Gemeinderat, 16. Sitzung vom 22.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 54 von 113
Wenn wir also verhindern wollen, dass Wien endgültig in die Pleite schlittert, dann brauchen wir eine politische Wende, einen Kurswechsel, und der gelingt nur mit der FPÖ. (Beifall bei der FPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Weninger, und ich erteile es ihr. Die Redezeit ist zehn Minuten. - Bitte.
GRin Katharina Weninger, BA (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen!
Wenn man über die Wirtschaft in unserer Stadt spricht, gibt es ein Thema, an dem man quasi nicht vorbeikommt, und das ist der Tourismus. 20 Millionen Nächtigungen in Wien im Jahr 2025 - wir haben es heute schon gehört -, das ist ein absoluter Rekord, plus 6 Prozent gegenüber 2024. Der Tourismus in Wien ist also kein nettes Beiwerk, sondern ein echter Wirtschaftsfaktor. Der Nettonächtigungsumsatz lag bei rund 1,5 Milliarden EUR und - das vergisst man leicht - Wien als Tourismusstandort bringt im restlichen Österreich noch einmal rund 600 Millionen EUR Wertschöpfung obendrauf.
Rund jeder neunte Vollzeitjob hängt direkt oder indirekt mit dem Tourismus und der Freizeitwirtschaft zusammen. Die Jobs im Tourismus sind nicht nur Vollzeitstellen, im Gegensatz zu ganz vielen anderen Bundesländern sind die Wiener Tourismusarbeitsplätze auch ganzjährige Jobs. Zusätzlich sind das auch standortgebundene Arbeitsplätze, die kann man also nicht einfach wegdigitalisieren oder auslagern.
Ein Bereich, den ich da noch kurz hervorheben möchte, ist die Meetingwirtschaft. 7 196 Kongress- und Firmentagungen im Jahr 2025 - auch das ein Rekord. Die Wiener Meetingindustrie hat 1,48 Milliarden EUR Bruttowertschöpfung erzeugt. 2026 sind bereits über 60 internationale Kongresse mit mehr als 1 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern geplant, vier davon mit über 10 000 Menschen - Kongresse, die Wien als Wissenschafts- und Kongressmetropole sichtbar machen, weit über den Nächtigungseffekt hinaus.
Die Zahlen im Tourismus sind nach außen beeindruckend, aber nur mit dem zu erreichen, was dahintersteht, mit der Strategie. Wien verfolgt seit einigen Jahren den Ansatz "Optimum Tourism". Das ist kein Marketingslogan, sondern eine klare Haltung. Wir wollen nicht Tourismus um jeden Preis, wir wollen gutes Wachstum, das bedeutet konkret, Wachstum und Lebensqualität müssen zusammenpassen. Der Tourismus soll die Stadt bereichern, nicht verdrängen, und das wird auch gemessen. Das bedeutet faktenbasiertes Steuern statt Steuern nach Bauchgefühl.
Diese Haltung spiegelt sich auch in den konkreten Produkten des WienTourismus wider, wie zum Beispiel der Destinationsapp ivie. Sie hilft Gästen dabei, Wien fußläufig zu erkunden, und verteilt touristisches Interesse bewusst auf die ganze Stadt, nicht nur auf die Innere Stadt - 1,8 Millionen Downloads, 500 000 aktive Nutzerinnen und Nutzer im Jahr. 2025 wurde ivie bei den Webby Awards als eine der Top-5-Travelapps weltweit ausgezeichnet. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis davon, wenn man Tourismuspolitik und digitale Services zusammendenkt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Die Reichweite der Gesamtkommunikation stimmt. Wien.info hatte 16 Millionen Besucherinnen und Besucher, im letzten Jahr 1,9 Millionen Social-Media-Follower, täglich durchschnittlich 24 internationale Wien Storys in den Medien weltweit. 700 Medienvertreterinnen und -vertreter wurden 2025 persönlich in Wien betreut - das ist kontinuierliche Arbeit, die auch ihre Früchte trägt.
Das bringt mich noch zu einem zweiten Thema - und zwar der MA 53, der städtischen Kommunikation. Was WienTourismus nach außen macht, macht die MA 53 nach innen: Wien für die Menschen, die hier leben, verständlich und zugänglich machen. Im September 2025 wurde wien.gv.at vollständig neu aufgebaut - drei Millionen Besucher pro Monat.
Der Ansatz war klar: Nicht die interne Logik des Magistrates steht im Vordergrund, sondern was die Menschen wirklich suchen: Meldezettel, Reisepass, Kindergartenplatz. Die wichtigsten Seiten wurden grundlegend überarbeitet, Menüpunkte halbiert, keine große politische Geste, aber es macht den Alltag für die Wienerinnen und Wiener einfacher. Auch dafür stehen wir.
Wien ist seit 2017 viermal in Folge als transparenteste Gemeinde Österreichs ausgezeichnet worden. Mit Open Government Data by default wird dieser Weg weitergeführt: strukturierte Daten, maschinenlesbar zugänglich, für Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Wirtschaft. Und ja, auch bei der Kommunikation haben wir gespart. So kommt zum Beispiel die Zeitung "Mein Wien" nur mehr halb so oft heraus. Das spart rund 3,2 Millionen EUR pro Jahr - eine klare Maßnahme, ohne dass die Grundversorgung der Stadtinformation für die Wienerinnen und Wiener verloren geht.
Ein Jahr mit starken Tourismusergebnissen und starker und gleichzeitig sparsamer Arbeit in der Kommunikation - das zeigt, auch in einem budgetär herausfordernden Jahr kann Wien liefern - nach außen wie nach innen. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Dr. Bernecker-Thiel, und ich erteile es ihr. - Bitte schön, sieben Minuten Redezeit.
GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel (NEOS): Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Was wäre Wien ohne Europa oder anders gefragt: Man könnte auch sagen, was wäre Europa ohne Wien? - Wir sind immerhin die fünftgrößte Stadt der EU und sind natürlich in dieser Funktion und mit dieser Verantwortung auf europäischer Ebene und auf internationaler Ebene sehr aktiv. Dabei geht es um ganz klare Ziele.
Ziel Nummer 1: Wien international als moderne, lebenswerte, erfolgreiche Stadt zu promoten. Wenn wir sehen, welche Plätze wir in diesen internationalen Rankings jeweils haben, würde ich sagen, das gelingt uns sehr gut. Zweitens wollen wir von den Erfahrungen anderer Städte profitieren. Und drittens wollen wir unsere grenzüberschreitenden Beziehungen stärken - sei es auf
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