert haben. Wir sagen aber ganz ehrlich: Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber schon gut unterwegs.

 

Wir setzen vor allem auch dort an, wo es beginnt. Zum Beispiel haben wir bei den Mädchen und jungen Frauen 2025 mit dem Projekt Menarche erstmals flächendeckend altersgerechtes Informationsmaterial zur ersten Regelblutung entwickelt, vom Comic "Pippa checkt alles" bis zum Ausbau der Roten Box und kostenlosen Menstruationsartikeln in Bezirken und Jugendzentren. Kein Mädchen in dieser Stadt sollte sich wegen ihrer Periode schämen.

 

Ein echter Meilenstein ist uns mit der Etablierung der Wiener Endometriose-Plattform gelungen. Endometriose betrifft schätzungsweise jede zehnte Frau im reproduktiven Alter. Das ist eine Krankheit, die massive Schmerzen verursacht. Oft wird betroffenen Frauen gesagt: Das ist halt so. Es gehört dazu, dass man Regelschmerzen hat. - Das ist aber nicht okay! Mit dem neu strukturierten Versorgungsnetzwerk steuern wir hier endlich entgegen. Wir schaffen qualitätsgesicherte Anlaufstellen, verkürzen Diagnosezeiten und beenden jahrzehntelange Tabus.

 

Wir sehen auch, dass junge Frauen heute ganz neuen Herausforderungen ausgesetzt sind, und damit möchte ich zum Punkt Frauengesundheitsdialog 2025 kommen. In diesem Rahmen wurde aufgezeigt, wie stark soziale Medien die psychische Gesundheit junger Menschen beeinflussen. Algorithmen fordern Selbstoptimierung und erzeugen unrealistische Schönheitsideale, und diese üben massiven Druck auf die junge Generation aus. Die Folgen können gefährlich sein. Wir haben innerhalb des Wiener Programms für Frauengesundheit 2025 eine groß angelegte Kampagne zu Risiken von Schönheitseingriffen gestartet. Unter dem Titel "Botox, Filler und Co." haben wir auf TikTok, Instagram und anderen Social Media mit einem Podcast anhand evidenzbasierter Medizin aufgeklärt, wie gefährlich ein solcher Eingriff sein kann. "Billig und schnell" kann bei Schönheitseingriffen lebensgefährlich sein. Das Ergebnis dieser Kampagne war, dass wir 2025 neun illegale Schönheitskliniken aufgedeckt haben und schließen ließen. Das ist ein starkes Signal für den Schutz unserer Frauen.

 

Wir denken die Frauengesundheit auch ganzheitlich. Beim FEM Med-Infopoint verzeichneten wir 2025 über 6 100 Beratungen. In diesem Zusammenhang ist es mein klarer Wunsch, dass sich der Bereich Gendermedizin in den kommenden Jahren weiterentwickelt - und zwar nicht als Nischenthema, sondern als Standard. Es ist mir ein Anliegen, dass wir betreffend diesen Bereich mehr Anlaufstellen für Frauen in Wien haben. Ich meine, Wien kann diesbezüglich auch als Vorbild fungieren.

 

Prävention endet aber nicht bei der körperlichen Gesundheit. Vielmehr ist auch die psychische Gesundheit sehr wichtig. Wir haben in Wien gesehen, dass Kinder und Jugendliche entsprechenden Belastungen enorm stark ausgesetzt sind. Damit aber kein Kind in Wien wochenlang auf einen Therapieplatz warten muss, haben wir auch die Psychosozialen Dienste weiter ausgebaut. Vor allem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist 2025 einiges weitergegangen. Mit dem fünften Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulatorium Alsergrund, das wir auch besucht haben, wurde auf 1 600 Quadratmetern ein Platz geschaffen, wo bis zu 600 Kinder pro Jahr behandelt werden. Und auch das neue Ambulatorium Penzing hat eine große Fläche, wo auch Kinder und Jugendliche in großer Anzahl versorgt werden.

 

Wir haben auch andere Projekte wie zum Beispiel OPSY. Drei Klinische PsychologInnen beraten vierzehntägig direkt in den Wiener Jugendzentren anonym, kostenlos und ohne E-Card. Sie sprechen mit den Kindern und Jugendlichen und behandeln diese auch. Das ist die beste Prävention, bevor die Krise eskaliert.

 

In diesem Zusammenhang dürfen wir auch die Suchthilfe nicht vergessen, denn mit der Kooperation "Kinder aus suchtbelasteten Familien" stärken wir Resilienz dort, wo sie am dringendsten notwendig ist, nämlich bei Kindern, die in einem belasteten Familiensystem aufgewachsen sind. Genau diesen Kindern müssen wir helfen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

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